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Die bessere Zukunft muss noch warten

Hansa Rostock zittert nach dem 0:1 gegen Energie Cottbus weiter um den Klassenerhalt

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.

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Ein Investor steht bereit, um den verschuldeten Verein zu retten. Aber vorher muss Hansa Rostock noch um die Lizenz für die dritte Liga kämpfen und vor allem den sportlichen Klassenerhalt sichern. Gegen Energie Cottbus ging es am vorletzten Spieltag schief.

Rostock. So hoffnungsvoll hat man den F.C. Hansa Rostock lange nicht mehr erlebt. Am Sonnabend sollte im Ostderby gegen Energie Cottbus am vorletzten Spieltag endlich der Klassenerhalt in der 3. Liga gesichert werden. Und es lag ja auch eine Woche richtig guter Nachrichten hinter dem ehemaligen Bundesligisten. Mit dem 1:0-Sieg am Mittwochabend in Greifswald im Landespokalfinale von Mecklenburg-Vorpommern gegen den Regionalligisten TSG Neustrelitz hatte sich der Klub endlich mal wieder für den DFB-Pokal qualifiziert. Aber wichtiger als die 140 000 Euro Startprämie war für die finanzielle Rettung die Mitgliederversammlung vom vergangenen Sonntag.

»In seiner gegenwärtigen Lage ist der Verein stark in seiner Existenz gefährdet«, hatte der Klub vorher die brisante Situation noch mal sehr deutlich gemacht. Die Erleichterung war dann auch dementsprechend groß, nachdem die rund 1800 anwesenden Mitglieder den Weg für eine Neuausrichtung geebnet hatten. Denn an die Grundsatzentscheidung für die Ausgliederung der Profiabteilung war ein Versprechen für eine »höherklassige« Zukunft geknüpft. Rolf Elgeti, der 38-jährige gebürtige Rostocker und langjähriges Vereinsmitglied kauft für mehr als 20 Millionen Euro die Stadionkredite, die den Verein seit der Modernisierung der Arena im Jahr 2001 noch immer belasten. Vorausgesetzt: Der Verein schafft den Klassenerhalt und bekommt zudem die Lizenz durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Elgeti soll dann Anteile an der zu gründenden Spielbetriebsgesellschaft »F.C. Hansa Rostock GmbH und Co. KGaA« erhalten.

Am Sonnabend war in Rostock schon ein Hauch der neuen, verheißungsvollen Zeit zu spüren. 21 600 Zuschauer waren gekommen - und alle sangen »Ostseestadion«. Der gleichlautende Schriftzug war groß am Fanblock angebracht und prangte mit einer Ausnahmegenehmigung des DFB auf den Trikots der Rostocker Spieler. Der bisherige Namenssponsor, ebenso in vorauseilender Hoffnung auf Besserung, trat von seinem Recht früher als eigentlich geplant zurück - und somit spielte der F.C. Hansa seit mehr als acht Jahren erstmals wieder im »Ostseestadion«.

Der erste und entscheidende Schritt in eine strahlende Zukunft ist jedoch der sportliche Klassenerhalt. Und da kam ein Gegner wie Energie Cottbus vielleicht gerade recht. Denn für die mit 53 Punkten auf Platz acht angereisten Cottbuser geht es in dieser Saison um nichts mehr. In der ersten Halbzeit hatten die Gäste zwar mehr Ballbesitz, aber Rostock spielte ordentlich mit und hatte die besseren Torchancen. Nach einem guten Flankenlauf von Maximilian Ahlschwede über rechts und einer ebenso guten Flanke traf Hansa-Kapitän Denis Weidlich in der 13. Minute jedoch nur den Pfosten. Vier Minuten vor der Pause tauchte Oliver Hüsing nach einem Freistoß von Christian Bickel vor dem Tor von Kevin Müller auf, köpfte den Ball aber genau in die Arme des Energie-Keepers. Mehr passierte nicht in den ersten 45 Minuten, torlos ging es in die Kabinen.

Das Spiel wurde nach Wiederanpfiff nicht besser. Aber hitziger. Zunächst kam Energie Cottbus durch den Kopfball von Tim Kleindienst nach 63 Minuten zu seiner ersten ernstzunehmenden Torchance im Spiel. Die wiederum bessere Möglichkeit hatten die Rostocker eine Minute später. Nach einem endlich mal schnell vorgetragenen Angriff über die linke Seite spielte Marcel Ziemer seinen Sturmkollegen Halil Savran im Cottbuser Strafraum frei. Savran aber vergab aus zehn Metern.

Als wenig später der Sturmlauf des Cottbuser Verteidigers Ebewa-Yam Mimbala an der Strafraumgrenze nur durch ein Foul gestoppt wurde und Schiedsrichter Sven Jablonski das folgende Gerangel zwischen Mimbala und Rostocks Tommy Gruppe mit einer gelben Karte für beide Spieler bestrafte, war die Stimmung schon gereizt. Nachdem Jablonski dann in der 71. Minute auch noch auf den Elfmeterpunkt zeigte, kochten alle Rostocker vor Wut. Mehr als ein kleiner Rempler von Ahlschwede war es auch nicht, aber der Cottbuser Robin Szarka fiel im Strafraum und der Schiedsrichter pfiff. »Ein geschenkter Elfmeter«, wetterte später Rostocks Trainer Karsten Baumann.

Dem Beschenkten war es egal: Energies Mittelfeldspieler Anton Makarenko traf nach 72 Minuten zum 1:0 für Cottbus. Es blieb das Tor des Tages, weil die Rostocker durch Christian Bickel und Marcel Ziemer auch größte Chancen nicht mehr nutzen konnten. »Im Abstiegskampf flattern die Nerven bei meinen Spielern, deshalb haben sie auch ihre Möglichkeiten nicht genutzt«, sagte Baumann und schloss seine Analyse wie folgt: »Das Glück war nicht auf unserer Seite, der Schiedsrichter leider auch nicht.«

Nun gilt die ganze Konzentration dem letzten Spieltag und der Partie bei Dynamo Dresden. Weil die zweite Mannschaft des FSV Mainz 05 in Halle gewonnen hat, steht der F.C. Hansa als Viertletzter jetzt direkt über den Abstiegsrängen. Und weil auch Unterhaching gegen Münster gewonnen hat, ist der Vorsprung auf den Drittletzten aus Bayern auf zwei Punkte geschmolzen. Die Cottbuser Fans verabschiedeten sich schon mal vom Gegner: »Absteiger, Absteiger« riefen die rund 1000 mitgereisten Lausitzer. Angesichts des Spielverlaufs und des bedrohlichen Szenarios war unter den Rostockern die anfänglich zaghafte Zuversicht der Angst gewichen. Die bessere Zukunft muss noch warten.

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