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Warum Filme über Mädchen-KZ?

Andrea Behrendt über ihre Dokumentationen, die morgen Premiere haben / Die Filmemacherin und Medienpädagogin interviewte ehemalige Häftlinge

ND: Sie haben zwei Filme über das 1942 errichtete Mädchen-Konzentrationslager Uckermark gedreht. Auf dem Gelände entstand im Januar 1945 noch ein Vernichtungslager für Häftlinge des nahen KZ Ravensbrück. Ihre Filme sind die ersten visuellen Dokumente zu diesem Thema. Was hat Sie dazu veranlasst, sich so intensiv mit diesem Aspekt des faschistischen Terrors zu befassen?
Behrendt: Ich beschäftige mich schon seit den 90er Jahren mit dem Thema. Als ich 1995 im Rahmen der Gedenkfeier zum 50. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers in Ravensbrück war, war das Gelände des Mädchen-KZ, das nicht weit entfernt vom Gelände des KZ Ravensbrück liegt, nicht öffentlich zugänglich. Zu sehen waren lediglich ein paar Lastwagenhallen, denn das Gelände wurde nach 1945 militärisch genutzt. Erst von der sowjetischen Armee, dann von den Truppen der GUS. 1997 fand ein erstes Workcamp auf dem Gelände statt. Ungefähr zeitgleich konzipierte eine Berliner Frauen-Lesben-Gruppe die Ausstellung »Wir durften ja nicht sprechen«. Ich habe damals mit ein paar anderen Frauen diese Ausstellung nach Bielefeld geholt und ein umfangreiches Rahmenprogramm veranstaltet. Es hat mich einfach interessiert, mehr über diesen Ort zu erfahren.

1970 wurde das Mädchenkonzentrationslager offiziell als KZ anerkannt. Erst 35 Jahre später fand die erste offizielle Gedenkfeier auf dem Gelände statt. Wie erklären Sie sich, dass dieser Ort bis dahin fast vergessen wurde?
Ich glaube, dass es dafür mehrere Gründe gibt. Erstens hatten viele der Mädchen, die in das Mädchen-KZ Uckermark kamen und als »Asoziale« stigmatisiert wurden, nach 1945 keine Lobby. Ganz im Gegenteil: sie wurden weiterhin diskriminiert. Des Weiteren war der Zutritt zum Gelände erst seit 1994 möglich - seit dem endgültigen Abzug der GUS-Truppen. Die Reste des Lagers waren schließlich nicht mehr sichtbar. 1997 im Rahmen des ersten autonomen Frauen-Lesben-Transgender Baucamps fanden Ausgrabungen statt, bei denen man auf Erinnerungsstücke und Reste von Gebäuden stieß. Außerdem wollten viele der Überlebenden über die Grausamkeiten, die sie erlebt hatten, nicht sprechen.

Ihnen ist es gelungen, zwei Zeitzeuginnen zu befragen. Am Donnerstag zeigen Sie die beiden Filme mit Ausschnitten dieser Interviews. Wie sind die Streifen entstanden und worum geht es darin?
Die Idee für die Filme entstand im Rahmen der Vorbereitung für das Camp 2005. Der Film »Das nannte man asozial - Das Mädchenkonzentrationslager Uckermark« ist ein Film über das Leben in diesem KZ. Der Streifen dokumentiert die Lebensbedingungen der Inhaftierten und ist der Versuch der Darstellung der grausamen Geschichte dieses Ortes. Der zweite Film »Das sowas halt nie wieder passiert« ist eine Dokumentation über die erste Gedenkfeier, die erst 60 Jahre nach der Befreiung stattfand. In diesem Film kommen auch Teilnehmerinnen des Camps zu Wort, die sich zum Thema »Gedenken« äußern.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft dieses Ortes?
Ich hoffe, dass durch die Filme noch mehr Leute auf das Thema gestoßen werden. Ansonsten hoffe ich, dass auch in den nächsten Jahren weiter geforscht wird und dass der Ort ein Ort des Erinnerns und nicht des Vergessens sein wird. Fragen: Maja Schuster

Filmpremiere:14. September, 20 Uhr, im Regenbogenkino, Lausitzer Str. 22, Berlin-Kreuzberg, DVD zu bestellen unter der E-Mail-Adresse: behrendt@ globale-medienwerkstatt.de, allgemeine Informationen unter: www.maedchen-kz-uckermark.deND: Sie haben zwei Filme über das 1942 errichtete Mädchen-Konzentrationslager Uckermark gedreht. Auf dem Gelände entstand im Januar 1945 noch ein Vernichtungslager für Häftlinge des nahen KZ Ravensbrück. Ihre Filme sind die ersten visuellen Dokumente zu diesem Thema. Was hat Sie dazu veranlasst, sich so intensiv mit diesem Aspekt des faschistischen Terrors zu befassen?
Behrendt: Ich beschäftige mich schon seit den 90er Jahren mit dem Thema. Als ich 1995 im Rahmen der Gedenkfeier zum 50. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers in Ravensbrück war, war das Gelände des Mädchen-KZ, das nicht weit entfernt vom Gelände des KZ Ravensbrück liegt, nicht öffentlich zugänglich. Zu sehen waren lediglich ein paar Lastwagenhallen, denn das Gelände wurde nach 1945 militärisch genutzt. Erst von der sowjetischen Armee, dann von den Truppen der GUS. 1997 fand ein erstes Workcamp auf dem Gelände statt. Ungefähr zeitgleich konzipierte eine Berliner Frauen-Lesben-Gruppe die Ausstellung »Wir durften ja nicht sprechen«. Ich habe damals mit ein paar anderen Frauen diese Ausstellung nach Bielefeld geholt und ein umfangreiches Rahmenprogramm veranstaltet. Es hat mich einfach interessiert, mehr über diesen Ort zu erfahren.

1970 wurde das Mädchenkonzentrationslager offiziell als KZ anerkannt. Erst 35 Jahre später fand die erste offizielle Gedenkfeier auf dem Gelände statt. Wie erklären Sie sich, dass dieser Ort bis dahin fast vergessen wurde?
Ich glaube, dass es dafür mehrere Gründe gibt. Erstens hatten viele der Mädchen, die in das Mädchen-KZ Uckermark kamen und als »Asoziale« stigmatisiert wurden, nach 1945 keine Lobby. Ganz im Gegenteil: sie wurden weiterhin diskriminiert. Des Weiteren war der Zutritt zum Gelände erst seit 1994 möglich - seit dem endgültigen Abzug der GUS-Truppen. Die Reste des Lagers waren schließlich nicht mehr sichtbar. 1997 im Rahmen des ersten autonomen Frauen-Lesben-Transgender Baucamps fanden Ausgrabungen statt, bei denen man auf Erinnerungsstücke und Reste von Gebäuden stieß. Außerdem wollten viele der Überlebenden über die Grausamkeiten, die sie erlebt hatten, nicht sprechen.

Ihnen ist es gelungen, zwei Zeitzeuginnen zu befragen. Am Donnerstag zeigen Sie die beiden Filme mit Ausschnitten dieser Interviews. Wie sind die Streifen entstanden und worum geht es darin?
Die Idee für die Filme entstand im Rahmen der Vorbereitung für das Camp 2005. Der Film »Das nannte man asozial - Das Mädchenkonzentrationslager Uckermark« ist ein Film über das Leben in diesem KZ. Der Streifen dokumentiert die Lebensbedingungen der Inhaftierten und ist der Versuch der Darstellung der grausamen Geschichte dieses Ortes. Der zweite Film »Das sowas halt nie wieder passiert« ist eine Dokumentation über die erste Gedenkfeier, die erst 60 Jahre nach der Befreiung stattfand. In diesem Film kommen auch Teilnehmerinnen des Camps zu Wort, die sich zum Thema »Gedenken« äußern.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft dieses Ortes?
Ich hoffe, dass durch die Filme noch mehr Leute auf das Thema gestoßen werden. Ansonsten hoffe ich, dass auch in den nächsten Jahren weiter geforscht wird und dass der Ort ein Ort des Erinnerns und nicht des Vergessens sein wird. Fragen: Maja Schuster

Filmpremiere:14. September, 20 Uhr, im Regenbogenkino, Lausitzer Str. 22, Berlin-Kreuzberg, DVD zu bestellen unter der E-Mail-Adresse: behrendt@ globale-medienwerkstatt.de, allgemeine Informationen unter: www.maedchen-kz-uckermark.de

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