Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Mahnende Worte und Orgelmusik

Die Nacht der Offenen Kirchen stand im Zeichen der Solidarität mit verfolgten Christen

Bereits zum 15. Mal empfingen 95 christliche Gemeinden aller Konfessionen am 24. Mai zur Langen Nacht der Offenen Kirchen in Berlin und Brandenburg.

Zunächst bestimmten die ernsten Töne bei der 15. Nacht der Offenen Kirchen am Pfingstsonntagabend. 95 Gotteshäuser der verschiedenen christlichen Konfessionen in fast allen Berliner Bezirken und in Brandenburg nahmen daran teil.

Der Ökumenische Rat Berlin-Brandenburg hatte die Veranstaltung unter das Motto »Unsere Stimmen für verfolgte Christen« gestellt. Die kirchlichen Würdenträger auf der Bühne am Brandenburger Tor wählten bei der Auftaktkundgebung eindringliche Worte. Bischof Anba Damian von der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Berlin berichtete von der Situation, die Christen in seinem Heimatland Ägypten ausgesetzt sind. Koptische Christen seien im modernen Ägypten häufig nur Bürger zweiter oder sogar dritter Klasse, beklagte der Bischof. »Märtyrer gehören nicht nur zur Vergangenheit, sondern auch zur Gegenwart«, sagte Damian mit Blick auf die Verfolgungsgeschichte der Kopten.

Solidaritätsbekundungen kamen unter anderem von Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. »Freiheit ist in unserer Welt ein verletzbares Gut, insbesondere die Freiheit des Glaubens«, unterstrich Dröge. Christenverfolgung sei in den letzten Jahren zu einem »zentralen Menschenrechtsproblem« weltweit geworden. Die mahnenden Reden, werden nur gelegentlich unterbrochen von einer Big Band, deren Lieder mit frommen Texten insbesondere einige der älteren Zuhörer im Halbrund vor der Bühne zum Mitsingen und klatschen animierten.

Im Anschluss an die Kundgebung, bewegen sich die etwa 250 Zuhörer in einem Prozessionszug zum Berliner Dom am Lustgarten. Allen voran die Bischöfe, gab eine Trommelgruppe auf dem Weg den Prachtboulevard Unter den Linden hinunter den Takt an. Die Teilnehmer des Ökumenischen Pfingstweges waren ein beliebtes Fotomotiv für die zahlreichen Touristen, die am Rand ihre Handys und Selfie-Stangen zückten. Während die Pfingstwegler zum Abschluss noch eine Andacht im Dom feierten, boten die teilnehmenden Kirchen bis in den späten Abend ein buntes Programm aus Konzerten, Lesungen und Gottesdiensten. Mal ging es wie in der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg ganz klassisch zu mit Orgelmusik, mal deftig beim Imbiss mit Schmalzstulle in der katholischen St. Mauritiuskirche in Lichtenberg. Aber auch aktuelle politische Themen wurden aufgegriffen. In der Genezareth-Kirche auf dem Neuköllner Herrfurthplatz wurden Texte, Musik und Szenen zum Thema Flucht und Vertreibung in der Bibel geboten.

Mit dabei bei der langen Kirchennacht war auch die Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche am Breitscheidplatz. Eltern schlenderten flüsternd mit ihren Kindern durch das von blauem Licht durchflutete, zylinderförmige Schiff der neuen Gedächtniskirche. Alexander Bethke, in der Gemeinde zuständig für die Orgelführungen, führte etwa 20 Interessierte auf die große Empore, um ihnen die Geheimnisse des ältesten komplexen Musikinstruments zu erklären. Was vor 2000 Jahren noch als einfacher Kasten mit Schubladen ins Wasser getaucht wurde, funktioniert heute mit Motor und sogar einem Computer, erklärte er. Nach und nach zeigte er den kleinen und großen Zuschauern, die sich um ihn versammelt hatten, die Knöpfe, Pedale und Klaviaturen des gewaltigen Instruments, das eigentlich aus fünf kleineren Orgeln zusammengesetzt ist. Die Vorführung verfehlte ihre Wirkung nicht. Später wolle er vielleicht doch nicht mehr ICE-Fahrer oder Fußballer, sondern Orgelspieler werden, erzählte der kleine Florian mit leuchtenden Augen, als er wieder von der Empore herabstieg.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln