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Begrüßungsgeld dank Staat

Commerzbank: Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus setzt auf Privatkunden und Mittelstand

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.
An diesem Donnerstag ruft die Commerzbank ihre Aktionäre zur Hauptversammlung - und hat für sie einige Überraschungen parat.

50 Euro Begrüßungsgeld zahlt die Commerzbank an jeden neuen Kunden. Ein kostenloses Girokonto gibt es oben drauf. Beides ist Ausdruck einer Geschäftsstrategie, mit der sich Deutschlands zweitgrößte Bank von der Konkurrenz abhebt und die netto 300 000 neue Kunden brachte. Privatkundenvorstand Martin Zielke will das Geschäft mit Sparern und Konteninhabern um ein Viertel steigern. Der Marktanteil soll hier auf mehr als zehn Prozent steigen. Eine Marge, die als auskömmlich gilt, um den Sparkassen Paroli zu bieten.

Die Commerzbank beschreitet einen ganz anderen Weg als Branchenprimus Deutsche Bank, die das Privatkundengeschäft gerade massiv verkleinert. Zwar plant auch Zielke eine »tendenziell sinkende Zahl« an Filialen. Doch viele der noch 1100 Außenstellen wurden gegen den Branchentrend gestärkt: Allianz-Vertreter verkaufen hier Versicherungspolicen, Berater dürfen kleinere Kredite ohne Rücksprache mit der Zentrale vergeben und Filialen in Ballungsräumen wurden sogar ausgebaut.

Lukrativste Zielgruppe der Commerzbank sind Geschäftskunden - Mittelständler mit bis zu 5000 Beschäftigten, die international betreut werden wollen. Dafür wird gerade eine neue Niederlassung in Brasilien eröffnet und das Geschäft beim Nachbarn Polen ausgebaut. Hier betreut man über drei Millionen Kunden.

In Luxemburg hat die Commerzbank hingegen 400 von 4600 Kunden zum 30. April gekündigt. Der Grund: Es fehlten Belege, dass ihr Vermögen korrekt versteuert wurde. Es könnte sich also um Schwarzgeld handeln. Ob politischer Druck von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dieses Vorgehen ausgelöst hat, wird bezweifelt. Der Bund mischt sich - zum Ärger etwa der Linkspartei - als Anteilseigner kaum in die Geschäftspolitik ein. Und auch andere Banken betreiben mittlerweile Weißwäsche unter ihrer Kundschaft.

Der Staat hat die Commerzbank in der Finanzkrise 2008 mit 5,1 Milliarden Euro aus dem Rettungsfonds Soffin stabilisiert. Die Beteiligung von derzeit 17 Prozent will Schäuble zumindest bis 2016 halten. Bislang erhielt der Bund keinen Cent Dividende. Und trotz des allgemeinen Börsenbooms sind die Commerzbankaktien nur noch halb so viel wert.

Gerade deshalb dürfte Schäuble verärgert auf die überraschende Kapitalerhöhung in der Nacht zum Dienstag reagiert haben. Durch Ausgabe neuer Aktien konnte die Commerzbank rund 1,4 Milliarden Euro einnehmen. Der Anteil des Bundes wurde dadurch auf unter 16 Prozent »verwässert«, was den Wert des staatlichen Aktienpaketes weiter reduziert. Es gibt Spekulationen, dass mit dem frischen Geld womöglich der Kauf der Postbank eingeleitet wird, welche die Deutsche Bank abstoßen will. Die Commerzbank selbst teilte nur mit, sie erhöhe ihre Eigenkapitalquote.

Boss Martin Blessing blickt anders als die Deutsche-Bank-Kollegen nicht auf einen Turm aus Rechtsunsicherheiten. Doch ganz ohne Skandale geht es auch in der Commerzbank nicht ab: Steuerfahnder stürmten im Februar die Frankfurter Zentrale. Und 1,45 Milliarden Dollar Strafe zahlte man wegen Geldwäsche und illegaler Iran-Geschäfte an US-Behörden.

Nach einem Gewinnsprung im ersten Quartal hoffen die Aktionäre auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag erstmals seit der Finanzkrise auf eine Dividende. Ob der Aufsichtsratvorsitzende Klaus-Peter Müller seinem Parteifreund Schäuble diese frohe Botschaft verkündet?

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