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Nicht ganz auf Marco Pantanis Spuren

Der spanische Radprofi Alberto Contador behauptet kraftschonend sein Rosa Trikot beim 98. Giro d'Italia

Der Spanier Alberto Contador strebt dem Gesamtsieg beim 98. Giro d'Italia entgegen. Der 32-Jährige führt nach 15 Etappen mit einem Vorsprung von ganzen 2:35 Minuten vor Fabio Aru aus Italien.

Alberto Contador hat ein großes Ziel. Er will den Giro d'Italia und die Tour de France gewinnen - beides im gleichen Jahr. Das glückte zuletzt Marco Pantani vor 16 Jahren. Der 2004 im Alter von 34 Jahren gestorbene Italiener ist auch das Idol schlechthin für den Spanier. »Ich bin mit Pantani im Fernsehen groß geworden. Wenn ich ihn bei einer Bergetappe sah, bin ich hinterher aufs Rad gestiegen und habe versucht, ihn nachzuahmen«, erzählte er mehrfach beim 98. Giro d'Italia. Es gelang ihm aber nicht ganz. »Seinen typischen Wiegetritt mit den großen Übersetzungen habe ich aber nicht lange durchgehalten«, gab der Profi aus Tinkoff-Rennstall zu.

Eine weitere Imitation ging ebenfalls schief. Contador verpasste auf der 15. Etappe am Sonntag beim Anstieg nach Madonna di Campiglio den Etappensieg, den 1999 Pantani bewerkstelligt hatte. Contador ließ seinen Landsmann und Astana-Fahrer Mikel Landa ziehen. Der Baske sorgte mit seinem Erfolg für einen ungewöhnlichen Triumph im Teamfahrzeug. Denn drei Mal wurde Madonna di Campiglio vom Profi-Peloton angefahren. Alle drei Mal - 1999 beim Giro d'Italia mit dem Sieger Marco Pantani, 2011 beim Giro del Trentino mit Roman Kreuziger und jetzt beim Giro mit Landa - war der Taktikmacher im Begleitfahrzeug die gleiche Person: Giuseppe Martinelli.

Contador indes musste sich mit dem dritten Rang und weiteren Sekunden Zeitgutschrift begnügen. Die Bedeutung des verpassten Sieges versuchte der Madrilene dann herunterzuspielen. »Natürlich hätte ich gern gewonnen, wo Pantani gewonnen hat. Aber ich wollte vor allem das Gesamtklassement kontrollieren. Und hier ist Fabio Aru mein gefährlichster Gegner. Das ist mir gelungen«, meinte er.

Dem großen Imitationsvorhaben - dem historischen Double - opferte Contador den kurzfristigen Glücksmoment des Etappensiegs an historischer Stätte. Das zeigt immerhin, dass der Spanier selbst seine Kräfte nicht für unbegrenzt hält. Im Gegensatz zu seinen früheren Rundfahrtsiegen, als er nach Belieben dominierte, verhält er sich in diesem Jahr ökonomischer. Er tut, was er tun muss, um vorn zu bleiben.

Dabei ist ihm seine Mannschaft keine große Hilfe. Wiederholt war er bei diesem Giro im Finale isoliert. Manchmal komme er sich am Berg »wie bei einem Mannschaftszeitfahren von Team Astana vor«, erzählt er, so stark präsentiert sich die Truppe um den italienischen Gesamtzweiten Aru und den spanischen Gesamtvierten Landa.

Nur ist es dann eben doch in der Regel Contador, der nach dem Ausscheren der Astana-Lokomotiven eher den Zielbahnhof erreicht, jedenfalls was den Gesamtfahrplan dieses Giro angeht. Stark genug für den Kampf Einer gegen Alle ist der Madrilene also noch immer, vor allem dann, wenn die Gegnerschaft nicht aus dem Briten Chris Froome, dem Italiener Vincenzo Nibali oder dem Kolumbianer Nairo Quintana besteht.

Dass Contador eine Klasse besser ist als die beim Giro versammelte Konkurrenz, musste auch Spaniens neuer Stern Mikel Landa erfahren. Im Einzelzeitfahren am Samstag war der Etappensieger vom Sonntag drei Minuten vor Contador gestartet. Der aber holte seinen Landsmann ein. »Ich dachte, ich sei schnell unterwegs. Dann aber kam Contador«, meinte Landa und schüttelte den Kopf.

Contador ist auf dem besten Wege, Teil 1 des Double-Programms - also Giro- und Tour-Sieg - erfolgreich zu absolvieren. Dass er in Madonna di Campiglio keinen Extra-Punkt im Pantani-Imitationsprogramm erreichte, könnte ihn eher trösten. Denn zu viel Ähnlichkeit ist schädigend fürs Image. Pantani wurde nach seinem Sieg in Madonna di Campiglio wegen eines zu hohen Hämatokritwerts aus dem Rennen genommen. Sein Double-Wiederholungsvorhaben war damit beendet. Im gleichen Jahr begann die Ära eines anderen Seriensiegers: Lance Armstrong (USA). Aber das ist eine andere Geschichte.

Die entscheidenden Etappen der 98. Auflage des Giro d'Italia folgen nach dem Ruhetag unter anderen heute mit dem Mortirolo-Pass, am Freitag mit der Bergankunft in Cervinia und am Samstag mit dem selten angefahrenen Colle delle Finestre und dem Zielort Sestriere, ehe der Giro am Sonntag in Mailand endet.

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