Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Die »grüne« Expo bringt Zement, Prekarität und Schulden

In Mailand gibt es seit Jahren Widerstand gegen die Ausstellung

Am 1. Mai wird in Mailand die große Weltausstellung eröffnet, bei der sich 54 Nationen rund um das Thema Ernährung und nachhaltiges Wachstum repräsentieren werden. Für Italien ist es ein Prestigeprojekt, mit dem sich das Land nach Jahren des Berlusconi-Theaters Glaubwürdigkeit und Legitimität verschaffen will. Die Expo-Organisation erwartet über 24 Millionen Ticketverkäufe für die sechsmonatige Laufzeit der Ausstellung.

Widerstand gegen die Expo regt sich in der Stadt schon seit Jahren. Zum einen wegen der Werbekampagne, die mit moralischen Impetus zur Sorge um den Planeten Erde und eine nachhaltige Lebensweise aufruft. Gleichzeitig indes wird das Event von Kooperationspartnern wie Nestle, McDonalds und dem italienischen Rüstungsunternehmen Finmeccanica getragen. Sie aber sind in aller Welt für Zerstörung und Enteignung von Land, Wasser und Leben verantwortlich.

Zum anderen richtet sich der lokale Protest gegen Expo-bezogene Bauarbeiten wie dem Ausbau einer Wasserschneise oder eines neuen Autobahnzubringers. Diese bringen sozial- ökonomische Nachteile für die Bevölkerung mit sich. Unmut entzündet sich auch an der Gentrifizierung, die mit dem Expo-Umbau viele Orte des sozialen Zusammenkommens in den Vierteln zerstört. Lebendige Plätze mussten Glasfassaden und Einkaufsläden weichen. Nach den Geschäftszeiten sind diese Orte tot und steril.

Nicht zuletzt organisiert sich Widerstand gegen den gesetzlich und sozialpartnerschaftlich legitimierten un- und unterbezahlten Zugriff auf Arbeitskraft durch das Expo-Event, mit der eine massive Ausweitung der Prekarität einhergeht. So sollten 18.500 Schülerinnen und Schüler als Freiwillige für die Expo angeworben werden und gratis arbeiten. An den italienischen Schulen organisieren sich die Schüler seit zwei Jahren mit #IchArbeiteNichtGratisFürExpo (#ioNonLavoroGratisPerExpo) dagegen.

Da bis wenige Tage vor der Eröffnung ein Großteil der Expo-Bauarbeiten nicht abgeschlossen ist und, wie nun bekannt wurde, der Großteil der prekär Angestellten ihre Arbeit verweigern, scheint der Start der Ausstellung bereits an sich chaotisch zu werden. Hinzu kommen noch Schülerinnen- und Studierendendemonstrationen am 30. April sowie italienweit und europäisch mobilisierte NoExpo-Aktionstage am 1. Mai. So steht der traditionelle Mayday der antikapitalistischen Bewegungen unter dem Motto »Die Expo bestreiken« - und schließt an Debatten der italienischen sozialen Bewegungen zu einem umfassenden sozialen Streiks an. Die Kritiker beschreiben die Expo als eine Vitrine des Kapitalismus, als ein Projekt, das die heutige kapitalistische Gesellschaft repräsentiert. Das Expo-Modell im krisengeschüttelten Italien und die damit einhergegangen politischen Legitimationsversuche aus Rom zur Regulation von Arbeit, Vertiefung reaktionär-patriarchaler Geschlechterbilder sowie der Aushöhlung regionaler, politischer Entscheidungsbefugnisse weisen damit weit über das Event hinaus.

So sieht der europäische Zusammenhang The Commune of Europe nach dem Frankfurter Blockupy in Mailand die Notwendigkeit eines grenzüberschreitenden, gemeinsamen Handelns der sozialen Bewegungen gegen Austerität und Krise. In Mailand soll Widerspruch sichtbar werden - gegen ein herrschaftliches System, das die eigene Reproduktion in einen permanenten Ausnahmezustand drängt.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln