Werbung

Gauck und der Mut zur Wahrheit

Roland Etzel zur merkwürdigen deutschen Armenien-Debatte

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Nun hat es auch Gauck gesagt. Was den Armeniern 1915 im Osmanischen Reich geschah, war Völkermord, und sogar die Beihilfe deutscherseits benannte er. Das öffentliche Aussprechen historischer Wahrheiten kann eine politische Heldentat sein. Aber andere taten es lange vor ihm. Dabei kann Gauck seit seinem Türkei-Besuch dort keinerlei Beliebtheit mehr einbüßen. Warum also so spät die neue deutsche Sicht auf 1915? In Fragen aktueller deutscher Kriegsbeteiligung war er bisher weniger zurückhaltend.

Und noch eines: Das reale politische Gewicht einer Botschaft bemisst sich sehr wesentlich an dem des Boten. Da steht Gauck im diplomatischen Protokoll ganz oben, aber auch nur dort. Was ein deutscher Bundespräsident im Rahmen eines Gedenkgottesdienstes erklärt, ist, mit Verlaub gesagt, realpolitisch nachrangig und hat in Ankara gewiss niemanden erbleichen lassen.

Mutig wäre Gauck gewesen, wenn er die sich hinter seinen Worten verschanzende Bundesregierung aus der Deckung getrieben hätte. Der für die Bundesregierung bei der Armenien-Debatte sprechende SPD-Abgeordnete Erler, erfand - staatstragend wie zu Kaisers Zeiten - die seltsame Metapher von der »genozidalen Dynamik«, um das Wort Völkermord zu umgehen. Mit solch peinlicher Unterwerfungsgeste unter großtürkische Sprachregelungen hat er sogar das Gauck-Zugeständnis ziemlich entwertet.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!