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Der Spleen des grünen Fürsten

Der Pückler-Park im sächsischen Bad Muskau feiert 200-jähriges Jubiläum

  • Von Hendrik Lasch, Bad Muskau
  • Lesedauer: 3 Min.

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Am 1. Mai 1815 rief Fürst Pückler seine Untertanen auf, ihm bei der Anlage eines Parks zu helfen. Ab Freitag feiert man in der malerische Anlage, die zum UNESCO-Welterbe gehört, das Jubiläum.

Es waren eigentlich nicht die Zeiten, um an verschlungene Spazierwege und Sichtachsen zwischen Baumgruppen zu denken. Im Mai 1815 war die Lausitz ausgezehrt von Schlachten und Plünderungen während der Befreiungskriege. Die Stimmung war im Keller, die Wirtschaft lag am Boden. In dem Papier, das Hermann Fürst von Pückler-Muskau am 1. Mai 1815 veröffentlichte, wurden aber keine Vorschläge für ökonomischen Aufschwung verkündet. Der Standesherr bat seine Untertanen vielmehr, ihm bei einer »Lieblingsneigung« zu helfen und mit ihm einen »herrlichen großen Garten« anzulegen. Eine verrückter Vorschlag, meinten Zeitgenossen; ein Spleen, den sich Pückler bei einer Englandreise eingefangen zu haben schien. - 200 Jahre später ist aus der versponnenen Idee ein Juwel geworden: ein malerischer Park, der zu den schönsten Zeugnissen der Landschaftsgärtnerei im 19. Jahrhundert gehört. Auf rund 830 Hektar Fläche erstreckt er sich beiderseits der Neiße rund um das Neue Schloss mit seiner dunkelrot-beigen Fassade. Seit 2004 steht er auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Viele zahlende Touristen kommen von weither in die Kleinstadt am östlichsten Rand Sachsens direkt an der polnischen Grenze, die auch den Park durchzieht. Dieser zeige damit, sagt Cord Panning, dass auch »vielleicht abwegige Visionen« auf lange Sicht »durchaus zu großen Erfolgen führen« können.

Panning ist Parkdirektor und Geschäftsführer einer Stiftung, die der Freistaat Sachsen im Jahr 1992 gründete, um die grüne Perle aus einer Art Dornröschenschlaf zu wecken. Zuvor hatte sich die Stadt Bad Muskau um deren Erhaltung bemüht. Das im Mai 1945 niedergebrannte Schloss blieb jedoch Ruine; der seit Kriegsende auf polnischem Staatsgebiet liegende Teil des Parks, immerhin zwei Drittel der Fläche, war wegen fehlender Brücken nicht zugänglich. Erst im Jahr 2003 wurde die Doppelbrücke über die Neiße wieder eingeweiht. Seither werden auch die dortigen Parkanlagen, in denen zuvor die Natur freien Lauf hatte, wieder gemäß den Ideen Pücklers und seines Gärtners Jacob Heinrich Rehder gepflegt. 2011 war auch das Neue Schloss wieder aufgebaut.

All das sind gute Voraussetzungen, um mit einer Festwoche den 200. Jahrestag von Pücklers Aufruf zu feiern. Neben einem offiziellen Festakt gibt es in den nächsten Tagen etliche Konzerte, Vorträge und Führungen. Eine Ausstellung mit Bildern des Landschaftsmalers Johann Alexander Thiele wird eröffnet; zudem sind Porträts zu sehen, die polnische Kunststudenten von Bewohnern und Touristen in Bad Muskau gefertigt haben. Das wieder hergestellte »Grabmal eines Unbekannten«, das Pückler 1832 als eines von vielen romantischen Stilelementen in seinen Park einfügen ließ, wird eingeweiht. Am 9. Mai schließlich endet eine traditionelle Fahrradsternfahrt im Muskauer Park.

Beim Festakt will man zudem den Pückler'schen Geist wieder auferstehen lassen. Unterzeichnet werden soll eine »Konvention«, die Politik, Vereine und Bürgerschaft der Region zu einer »neuen landschaftlichen Offensive« ermuntern will, sagt Panning. Der »Geopark Lausitzer Faltenbogen« könnte für die Gegenwart werden, was Pücklers Park für das frühe 19. Jahrhundert war: eine auf den ersten Blick schräge Idee, die aber visionären Schwung bringt. Davon, sagt Parkdirektor Panning, »können wir durchaus noch etwas mehr vertragen«.

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