Werbung

Der Arbeitsbegriff der digitalen Kreativwirtschaft

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Arbeit ist Freizeit, Freizeit ist Arbeit. Wer arbeitet, hat Spaß. Wir erholen uns, weil wir arbeiten - Das Orwellsche Mantra, durch das der Begriff «Arbeit» erst seine Wa(h)re Definition erfährt, beherrscht kein Zweig der modernen Arbeitswelt so perfekt wie der der digitalen Kreativwirtschaft. Ihre Sätze sind geschmeichelte Befehle zum unbedingten Arbeitseinsatz, die an den Kollektivgeist im Subjekt appellieren: «Unsere Mitarbeiter können arbeiten, wann sie wollen.» - «Bei uns sollen wir als Mitarbeiter mitgestalten.» - Jeder Kollege bucht seine Arbeitszeiten eigenverantwortlich ins Zeiterfassungs-Tool ein, ohne dass ihm dabei jemand auf die Finger schaut.« - »Wir haben von der klassischen Arbeitsorganisation auf die agile Arbeitsorganisation umgestellt.« - Und: »Bei uns kommt niemand auf die Idee, einen Betriebsrat zu fordern, weil es noch niemand für nötig gehalten hat.«

So sprechen jene, die abhängig Beschäftigte sind, Weisungsempfänger ähnlich den Ruderern auf dem Schiff des Odysseus, denen - auf seinen Befehl hin - die Ohren verschlossen wurden, damit sie dem betörenden Gesang der Sirenen nicht lauschen mussten. Der würde sie ins Verderben führen, das Schiff an den Küstenfelsen zerschellen lassen, hatte der Unternehmerfürst Odysseus sie gewarnt. Die Probe, ob dem wirklich so wäre, ob das »nicht müssen« vielleicht nur ein »nicht dürfen ist«, haben die Ruderer nie gemacht.

Die Schmeicheleien derer, die Freiheit sagen, aber die Fron der Unfreiheit, in die man sich aus eigenem Antrieb zu schicken habe, meinen, gleichen sich über die Läufe der Jahrhunderte hinweg. Tom Sawyer, dieses Schlitzohr aus dem Süden der Vereinigten Staaten des 19. Jahrhunderts, dieses Alter Ego des Schriftstellers Mark Twain muss wie Odysseus zur Strafe für seine Auflehnung gegen die Götter, die allein sich der Muße der Faulheit straffrei hingeben dürfen (in Toms Fall heißt der Gott Tante Polly), einen Zaun streichen. Und wie der große Grieche verfällt er auf eine List gegen die Götterwelt. Jedem Jungen, der vorbeikommt und sich über die Strafarbeit belustigt zeigt, erklärt er mit ernster Mine, dass nicht jeder berufen ist, eine solch verantwortliche Tätigkeit wie das Anmalen des Zauns von Tante Polly auszuführen. Die Buben, Sklaven ihres Ehrgeizes, werden neugierig und fragen, ob sie es nicht wenigstens einmal versuchen dürften. Gegen Bezahlung (unter anderem eine Ratte, ein Kätzchen mit nur einem Auge und ein Hundehalsband ohne Hund) lässt Tom sie den Zaun streichen. Mark Twain schließt die Episode mit einer philosophischen Bemerkung: Man könne aus dieser Episode lernen, »wie der Begriff von Arbeit einfach darin besteht, daß man etwas tun muß, daß dagegen Vergnügen das ist, was man freiwillig tut«.

Mark Twain konnte zwar Mark Zuckerberg noch nicht kennen, er wusste aber bereits, wie die Propheten der neuen Arbeitswelt ticken. jam

Foto: imago/United Archives

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen