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Solidaritätsappell

Yasmina Khadra beim 6. Literaturfestival

Die einzige Misslichkeit, mit der US-Amerikaner seit dem 11. September 2001 konfrontiert sind, sei die, dass sie auf den Flughäfen ihre Schuhe ausziehen müssen. Sämtliche Vorhersagen einer auf magische Weise erneuerten Welt sind verschwunden. »Es herrscht die selbe Ignoranz gegenüber der arabischen Welt wie vor dem 11. September«, kritisierte der unter dem Pseudonym Yasmina Khadra publizierende Schriftsteller Mohamed Moulessehoul am Montagabend im Haus der Berliner Festspiele. Dabei würde man die Solidarität des Westens dringend brauchen. »Die arabische Welt ist keine Bedrohung« - so sein Appell an das Publikum des 6. Internationalen Literaturfestivals Berlin. Was man in Europa oder den USA über die Probleme in der arabischen Welt erfahre, sei immer von der Politik manipuliert. Für die Veranstaltung hatte Khadra seinen Roman »Die Attentäterin« mitgebracht, der in Frankreich ein Bestseller ist. Die deutsche Ausgabe erschien im August bei Nagel & Kimche, das Lesen aus diesem Buch übernahm der Schauspieler Frank Arnold. In »Die Attentäterin« geht es um einen israelischen Palästinenser, der als Chirurg in einer Tel Aviver Klinik arbeitet, wo er auch Opfern von Anschlägen das Leben zu retten versucht. Eines Tages ist seine eigene Frau darunter - als Selbstmordattentäterin. Der Arzt versucht verzweifelt, den Motiven seiner Frau für diese Tat nachzugehen und beginnt nach und nach zu verstehen. Einige britische und amerikanische Kritiker warfen dem Autor vor, der Roman sei eine Verharmlosung des terroristischen Akts. »Man muss das Buch schon lesen, bevor man es kritisiert«, so Khadra. In seinem Buch ist nicht die Attentäterin die Heldin. Der Held ist ihr Mann, der Humanist. »Für Euch«, sagt er im Kernsatz des Romans zu einem Terroristen, »liegt das Paradies am Ende des Lebens. Für mich liegt es am Ende der ausgestreckten Hand.« In der anschließend von der Moderatorin Barbara Wahlster angeregten Fragerunde spielte das Buch keine so große Rolle. Eine Zuhörerin wollte von Khadra zum Beispiel über die allgemeine Lage in Algerien aufgeklärt werden. Obwohl der Schriftsteller seit sechs Jahren in Frankreich im Exil lebt, gilt er weiterhin als Chronist des postkolonialen Algeriens. Das hat er vor allem seinen »Kommissar Llob«-Krimis zu verdanken, die er schrieb, als er noch hochrangiger Offizier der algerischen Armee war. Warum er überhaupt zum Militär ging? Das habe er sich nicht ausgesucht, so Khadra. Sein Vater schickte ihn mit neun Jahren zur Militärschule. Als gehorsamer Sohn folgte er der für ihn bestimmten Laufbahn so lange, bis französische Medien sein Pseudonym lüfteten und Khadra die Armee und sein Land verlassen musste. Warum er den Namen einer Frau als Pseudonym benutzt, lautete die letzte Frage dieses Abends. Frauen würden in der arabischen Welt immer noch eine untergeordnete Rolle spielen, erklärte der Schriftsteller. Dagegen wollte er ein Zeichen setzen. Am Ende der Veranstaltung gab er die ihm überreichte Rose an eine Dame aus dem Publikum weiter.

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