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Auf Hisbollah-Kollisionskurs

Die Deutsche Marine operiert in stürmischen Nahost-Gewässern

Abgesehen von einigen Pazifik-Basen der US-Navy - die derzeit größte Flottenkonzentration ist vor der 225 Kilometer kurzen Küste Libanons zu finden. Demnächst wuseln da auch deutsche Kriegsschiffe herum.
2400 Marinesoldaten will die Regierungskoalition entsenden, um die Hisbollah vom Waffennachschub abzuschneiden. Der Einsatz hat mehrere Haken und ist alles andere als ungefährlich. Zunächst, so sind sich Geheimdienstler verschiedenster politischer Konfession einig, setzt Hisbollah nur zu einem geringen Teil auf Waffenschmuggel übers Meer. Bleibt die Frage, was die Deutsche Marine verhindern soll. Spötter behaupten, die Hauptaufgabe der Deutschen bestehe darin, eine Kollision mit den Marineeinheiten Frankreichs und Italiens zu verhindern. Die beiden Staaten haben ihre militärische Präsenz auf unkomplizierte Weise mit der souveränen Regierung in Beirut abgesprochen. Sie verzichteten dafür auf alle »robusten« UN-Mandate - und damit auf zusätzliche sich bietende Angriffsflächen. Denen setzt sich die Bundesmarine aus und Marineexperten meinen, dass niemand an Bord der deutschen Schiffe das Lied »eine Seefahrt, die ist lustig« pfeifen wird. Der erste - offizielle - Einsatz deutscher Soldaten im Nahen Osten (seit 1943) wurde bewusst aufs Meer verlagert. So hoffte man, einem Zusammentreffen zwischen deutschen und israelischen Soldaten aus dem Wege zu gehen. Möglich, doch die Aufgabe bewährter deutscher Neutralitäts- und Vermittlungsfähigkeiten könnte zu einer Polarisierung führen. Die letztlich unseren Marinesoldaten Probleme bereiten kann. Nur mal angenommen - und diese Annahme ist nicht unwahrscheinlich -, die deutsche Flotte wird aus Gründen enger politischer und rüstungswirtschaftlicher Beziehungen von Teilen der arabischen Seite als gegnerische Partei begriffen, dann bieten sich die deutschen Schiffe als Terrorziele erster Klasse an. Allzu leicht könnte eine Fregatte der 122er-, der 123er- oder der 124er-Klasse behandelt werden wie der US-Zerstörer »Cole« im Jahr 2000 vor der jemenitischen Küste. Der wurde auf Reede liegend von einem bestens motorisierten Schlauchboot umkreist, dessen Insassen freundlich winkten - bis sie auf Kollisionskurs gingen und ihre Sprengstoffladung in den stählernen Rumpf des US-Kriegsschiffes rammten. Pfeilschnelle Sportboote, egal ob aus Gummi oder aus Plastik, gibt es im Mittelmeer genügend. Der Zeitraum zur in jeder Hinsicht lebenswichtigen Entscheidung, ob von ihnen eine Gefährdung ausgeht oder ob es sich nur um neugierige Urlauber handelt, ist für jeden Kommandanten einer Fregatte zu kurz bemessen. Noch kürzer wäre die Vorwarnzeit, wenn Hisbollah (oder eine Macht im Schatten Al Qaidas) eine C-802 startet. Das sind Anti-Schiff-Raketen, in der Sowjetunion erdacht, in China produziert und an Iran geliefert. Israel behauptet, die Hisbollah verfüge darüber und man habe sie im Krieg nicht »erwischt«. Dass dies stimmt, belegt der gelungene Angriff auf die israelische Korvette »Hanit« am 14. Juli, der aus guten Gründen weitgehend verschwiegen wurde. Doch selbst wenn die Hisbollah keine deutschen Kriegsschiffe treffen wollen würde, Fehlschüsse sind inklusive. Das weiß niemand besser als die Besatzung eines ägyptischen Zementfrachters, der gleichfalls am 14. Juli auf den Meeresgrund geschickt wurde. Durch eine C-802.

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