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Schlechte Noten fürs Schulsystem

OECD-Bericht attestiert Deutschland erneut Mängel in der Bildungspolitik

Das deutsche Bildungssystem fällt im weltweiten Vergleich der 30 wichtigsten Industriestaaten weiter zurück. Angesichts der in allen Nationen erheblich gestiegenen Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt bilde Deutschland nach wie vor zu wenig Akademiker und Abiturienten aus, heißt es in der Studie, die gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Berlin (Agenturen/ND-Amendt). Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) schwänzte gestern eine Pressekonferenz. Statt ihrer nahm der parlamentarische Staatssekretär ihres Ministeriums, Andreas Storm, an der Seite von OECD-Bildungskoordinator Andreas Schleicher und der Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Ute Erdsiek-Rave (SPD), Platz. Das Fehlen Schavans war symptomatisch für die Haltung konservativer Bildungspolitiker gegenüber der OECD: Weil diese seit Jahren Reformen wie den Umbau des gegliederten Schulsystems zu einem Gemeinschaftsschulsystem anmahnt, wird sie von Schavan und Co. mit Ignoranz bestraft. Andreas Schleicher und seine Organisation dürften sich auch gestern wieder unbeliebt beim Gros der deutschen Bildungspolitiker gemacht haben. Schleicher bescheinigte Deutschland zwar »erkennbare Verbesserungen«, wie etwa mehr Studenten in den neuen Bachelor-Studiengängen oder den Ausbau der Ganztagsschulen. Doch andere Nationen hätten deutlich schneller und viel umfassender auf den »dramatischen Anstieg« der Nachfrage nach Spitzenkräften, vor allem in den Technik- und Naturwissenschaften, reagiert. So konnte Deutschland zwar den Anteil der Hochschulabsolventen pro Jahrgang zwischen 2000 und 2004 von 19,3 auf 20,6 Prozent steigern. Doch im OECD-Schnitt erwerben mittlerweile schon 34,8 Prozent der jungen Menschen einen akademischen Abschluss - statt 27,7 wie noch 2000. Staaten wie die Schweiz und Italien legten dabei im gleichen Zeitraum jeweils um mehr als 15 Prozentpunkte zu. Noch rasanter hätten Staaten wie Indien und China ihr Bildungssystem ausgebaut und drohten bald, Europa in Sachen Spitzenqualifikation zu überrunden, sagte Schleicher. Staatssekretär Andreas Storm aus dem Bundesbildungsministerium räumte ein, dass Deutschland angesichts der weltweiten Bildungsentwicklung »einen Zwischenspurt einlegen« müsse. Doch da an deutschen Schulen - gemessen am OECD-Schnitt - relativ wenige junge Menschen eine Studienberechtigung für Universität oder Fachhochschule anstreben, sieht Schleicher »das Potenzial für Steigerungen als weitgehend ausgeschöpft« an. In Deutschland erwerben 38,8 Prozent eines Jahrganges die Hochschulreife, im OECD-Schnitt sind dies 67,7 Prozent. Erneut verweist der Bericht zudem auf die mit den PISA-Studien festgestellte hohe Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialer Herkunft in Deutschland. Nach neuen OECD-Berechnungen ist in Deutschland für Kinder aus der unteren sozialen Schicht die »Wahrscheinlichkeit« des Schulversagens um 4,6 mal größer als für Kinder aus der Oberschicht. Von den hierbei untersuchten 29 OECD- Staaten haben nur noch Belgien, die Slowakei und Ungarn schlechtere Werte. Anders als in vielen anderen OECD-Staaten stagnieren in Deutschland dem Bericht zufolge die Bildungsausgaben. So lag 2003 der Anteil dieser Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt mit 5,3 Prozent deutlich unter dem OECD-Schnitt von 5,9 Prozent. 2000 war Deutschland dagegen mit 5,2 Prozent noch knapp unter dem OECD-Mittel. Schleicher verwies darauf, dass die Bundesrepublik im Vergleich zu anderen Staaten relativ wenig Geld für jüngere Schüler bis zur Klasse zehn ausgibt, dagegen aber überdurchschnittliche Aufw...

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