Werbung

Umbettung in »Ruhmeshalle der Nation«

Frankreich ehrt vier seiner Résistance-Kämpfer

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 2 Min.

Vier Kämpfer der Résistance, des Widerstandskampfes französischer Patrioten gegen die faschistischen Besatzer im zweiten Weltkrieg, werden in dieser Woche durch die feierliche Überführung ihrer Särge ins Pariser Panthéon geehrt. Die Entscheidung darüber, wer in diese »Ruhmeshalle der Nation« einziehen darf, ist dem Staatspräsidenten vorbehalten. Nach einer öffentlichen Umfrage, an der sich etwa 30 000 Franzosen mit Vorschlägen beteiligten, und nach Konsultation von namhaften Historikern hat sich Präsident François Hollande für Geneviève de- Gaulle-Anthonioz, Germaine Tillion, Pierre Brossolette und Jean Zay entschieden.

Geneviève de Gaulle, die Nichte des Generals und späteren Staatspräsidenten, der am 18. Juni 1940 von London aus zum Kampf gegen die Besatzer aufgerufen hatte, war Ethnologin am Pariser Musée de l'homme und dort Mitbegründerin eines der ersten Widerstandsnetze. Sie wurde 1943 verhaftet und ins KZ Ravensbrück deportiert. Nach dem Krieg hat sie sich im Kampf gegen die Armut engagiert und die Hilfsorganisation ATD Quart Monde geleitet. Sie starb 2002.

Germaine Tillion war ebenfalls Ethnologin und im KZ Ravensbrück inhaftiert, nachdem sie in Paris im Untergrund antifaschistische Propaganda und Aufklärung für die Alliierten betrieben hatte und 1941 verhaftet wurde. Nach dem Krieg engagierte sie sich gegen den Algerienkrieg und für die Entwicklungsländer. Sie starb 2008.

Pierre Brossolette war Journalist und 1939/40 Offizier. Er nahm 1941 Kontakt zum Résistance-Netz des Musée de l'homme auf und redigierte dessen illegale Zeitung. Als er Anfang 1944 verhaftet und gefoltert wurde, stürzte er sich aus dem Fenster, um niemanden zu verraten.

Jean Zay war als Minister der Volksfront 1936-39 Ziel scharfer antisemitischer Hetze. Als Abgeordneter stimmte er 1940 gegen die Generalvollmachten für Marschall Philippe Pétain, Chef des mit den Nazis kollaborierenden Vichy-Regimes. Von dessen Polizei wurde er verhaftet und 1944 ermordet.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!