Werbung

Bomben statt Benzin

Jemen: Saudi-Allianz fliegt wieder Angriffe / Hilfsgüter können nicht transportiert werden

  • Von Oliver Eberhardt, Kairo
  • Lesedauer: 4 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Nach fünf Tagen Auszeit fliegt die Militärallianz wieder Luftangriffe auf Ziele in Jemen; die Huthi-Milizen rücken dennoch weiter vor. Waffenstillstandsgespräche in Riad hatten sie boykottiert.

Fünf Tage lang waren die Kampfflugzeuge der internationalen Militärallianz unter Führung von Saudi-Arabien am Boden geblieben. Doch für die Menschen brachte die fünftägige, einseitige Waffenruhe kaum Entlastung. Nur wenige Tonnen an Hilfsgütern drangen in den vergangenen Tagen dorthin vor, wo sie gebraucht wurden. Denn der Flughafen von Sanaa ist schwer beschädigt, seit die saudische Luftwaffe die Landebahn bombardierte, um, so die offizielle Version, ein Flugzeug mit iranischen Waffenlieferungen von der Landung abzuhalten. In den Häfen von Aden und Hudeidah stapeln sich indes die Hilfsgüter: Zwar hatten in den vergangenen Tagen einige Schiffe festmachen können. Doch es fehlt an Lastwagen und vor allem an Benzin, um alles ins Landesinnere zu transportieren. UN-Mitarbeiter berichten von chaotischen Szenen an den Häfen. Hunderte, manchmal Tausende, versuchten, auf die Hilfsschiffe und mit ihnen nach Dschibuti zu gelangen. Doch die dortige Regierung duldet nur Flüchtlinge, die ihren Weg von selbst über die Meerenge finden. »Wir operieren schon jetzt weit, weit über unsere Leistungsfähigkeit hinaus«, sagt Präsident Ismail Omar Guelleh: »Es ist hart, aber es geht einfach nicht, solange wir keine Hilfe von außen bekommen.«

Saudi-Arabien und die Militärallianz geben derweil den Huthi-Milizen und der iranischen Regierung die Schuld. Iran unterstützt die schiitische, ursprünglich als religiöse Bewegung gegründete Organisation zumindest ideologisch. Die Militärallianz wirft Iran allerdings vor, die Huthi auch mit Waffen zu unterstützen.

Die Huthi hatten sich nicht an der Waffenruhe beteiligt und waren in den vergangenen Tagen weiter vorgerückt. »Wir hätten eine Verlängerung der Waffenruhe befürwortet, wenn die Huthi dies nicht so schwer machen würden«, sagte US-Außenminister John Kerry am Montag; die USA unterstützen die Militärallianz. Ein Sprecher des saudischen Verteidigungsministeriums warf den Milizen vor, sie hätten an der saudischen Grenze schwere Geschütze zusammengezogen. Auch eine Gesprächsrunde in Riad boykottierten die Milizen: Die saudische Hauptstadt sei kein neutraler Ort für ernsthafte Verhandlungen, so ein Sprecher. An den Gesprächen hatten neben dem nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten Abdurabuh Mansur Hadi und anderen jemenitischen Politikern vor allem Diplomaten der Golfstaaten und der UNO-Sondergesandte Ismail Ould Cheikh Ahmed teil genommen. Der aus Mauretanien stammende Unterhändler kündigte einen weiteren Anlauf auf eine Friedenskonferenz an. Zuvor werde er nach Teheran reisen. »Es ist notwendig, alle Beteiligten stärker in die Bemühungen um ein Ende der Gewalt einzubinden.«

In Teheran traf die Ankündigung auf offene Ohren. »Es ist ein Schritt in die richtige Richtung«, sagt Alaedin Burujerdi, Vorsitzender des Außen- und Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament. »Die Vereinten Nationen müssen sich stärker in den Konflikt einbringen; Saudi-Arabien versucht, der Region seinen Willen aufdrängen.« In Iran ist man zur Zeit stark bemüht, sich als humanitären Faktor in Jemen zu präsentieren: Es gehe einzig darum, die Not der Bevölkerung zu lindern, so Burujerdi. Die internationale Gemeinschaft müsse sicher stellen, notfalls auch durch eine Truppenpräsenz, dass Hilfslieferungen auch nach der Wiederaufnahme der Luftangriffe möglich sein werden. Die Militärallianz hat angekündigt, künftig weder Flughäfen noch Seehäfen angreifen zu wollen. Die Problematik der Überlandtransporte wird dadurch aber nicht gelöst.

Zudem stehen die Hilfslieferungen nun selbst im Zentrum einer Machtprobe: Am Donnerstag wird, begleitet von zwei iranischen Kriegsschiffen, ein Frachter in jemenitischen Gewässern eintreffen, der nach offiziellen Angaben Hilfsgüter aus Iran geladen hat. Die saudische Regierung wirft Teheran nun vor, zu provozieren, und dafür eine Eskalation in Kauf zu nehmen. Man werde das Schiff keinesfalls in den Hafen von Hudeidah einlaufen lassen, ohne vorher die Ladung kontrolliert zu haben.

Doch dies will die iranische Regierung keinesfalls zulassen; sollte der Konvoi angegriffen werden, werde dies »unkontrollierbare Konsequenzen« haben. Die Lieferung sei mit den Vereinten Nationen abgesprochen, und man habe der UNO angeboten, einen Blick auf die Ladung zu werfen. Doch die gibt sich zurückhaltend: »Alle Beteiligten müssen alles vermeiden, was zur Eskalation führen könnte«, so ein Sprecher, »wer helfen will, kann dies auch über unsere Kanäle tun.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!