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Zahl der Toten nach Erdbeben in Nepal steigt auf rund 3900

Nach dem schweren Erdbeben: Krankenhäuser sind überfüllt, Straßen zerstört, Telefonleitungen kaputt / Internationale Hilfe läuft an / Regenfälle machen Rettern zu schaffen

Update 17.23 Uhr: In Nepal steigt die Zahl der Todesopfer immer weiter an. Bislang seien fast 3900 Tote gezählt worden, davon 3793 in Nepal und mehr als 90 in den Nachbarländern Indien und China, teilten die Behörden am Montag mit. Rettungsteams lieferten sich derweil bei der Suche nach Überlebenden einen Wettlauf gegen die Zeit.

Zehntausende Nepalesen harrten am Montag weiter in Zelten aus und warteten auf Hilfe. Parks und offene Gelände in Nepals Hauptstadt Kathmandu waren überfüllt mit Einwohnern, die obdachlos geworden sind oder aus Angst vor Nachbeben nicht in ihre Häuser zurückkehren wollten. Zahllose Familien versuchten, in ihre Heimatdörfer zu gelangen, um sich über den Verbleib ihrer Angehörigen zu informieren.

»Das ist ein Albtraum, warum hören diese Nachbeben nicht auf«, sagte die 70-jährige Sanu Ranjitkar. Viele Überlebende in den Notunterkünften verfügten lediglich über Plastikdecken, um sich vor Kälte und Regen zu schützen. »Alle sind verängstigt und verwirrt, niemand weiß, was wir als nächstes tun sollen«, sagte Bijay Sreshth, der mit seiner Familie in einen Park flüchtete.

Vor Tankstellen bildeten sich lange Schlangen, in Supermärkten wurden Grundnahrungsmittel knapp. Ein Regierungsvertreter erklärte, es gebe dringenden Bedarf an Trinkwasser. Auch die Rettungsmaßnahmen müssten ausgeweitet werden. »Wir brauchen mehr Hubschrauber für die ländlichen Gegenden«, sagte ein Sprecher.

Rettungshubschrauber begannen am Montag, mehr als 150 Bergsteiger aus höheren Lagen am Mount Everest zu befreien, deren Abstiegsroute blockiert war. Zuvor waren bereits zahlreiche Verletzte aus dem Basislager ausgeflogen worden. Das Erdbeben hatte eine Lawine ausgelöst, die einen Teil des Basislagers verschüttete, mindestens 18 Menschen wurden getötet. Zum Beginn der Klettersaison befanden sich örtlichen Schätzungen zufolge rund 800 Menschen am höchsten Berg der Welt, darunter viele Ausländer.
Die Lage am Mount Everest war weiter unklar, da die Kommunikation zusammenbrach. Der Chef der Tourismusbehörde, Tulsi Gautam, sagte, möglicherweise könnten die Bergtouren in diesem Jahr nicht fortgeführt werden.
Der Bergsteiger Reinhold Messner warnte davor, dass das Schicksal der internationalen Kletterer die Not der Bevölkerung vor Ort in den Hintergrund drängen könnte. In erster Linie müsse den Menschen in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu geholfen werden, sagte er im Sender HR-Info.Am Mount Everest gebe es genügend Ärzte und Essen. Außerdem könnten Betroffene ausgeflogen werden.

Update 14.50 Uhr: Nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal hat mindestens die Hälfte aller EU-Länder Hilfe zugesagt. »Wir haben bereits 14 Mitgliedsstaaten, die angeboten haben, Erste-Hilfe-Teams und Ausrüstung in das Land zu schicken«, sagte eine Sprecherin der Europäischen Kommission am Montag in Brüssel. Die Zahl der hilfsbereiten EU-Staaten könnte aber noch höher liegen.

Neben der Unterstützung, die von der Europäischen Union (EU) koordiniert wird, kann es auch Absprachen direkt zwischen weiteren EU-Ländern und der Krisenregion geben.

Update 12.50 Uhr: Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben im Himalaya finden die Helfer weiter zahlreiche Tote. Allein in Nepal kamen nach Regierungsangaben vom Montag mindestens 3.326 Menschen ums Leben.

Update 12.30 Uhr: Nach dem schweren Erdbeben sind in Nepal fast eine Million Kinder dringend auf Hilfe angewiesen. Allein in der Hauptstadt Kathmandu müssten tausende Kinder mit ihren Eltern seit dem Beben am Samstag im Freien übernachten, die Gefahr von Epidemien sei mangels sauberem Wasser und sanitärer Einrichtungen sehr hoch, erklärte das UN-Kinderhilfswerk (Unicef) am Montag. Viele Kinder seien zudem von ihren Familien getrennt und auf sich allein gestellt. Mindestens 940.000 Minderjährige aus den am schwersten betroffenen Regionen seien deshalb dringend auf »humanitäre Hilfe« angewiesen.

Unicef wird nach eigenen Angaben neben Helfern zwei Transportmaschinen mit 120 Tonnen Hilfsgütern, darunter auch Medikamente, Zelte und Decken, nach Kathmandu entsenden. Das Beben der Stärke 7,8 hatte am Samstag die Himalaya-Region erschüttert, wegen der zahlreichen Nachbeben leben die meisten Menschen seitdem im Freien. Mindestens 3200 Menschen kamen nach jüngsten Angaben der nepalesischen Regierung ums Leben.

Schwierige Rettungsarbeiten

Deutsche Hilfsorganisationen im Erdbebengebiet von Nepal berichten von schwierigen Rettungsarbeiten. In der Hauptstadt Kathmandu mache seit dem Sonntagabend starker Regen die Lage für die aus Angst vor Nachbeben im Freien campierenden Menschen problematischer, sagte eine Sprecherin der Welthungerhilfe am Montag in Köln.

Es sei derzeit nur eingeschränkt möglich, die dringend benötigten Hilfsgüter über den ebenfalls zerstörten Flughafen in Kathmandu einzufliegen, berichtete Ingo Radtke, Generalsekretär von Malteser International. Seine Organisation hat aus Deutschland eine halbe Tonne Medikamente bereitgestellt.

Auch die Duisburger Katastrophenhilfe I.S.A.R. hat sich mit Medizinern und Bergungsexperten sowie 15 Tonnen Hilfsgütern auf den Weg gemacht. Sie warten in Indien auf die Möglichkeit zur Weiterreise, wie ein Sprecher mitteilte.

Update 12.00 Uhr: Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) hat dem von einem gewaltigen Beben getroffenen Himalaya-Staat Nepal 200 Millionen US-Dollar (184 Millionen Euro) versprochen. Außerdem sende die Bank drei Millionen US-Dollar Soforthilfe für Zelte, Medikamente, Nahrungsmittel und Wasser, erklärte die Bank am Montag in Manila. Die 200 Millionen dürften, wie bei ADB üblich, ein Mix aus Darlehen und Zuwendungen sein. Nepal erlebte am Samstag das schwerste Erdbeben seit mehr als 80 Jahren. Die versprochenen Gelder sollten zum unmittelbaren Wiederaufbau verwendet werden.

Update 10.00 Uhr: Der Südasien-Büroleiter der deutschen Arbeiterwohlfahrt (AWO), Felix Neuhaus, hat vor dem Ausbruch von Seuchen in dem von schweren Erdbeben verwüsteten Nepal gewarnt. »Wir fürchten, auch durch den Regen jetzt, dass es zu wasserbasierten Krankheiten kommt«, sagte Neuhaus am Montag dem Deutschlandfunk.

»Die Trinkwasserversorgung ist auch nicht geregelt, zumindest in vielen Teilen des Landes, sodass es dadurch jetzt auch zu Epidemien kommen könnte,« berichtete Neuhaus aus Nepals Hauptstadt Kathmandu. Zudem reiche die verfügbare medizinische Hilfe nicht aus.

Die Rettungsarbeiten und der Einsatz der Helfer läuft nach seiner Einschätzung insgesamt nicht optimal an: »Relativ unkoordiniert, würde ich sagen.« Die Krankenhäuser in Kathmandu seien »komplett überlastet«. »Es gibt Gesundheitsfreiwillige, die durch die Straßen gehen mit kleinen Köfferchen. Ich habe gestern einen Rundgang gemacht und mit einigen dieser Freiwilligen gesprochen. Die haben Paracetamol, Schmerzmittel dabei und leichte Verbandsstoffe, aber nicht mal Antibiotika«, sagte er.

Update 8 Uhr: Das schwere Erdbeben hat in Nepal auch eine kulturgeschichtliche Katastrophe ausgelöst: Zahlreiche Gebäude und Kunstschätze des Weltkulturerbes sind zerstört. Im Zentrum der Hauptstadt Kathmandu sowie in den angrenzenden Königsstädten Bhaktapur und Patan seien mehrere Tempel und Statuen aus dem 12. bis 18. Jahrhundert beschädigt oder zerstört worden. Bei der Unesco heißt es, man sammele noch Informationen. »Zwei Tempel in Patan sind komplett eingestürzt, und am Durbar-Platz in Kathmandu ist es noch schlimmer«, wird der Unesco-Vertreter für Nepal von der Nachrichtenagentur AFP zitiert.

Schon über 3.200 Tote in Nepal

Berlin. Nach dem schweren Erdbeben in der Himalaya-Region ist die Zahl der Todesopfer in Nepal auf mehr als 3.200 gestiegen. Bislang seien 3.218 Todesopfer und mehr als 6.500 Verletzte gezählt worden, erklärte der Leiter der Katastrophenschutzabteilung im nepalesischen Innenministerium, Rameshwor Dangal, am Montag in Kathmandu. Zuvor war von mehr als 2.400 Toten und über 6.000 Verletzten die Rede gewesen. Aus Nepals Nachbarländern wurden bislang etwa 90 Todesopfer des Erdbebens gemeldet. In Indien starben bei dem Beben 62 Menschen, in China mindestens 20 Menschen.

Am Samstag hatte ein Beben der Stärke 7,8 die Himalaya-Region erschüttert. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört. Die Rettungsbemühungen in Nepal werden durch starke Nachbeben sowie die Schäden an Straßen, Stromleitungen und dem Telefonnetz behindert. Die Krankenhäuser waren so überfüllt, dass Zelte aufgestellt werden mussten.

Für die Rettungs- und Hilfsarbeiten würden alle verfügbaren Kräfte eingesetzt. Das Militär erklärte, 90 Prozent aller nepalesischen Soldaten seien im Einsatz. Zahlreiche Staaten und Organisationen haben Helfer nach Nepal entsandt. Auch aus Deutschland sollten weitere Hilfsflüge starten.

Den Überlebenden machten in der Nacht starke Regenfälle zu schaffen. Viele Bewohner der Region leben in Zeltstädten, da sie sich aus Angst vor Nachbeben nicht in ihre Häuser zurücktrauen. Überlebende berichten, viele Straßen seien durch Erdrutsche oder aufgerissenen Teer nicht passierbar. Nachbeben lassen die Erde weiter erzittern.

Die Europäische Kommission versprach dem bitterarmen Nepal drei Millionen Euro Soforthilfe. Das Geld solle zusätzlich zu den Hilfen der einzelnen Mitgliedstaaten und zur Entsendung von Zivilschutzexperten in die Erdbebenregion fließen, erklärte der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides. Am dringendsten würden medizinische Helferteams und Nothilfe-Lieferungen benötigt.

In Nepals Hauptstadt Kathmandu hätten viele Menschen in der vergangenen Nacht in Parks zusammen gekocht und getrommelt, berichtet der deutsche Reisefotograf Jordane Schönfelder. »Es herrscht eine solidarische Atmosphäre«, sagt er. Viele Menschen seien auf Nachbarschaftshilfe angewiesen. Es gebe keine Informationszentren und nur wenige Soldaten und Polizisten. »Selbst nach den Verschütteten graben die meisten Leute selber.«

Das Erdbeben der Stärke 7,8 war die stärkste Erschütterung des Bodens in Nepal seit mehr als 80 Jahren. Dem Beben am Samstag folgten viele Nachbeben. Das ganze Ausmaß der Zerstörung war noch nicht abzusehen, weil viele abgelegene Dörfer zunächst nicht erreicht wurden. Auch Kathmandu war nicht mehr über den Landweg erreichbar, nachdem ein Nachbeben der Stärke 6,7 die Ost-West-Landstraße bei Mugling und Narayanghat blockierte.

Der Erdstoß mit seinem Epizentrum etwa 80 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kathmandu zerstörte große Teile der Infrastruktur Nepals, viele alte Häuser sowie Weltkulturerbe- und Pilgerstätten. Weite Teile des Erdbebengebiets blieben auch am Sonntag ohne Strom. Die Wasserversorgung war unterbrochen und die meisten Tankstellen waren geschlossen.

Vom Flughafen Berlin-Schönefeld sollte am Montag ein Flug mit 60 Tonnen Hilfsgütern nach Nepal starten, wie das Deutsche Rote Kreuz mitteilte. Ein Hilfsflug von I.S.A.R. Germany mit 52 Helfern war schon am Sonntag gestartet. Unter ihnen seien Rettungshundeführer und Experten für die Suche nach Verschütteten sowie medizinisches Personal, hieß es. Auch Schweden schickte Suchhunde. Das größte Hilfskontingent kommt aber aus dem Nachbarland Indien. Neu Delhi schickte allein 16 Helikopter.

Viele Organisationen riefen zu Spenden für die Erdbebenopfer auf und entsandten ebenfalls Helfer und Material. Die Liste der Länder, die in den ersten 24 Stunden ihre Unterstützung ankündigten, reicht von Sri Lanka über Japan und Russland bis Belgien, Frankreich und Luxemburg. Nepal rief den Notstand in den betroffenen Gebieten aus, in denen 6,6 Millionen Menschen leben.

Die Krankenhäuser seien überfüllt, Blutkonserven und Medikamente gingen zur Neige, erklärten die Vereinten Nationen (UN). Schulen und Universitäten bleiben für eine Woche geschlossen. Gesteuert wird die Hilfe für Nepal vom UN-Büro zur Nothilfe-Koordinierung (OCHA). Hilfsflugzeuge aus aller Welt erreichten Kathmandu mit Gütern wie Nahrungsmitteln, Medikamenten und Kommunikationsgeräten. Agenturen/nd

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