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Im Juniorcross starten Meister von morgen

43. GutsMuths-Rennsteiglauf: Zehnfachsieger Christian Seiler sagt Tschüss, Bodo Ramelow will wieder kommen

  • Von Michael Müller
  • Lesedauer: 4 Min.
Ein bisschen Sonne, ein bisschen Regen, Riesenstimmung und fast 15 500 Starter bot der 43. GutsMuths-Rennsteiglauf am Sonnabend in Thüringen.

Die 13-jährigen Mädchen und Jungen drängeln an der Startlinie. 4,2 Kilometer stehen für sie auf dem Programm, der siebte von zehn Läufen zwischen Knirps-Klasse und U 18. Als Rekorde sind 16:07 Minuten bei den Jungen und 17:17 bei den Mädchen zu knacken. Nathalie Horstmann aus Ruhla gewinnt dann in 18:13 Minuten und ist - Rekord hin und her - überglücklich. Krystof Zatloukal, der mit einer kleinen Trainingsgruppe aus Karlovy Vary anreiste, dominiert die Jungenkonkurrenz in 16:29 Minuten, freut sich, aber hätte gern auch noch den Rekord gekippt, wie er sagt.

Diese Juniorcrossläufe bilden nicht etwa eine Art buntes Rahmenprogramm beim GutsMuths-Rennsteiglauf, sondern gehören zu dessen Wettkampfkern. »Unser Entwicklungskonzept wird von den Säulen Tradition und Leistung getragen«, sagt Jürgen Lange, Präsident des Rennsteiglaufvereins. Und die Juniorcrossläufe mit vielen hundert Teilnehmern sind da gewissermaßen die Klammer zur Zukunft.

Zu der gehört übrigens auch, dass der »schönste und härteste Cross Europas« auch am anderen Ende der Altersstufen stets mit vielen Teilnehmern und vielen Klasseleistungen glänzt. So sichert sich die Altenburger Kanutin Jacqueline Krahnert mit 5:17:30 Stunden den Platz eins in der AK 65 bei den Frauen. Das ist eine Zeit, die am Sonnabend Tausende Männer aller Altersklassen nicht schafften. Geradezu Personifizierung des besagten Tradition-und-Leistung-Konzepts ist Ernst Wehrstedt, der in der AK 80 erneut auf Platz eins rennt. Und zwar »unter fünf Stunden«, was für Marathon-Freizeitläufer aller Jahrgänge eine Art magische Zeitgrenze darstellt. Der Pritzwalker schafft 4:49:47 Stunden, und er ist damit noch fünf Minuten schneller als im Vorjahr!

Fast 17 000 Meldungen hatte es für die acht Läufe, Nordic-Walking-Touren und Wanderungen des 43. GutsMuths-Rennsteiglaufes gegeben. Rund 15 500 gingen dann letztendlich an den Start. Präsident Lange hebt die Beständigkeit in den Teilnehmerzahlen der letzten Jahre hervor. »Nämlich in einer Zeit, wo etliche große Stadtläufe in Deutschland rückläufige Zahlen haben.« Und er zeigt sich besonders zufrieden, dass sich die Starterzahl auf der »Königsstrecke«, dem 72,7 Kilometer langen Supermarathon, seit Anfang der 2000er Jahre mehr als verdoppelt hat und konstant bei etwa 2500 liegt. Gerade dieser »lange Kanten« hat maßgeblich den inzwischen legendären Ruf des Laufs auf dem Kamm des Thüringer Waldes begründet.

Bei dem gab es am Sonnabend übrigens erstmals einen Heimsieg. Der Schmiedefelder Wolf Jurkschat lief im Stadion von Schmiedefeld von rund 20 000 Zuschauern bejubelt als Erster über die Linie. Seine 5:41:45 Stunden waren nicht rekordverdächtig, aber Jurkschat hatte die Konkurrenz wie das Streckenprofil sehr durchdacht beherrscht und kalkuliert. »Die beim Start davon gerannt sind, habe ich am Inselsberg eingeholt und danach nie wieder gesehen.« Allerdings drohte der Hobbyläufer dann auf den letzten zehn Kilometern doch noch einzubrechen. »Nur Adrenalin und Zuschauerjubel haben mich ins Ziel gebracht.« Ähnlich wie Wolf Jurkschat hatte sich die Supermarathonsiegerin Kristin Hempel aus Erfurt (6:16:50 Stunden) Gegnerschaft und Strecke taktisch zurecht gelegt. Auch für sie ging das Konzept »Nur nicht zu schnell auf den ersten Kilometern« auf: erster Supermarathonstart, erster Sieg.

Gewinnerinnen und Gewinner beim Rennsteiglauf werden für das kommende Jahr natürlich gern als Favoriten gehandelt. Jurkschat wie Hempel hielten sich da ein bisschen zurück. Christian Seiler, der am Sonnabend auf der Marathonstrecke (43,5 Kilometer) siegte, wäre ganz sicher ein Favorit fürs nächste Jahr. Doch er überraschte und enttäuschte seine Fans. »Heute bin ich zum letzten Mal um den Sieg gelaufen. Künftig bin ich nur noch dabei«, sagte er bei der Pressekonferenz. Einerseits verständlich, denn der 31-Jährige aus dem ostthüringischen Pöllwitz hatte am Sonnabend zum zehnten Mal eine der Hauptstrecken gewonnen: zum vierten Mal den Marathon, zuvor je drei Mal Supermarathon und Halbmarathon (21,1 Kilometer).

Vielleicht ändert er seine Pläne ja doch noch. Wenn nicht, stehen die Jungen und Mädchen vom Juniorcross bereit, um in größere Fußstapfen zu treten. Denn der Rennsteiglauf, der erneut »eine ganze Region verzauberte«, sei eine »ansteckende Sache«, stellte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow fest. Offensichtlich auch für ihn. Er hatte die 17-Kilometer-Wanderstrecke ausprobiert und danach begeistert angekündigt, dass er in den nächsten Jahren wieder komme.

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