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Kitastreik entfaltet Wirkung

Kein Ende des Ausstands in Sicht

Berlin. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland folgten bis zu 6500 Menschen dem Streikaufruf der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) sowie dem Deutschen Beamtenbund (dbb) und seiner Fachgewerkschaft komba. In Speyer und Ingelheim demonstrierten je rund 2000 Beschäftigte, in Koblenz rund 800 und in Trier 500. Der Vorsitzende der GEW in Rheinland Pfalz, Klaus-Peter Hammer, zeigte sich »sehr zufrieden« mit der Streikbeteiligung. Nach ver.di-Angaben hatten in Mainz sieben von 100 Kitas notfallmäßig geöffnet.

In Sachsens Landeshauptstadt Dresden kamen rund 1100 ErzieherInnen zu einer Kundgebung zusammen. Etliche Kitas und Horteinrichtungen blieben am Dienstag dicht. Unter anderem in Leipzig, Plauen oder Bautzen wird auch am Mittwoch nicht gearbeitet, Dresden und Freital kündigten eine Streikpause an. Unterstützung erfuhren die Streikenden vom Landeselternrat - auch wenn die Unterbringung ihrer Kinder sie vor große Herausforderungen stelle, sagte der Vorsitzende Peter Lorenz. »Frühkindliche Bildung ist wichtig. Deshalb sind wir dafür, dass sich die Erzieher durchsetzen.«

Insgesamt legten am Dienstag nach Gewerkschaftsangaben bundesweit wieder rund 40 000 der insgesamt rund 240 000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst die Arbeit nieder. Auch die Auseinandersetzung auf PR-Ebene ging weiter: Die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) forderte eine Fortsetzung der Verhandlungen »ohne Vorbedingungen«. Ver.di- Sprecher Christoph Schmitz entgegnete, man könne den Streik binnen Tagesfrist aussetzen, würde die Arbeitgeberseite ein Angebot vorlegen. Die Aussage sorgte für einigen Wirbel. »Ver.di stellt Aussetzen der Kitastreiks in Aussicht« lautete eine Schlagzeile. Doch neu war die Information nicht. Die Kritik der Gewerkschaften ist, dass die VKA bislang kein Angebot vorgelegt hat, das die Forderung der Gewerkschaften nach einer höheren Eingruppierung aller Berufsgruppen in der Branche berücksichtigt.

Weil die vor Jahren festgelegten Tätigkeitsmerkmale beispielsweise für Erzieherinnen nicht mehr zeitgemäß sind, wollen die Gewerkschaften auch hier neue Regelungen. Doch der Kern der Auseinandersetzung dreht sich um die Aufwertung der sozialen Berufe. Die Beschäftigten sehen nicht länger ein, warum ihre Arbeit mit Kindern, Menschen mit Behinderung oder Jugendlichen so viel weniger wert sein soll, als die Arbeit in der Industrie. Viele Beschäftigte sind weiblich, viele in Teilzeit oder prekär beschäftigt. Damit kommt der Tarifauseinandersetzung auch eine gesamtgesellschaftliche politische Bedeutung zu. Agenturen/jme

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