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Unruhe im FIFA-Clan

Funktionäre des Fußballweltverbands festgenommen / »Don« Blatter thront weiter

Berlin. Ein Kuss auf die Hand des »Paten«, und der Gefallen wird gewährt. Hier einen kleinen Deal abschließen, dort einen Gegner aus dem Weg räumen. Kein Problem bei der Mafia - und bei der FIFA. Der Fußballweltverband gleicht seit Jahrzehnten eher einem weltweit agierenden Clan als dem nach Schweizer Recht gemeinnützigen Verein, der er offiziell ist. Doch kurz vor dem an diesem Donnerstag beginnenden 65. FIFA-Kongress in Zürich schlugen plötzlich die »Unbestechlichen« zu.

Schweizer Beamte nahmen sieben FIFA-Funktionäre fest, darunter zwei Vizepräsidenten. Sie sollen an die USA ausgeliefert werden, wo sie der Annahme von Schmiergeld in Millionenhöhe, Geldwäsche und Korruption beschuldigt werden. Zudem untersuchen Schweizer Behörden Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang der WM-Vergaben an Russland für das Turnier 2018 und Katar 2022.

FIFA-Präsident Joseph »Don« Blatter war nicht unter den Verdächtigen, obwohl ohne sein Wissen wohl kaum auch nur ein Dollar in der Milliardenmaschine FIFA verschwindet. Der Schweizer will sich am Freitag in seine fünfte Amtszeit wählen lassen. Von diesem Plan lässt er sich auch nicht vom FBI oder dem Schweizer Bundesamt für Justiz abbringen. Er stehe schließlich nicht unter Verdacht und die Schweizer Ermittlungen seien von der FIFA selbst in Gang gesetzt worden, ließ er am Mittwoch von seinem Sprecher mitteilen.

Blatter erwartet - offenbar nicht zu Unrecht -, dass er auch dieses Beben überstehen wird, so wie viele zuvor. Auch weil er ehemalige Gefährten eiskalt fallenlässt, wenn es eng wird. Dieses Schicksal droht nun den Vizepräsidenten Eugenio Figueredo und Jeffrey Webb. Die hätten sich besser an Al Capone orientiert, denn im Gegensatz zu Korruptionsvorwürfen liefert die Schweiz bei Steuerdelikten nicht an die USA aus. nd Seite 19

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