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Vom Rohstofflieferanten zur verlängerten Werkbank

Afrikanische Entwicklungsbank sucht neue Strategie für den Subkontinent und wählt einen neuen Präsidenten

  • Von Roland Bunzenthal
  • Lesedauer: 4 Min.
Die Afrikanische Entwicklungsbank ist längst flügge geworden. An der Tatsache, dass Afrika nur an der untersten Stelle in die globale Wertschöpfungskette eingebunden ist, konnte sie bisher wenig ändern.

Abba Ruma ist ein Mann mit Erfahrung. So hatte er unter anderem für die private Bill & Melinda Gates-Stiftung des Microsoft-Mitbegründers gearbeitet. Zuletzt diente er als Agrarminister in Nigeria. In dieser Funktion versuchte er in der nationalen Reisproduktion die konkurrierenden Großplantagen mit den Kleinbauern der Region auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Dabei entwickelte er ein gewisses Gefühl für die Ärmsten auf dem Land.

Der Nigerianer Ruma ist Favorit für den Präsidentenposten der Afrikanischen Entwicklungsbank in Abidjan (Elfenbeinküste), der am Ende der vom 25. bis 29. Mai laufenden Jahrestagung in Abidjan gekürt werden soll. Ruma könnte dabei vom Proporzdenken der Afrikaner profitieren - der scheidende Präsident Donald Kaberuka stammt aus Ruanda und damit aus Ostafrika, also ist jetzt wieder ein Westafrikaner an der Reihe. Kaberukas Strategie ging von einer zunehmenden Digitalisierung des Kontinents aus. Die Afrikaner sollten - sobald ein Glasfaserkabel ihre virtuelle Leistungsfähigkeit gesteigert hat - als selbstständige Freelancer oder als Produzenten von Zwischenprodukten eine neue Rolle in der Weltarbeitsteilung einnehmen. Ein Programm für die nach wie vor kleine Mittelschicht, die einen Schulabschluss vorweisen kann und nach UN-Definition zwischen zwei und 20 Euro am Tag verdient.

Dass Afrika eine verlängerte Werkbank der Multis werden soll, dagegen regt sich Widerstand. Zwei Drittel der Bevölkerung, die in ärmlichen Gegenden auf dem Land oder in urbanen Slums leben, werden dadurch kaum erreicht, kritisieren private Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt. Sie sehen die Zukunft Afrikas eher in einer Modernisierung der Landwirtschaft. Von der Wertschöpfung der industriellen Prozesse bleibt nach ihrer Ansicht am Ende nur wenig für Afrika übrig.

Ohnehin ist eine gemeinsame Strategie zwischen Kairo und Kapstadt noch in weiter Ferne. Französischsprachige gegen englischsprachige Staaten, islamische Nordafrikaner gegen christliche Schwarzafrikaner und zudem das Hegemonialstreben der großen Drei - Nigeria, Südafrika und Ägypten, stellte die Bank schon in der Vergangenheit häufig vor Entscheidungsprobleme. Derzeit gehen nur knapp zehn Prozent der rund fünf Milliarden Euro jährlich an Krediten in das soziale Spektrum von Gesundheit bis Bildung. Angesichts der Konzentration der Bank auf den Privatsektor verwundert es kaum, dass nicht die Weltbank wichtigster Bündnispartner ist, sondern die Weltbanktochter IFC, die auf Förderung von Privatinvestitionen spezialisiert ist.

Hinter dieser internen Auseinandersetzung steht zudem ein Konflikt zwischen den alten Eliten Afrikas und den jungen Technokraten. Wollen Erstere vor allem den Bergbau und die Plantagenwirtschaft gefördert sehen, planen letztere Infrastruktur-Großprojekte wie den Bau des größten Solarkraftwerkes weltweit in der marokkanischen Wüste oder den Ausbau der Glasfaserkabel für eine bessere Internetnutzung. Noch vor 20 Jahren hätte ein solches 2,2 Milliarden Euro teures Projekt wie das in Marokko eine Menge »Abstauber« angezogen, erzählt Thomas Duwe, Afrika-Experte der deutschen KfW-Entwicklungsbank, die mit rund 800 Millionen Euro an dem Solarvorhaben beteiligt ist. »Damals war Korruption an der Tagesordnung«, so Duwe. Heute gehe die Bank hingegen »verantwortungsvoll mit dem Geld um«.

Eine weitere Differenzierung gibt es hinsichtlich der aktuellen Lage einzelner Staaten. In drei Gruppen ließen sich die 54 Staaten des Kontinents einteilen, erläutert Duwe: »Die aufstrebenden bisher zu den ärmsten Staaten gehörenden Länder wie zum Beispiel Sambia und Botswana, die meist rohstoffreichen Schwellenländer - allen voran Südafrika - sowie die in Kriegen und Konflikten zerfressenen labilen Staaten wie etwa Somalia«. Nicht immer macht diese Einteilung Sinn. Moderner und traditioneller Sektor stehen oft nebeneinander und Nigeria zum Beispiel gehört eigentlich allen drei Gruppen an: Im Norden fast unüberwindliche Armut gepaart mit der Angst vor Terroristen. In Küstennähe sind die Nigerianer hingegen dabei, ein überdimensioniertes Bürocenter aus der Taufe zu heben - ein Zentrum, das dem erwarteten hohen Zukunftswachstum angemessen erscheint.

Die Afrikanische Entwicklungsbank setzt unverändert auf grenzüberschreitende Infrastruktur-Großprojekte. Ihre Eigner sind 54 afrikanische und 26 nicht-afrikanische Mitgliedsstaaten. Deutschland verfügt über 4,1 Prozent der Kapitalanteile und steht unter den nicht-regionalen Mitgliedern nach den USA und Japan an dritter Stelle.

Als sozialer Ableger dient der Afrikanische Entwicklungsfonds. Er speist sich aus Finanzmitteln der 27 Mitgliedsländer. So gewährt er besonders armen afrikanischen Ländern Hilfen in Form von Zuschüssen und Krediten zu besonders günstigen Konditionen. Die 13. Wiederauffüllung des Fonds wurde im September 2013 abgeschlossen. Deutschland hat einen Beitrag in Höhe von 465,4 Millionen Euro zugesagt. Damit ist es mit einem Anteil von rund 9,2 Prozent der Beiträge zweitgrößter Geber hinter Großbritannien.

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