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Hausgemachter Terror aus Odense

Dänemark debattiert über Ursachen und Folgen neuer Bedrohungen

  • Von Andreas Knudsen, Kopenhagen
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Hausgemacht hatte bisher einen positiven Klang in Dänemark und war zumeist verbunden mit Essen. Inzwischen muss das Wort auch auf vermuteten islamistischen Terror angewandt werden. Über seine Ursachen und Folgen wird nun gestritten.

Die dänischen Medien füllten in den letzten Tagen erneut viele Sendeminuten und Druckzeilen mit Berichten über eine vermutete Terrorzelle in Vollsmose, einem Stadtteil von Odense. Vollsmose ist landesweit bekannt für seinen sehr hohen Ausländeranteil, vorzugsweise aus dem Nahen Osten, seine sozialen Probleme und die zahlreichen gewaltsamen Auseinandersetzungen seiner Jugendlichen mit der Polizei. Die Festnahme von sieben jungen Männern zwischen 18 und 33 Jahren richtete die Aufmerksamkeit erneut auf einen Stadtteil, in dem Einwohnerinitiativen und kommunale Behörden um Veränderungen und ein besseres Image kämpfen. Vor kurzem besuchte auch Kronprinzessin Mary Vollsmose, und der Weg schien gebahnt für das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen. Der soziale Hintergrund der nun Verhafteten ähnelt dem Muster, das man von Terrorbeschuldigten in Großbritannien und Deutschland kennt. Teilweise Familienväter, einer von ihnen ein dänischer Konvertit, feste Arbeitsplätze oder in der Ausbildung, sorgten sie weder bei der Polizei noch in Familien- und Freundeskreisen für den Verdacht, in islamistische Terroraktivitäten verwickelt zu sein. Nur eine neu gewonnene tiefe Religiosität fiel auf. Die Vollsmoser Terrorzelle ähnelte damit einer Gruppe aus dem Kopenhagener Stadtteil Glostrup, die im Oktober 2005 enttarnt wurde und deren Prozess in Kürze beginnen wird. Beide hatten Verbindungen zu anderen Gruppen in Deutschland, Großbritannien und Bosnien. Der dänische Geheimdienst PET nahm die Verhaftungen relativ früh vor, noch in der Planungsphase für Bombenattentate, was die Beweisführung vor Gericht erheblich schwieriger machen wird. Für die Vollsmoser Gruppe gilt, dass wahrscheinlich ein Maulwurf den entscheidenden Tipp gab. Der Imam, der unter dem Verdacht steht, dass er einem der deutschen Zugattentäter Zuflucht geben wollte, predigt an der Moschee, die die Gruppe gewöhnlich aufsuchte. Die Moschee zählt zum Netzwerk der Islamischen Glaubensgemeinschaft, die starke Bande zur Moslemischen Bruderschaft unterhält. Einige ihrer Imame spielten ein Doppelspiel während der »Karikaturkrise«. Die dänischen Medien haben sich bisher bemüht zu betonen, dass es sich bei beiden Gruppen um Beschuldigte, nicht um Verurteilte handelt. Uneinig sind sich Kommentatoren, Politiker und Islamexperten aber in der Frage ihrer Motivation. Antworten aus dem bürgerlichen Lager verweisen in der Regel auf den Kulturkampf zwischen islamischen und westlichen Werten, während linke Politiker die Terroraktivitäten eher als Antwort auf die »Karikaturkrise« und das dänische Engagement in Irak und Afghanistan sehen. Auch das Gefühl, zwischen allen Stühlen zu sitzen und keinen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung zu haben, den die meisten Dänen in den letzten Jahren erlebt haben, kann von Demagogen ausgenutzt worden sein. Es gibt keine offiziell formulierte Regierungspolitik, wie der Bedrohung durch bisher kleine, radikalisierte muslimische Gruppen entgegenzutreten wäre. Die Polizeiführung wies die Forderungen rechter Politiker zurück, der Polizei weitere Befugnisse zur Überwachung zu geben. Man habe bereits die notwendigen Werkzeuge. Andere Politiker setzen auf eine bessere Integration auf dem Arbeitsmarkt oder die dänische Sprache und Kultur als Richtschnur für Einwanderer, um ihnen so die Bindungen zu geben, die verhindern,...

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