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Branche zwischen Niedrigzinsen und strengeren Vorschriften

Fragen & Antworten zu Lebensversicherungen

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Die Lebensversicherungsbranche steckt im Umbruch: Niedrigzinsen machen den Unternehmen und ihren Kunden das Leben schwer. Die Verzinsung des Altersvorsorgeklassikers sinkt seit Jahren.

Ab 1. Januar 2016 gelten strengere EU-Aufsichts- und Kapitalvorschriften für die gesamte Versicherungsbranche (Solvency II). Die Unternehmen sollen so krisenfester gemacht werden.

Worum geht es genau?

Die Kapitalpuffer, die Versicherer vorhalten müssen, orientieren sich künftig an den eingegangenen Risiken: Je größer die Risiken, desto größer müssen die Kapitalpuffer sein. Lebensversicherer dürfen Kunden garantierte Zinsen nur noch dann versprechen, wenn sie ausreichend Finanzmittel zu Verfügung haben. Die Unternehmen sollen so auch in Krisenzeiten ihre Zusagen erfüllen können - wenn beispielsweise die Kurse am Aktien- oder Anleihemarkt einbrechen.

Zugleich entfallen die starren Obergrenzen zum Beispiel für Investitionen in Aktien. Die Assekuranzen können theoretisch mehr Geld in diese Papiere stecken und bei guter Entwicklung an den Börsen so mehr erwirtschaften.

Was bedeuten die Vorschriften in der Praxis?

Für eine Aktie mit einem Marktwert von 100 Euro müssen Assekuranzen künftig einen Kapitalpuffer - Eigenmittel im Fachjargon - von etwa 40 Euro vorhalten. Für Anleihen von EU-Staaten sind weiterhin keine Eigenmittel erforderlich.

Welche Folgen hat das für Verbraucher?

Verbraucher sollten sich nach Einschätzung von Experten keine allzu große Hoffnung auf höhere Renditen machen, auch wenn die Unternehmen das Geld flexibler anlegen können. Aus Sicht von Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sollten Verbraucher den Abschluss einer Kapitallebensversicherung gründlich überdenken: »Wir sehen große Risiken, dass Kunden am Ende herbe Enttäuschungen erleben.«

Wie ist die Zinsentwickelung?

Für Neuverträge liegt der Garantiezins inzwischen bei 1,25 Prozent. Bei Altverträgen sind es noch bis zu 4 Prozent. Hinzu kommt die freiwillige Überschussbeteiligung, über die Versicherer jedes Jahr neu entscheiden. Im Durchschnitt lag die Verzinsung aus Garantiezins und Überschussbeteiligung auf den Sparanteil - Einzahlungen minus Kosten - nach Angaben der Ratingagentur Assekurata 2014 bei 3,54 Prozent und sinkt in diesem Jahr auf 3,33 Prozent.

Wohin geht die Branche?

Branchenexperte Lars Heermann von Assekurata geht davon aus, dass immer mehr Lebensversicherer Verträge anbieten, bei denen keine Mindestverzinsung garantiert wird, dafür aber eine höhere Rendite möglich ist. Der Vorteil für die Unternehmen: Sie brauchen dafür weniger Kapitalpuffer.

Was ist das Problem?

Festverzinsliche Anlagen werfen wegen der Geldflut der EZB kaum noch etwas ab. Lebensversicherer müssen aber hohe Garantiezusagen der Vergangenheit erfüllen. Der IWF schlug jüngst Alarm: Die langfristigen Versprechen hoher Garantiezinsen seien zu einer schweren Bürde vor allem für mittelgroße Anbieter in Europa geworden, besonders in Deutschland und Schweden.

Wenn ein Unternehmen die Anforderungen nicht erfüllt?

Kann ein Versicherer die Eigenmittelanforderungen auf Dauer nicht erfüllen, könnte die Aufsicht im Extremfall verlangen, dass die Garantieleistungen für bestehende Verträge gesenkt werden, erläutert Heermann. Verbraucher sollten sich daher einen sehr soliden Anbieter suchen. dpa/nd

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