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Manöver fast wie in (k)alten Zeiten

NATO-Übung begann in Skandinavien, Moskau mobilisierte Soldaten im zentralen Militärbezirk

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen tourt sechs Tage lang durch Asien. Währenddessen üben Untergebene in Osteuropa oder bereiten sich auf solche Militärexkursionen vor.

Bis zu 4000 Teilnehmer hat die Luftwaffenübung «Arctic Challenge», die am Dienstag in Skandinavien begann und bis zum 5. Juni dauern wird. Eingesetzt werden rund 100 Kampfflugzeuge. Sie kommen aus verschiedenen NATO-Staaten. Deutschland stellt 250 Soldaten sowie zwölf «Eurofighter», ein Tankflugzeug samt privaten Zieldarstellern.

Mit dabei sind Soldaten und Gerät aus Schweden und Finnland. In beiden skandinavischen Ländern wird seit Beginn der Ukraine-Krise verstärkt über einen möglichen Beitrag zum NATO-Bündnis debattiert. Acht Kampfflugzeuge schickte die Schweiz zum Manöver, das in Norwegen, Schweden und Finnland stattfindet, also auch in direkter Nähe zur russischen Grenze.

Zwischen Ende März und Mitte November sind laut Auskunft des Verteidigungsministeriums rund 5000 Bundeswehrangehörige für Übungen im östlichen Bereich Europas verplant. Neben Marineübungen in der Ostsee sind in den drei baltischen Staaten, in Ungarn und Polen multinationale Manöver vorgesehen. Sie werden unter der Verantwortung der NATO oder der USA abgehalten. Zudem absolvieren US-Soldaten bilaterale Schulungen und «Shows» an vorgeschobenen Plätzen des Bündnisgebietes. Georgische Truppen werden von US-Fallschirmjägern gedrillt. In Rumänien ging gerade ein vom 2. US-Cavalry-Regiment organisierter Straßenmarsch zu Ende. Die in Bayern stationierte «Striker»-Truppe hat solche Blitzauftritte in den vergangenen Wochen in mehreren osteuropäischen Staaten absolviert. Am 8. Juni beginnt das rund drei Wochen dauernde Manöver «Sabre Strike». Es wird von der US Army Europe geleitet. Truppen aus neun NATO-Staaten sind avisiert. Die Bundeswehr schickt 600 Soldatinnen und Soldaten vor allem mit schweren Waffen eines Artillerieverbandes.

Schwerpunkt der Übung soll in Polen sein. Doch bereits jetzt rollen auf litauischen Straßen «Fuchs»- und «Boxer»-Transportpanzer aus Deutschland sowie schwere «Abrams»-Tanks der in Europa stationierten US-Truppen.

Wie in alten Zeiten des Kalten Krieges bezieht sich die eine Seite auf die andere, um die eigenen militärischen Aktivitäten zu begründen. «Zur weiteren Vorbereitung auf die strategischen Übungen »Zentrum 2015« hat Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu befohlen, »die Kampfbereitschaft der Flieger- und Luftabwehrtruppen des Zentralen Militärbezirks zu prüfen«, hörte man zu Wochenanfang aus Moskau. 12 000 Soldaten und 250 Kampfflugzeuge werden dafür aufgeboten. Man habe die OSZE-Staaten über diese viertägige Übung informiert, obwohl es keine Verpflichtung dazu gebe, hieß es.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte im Dezember angeregt, angesichts zunehmender Spannungen wieder ein Rotes Telefon zwischen der NATO und ihren Partnern in Moskau einzurichten. Seit Anfang Mai ist es geschaltet.

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