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Tragische Wucht

Deutsch-palästinensische Koproduktionen im DHM

Unter dem Titel »Glut der Erinnerung« präsentiert das Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum (DHM) bis 13. Juni Filme, die die 1964 gegründete Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) in den 70er und 80er Jahren mit Unterstützung beider deutschen Staaten realisierte. Irit Neidhardt hat aus dem Fundus elf Arbeiten ausgewählt, etwa ein Drittel der gemeinsamen Filme. Die Auswahl berücksichtigte, dass die Filmemacherinnen und Filmemacher zur Aufführung ihrer Filme kommen und mit dem Publikum diskutieren können.

»Der Traum« des Syrers Mohamed Malas entstand 1987 zwar als Koproduktion zwischen der PLO und Syrien, jedoch wurde die Postproduktion beim Fernsehen der DDR abgewickelt. In verschiedenen libanesischen Flüchtlingslagern erzählen junge Leute, Alte, Männer, Frauen, Kinder, während sie alltägliche Dinge verrichten, etwa Brot backen oder Schuhe reparieren, von ihren Träumen. Das ist kurios, komisch, aber auch traurig. Alles vermischt sich zu einem sanften Bild surrealer Wirklichkeit. Ein wunderschöner Film.

Zwei Filme von Robert Krieg - »Freiheit - wie meine ich das?« (Libanon, BRD 1981) und »Intifada - Auf dem Weg nach Palästina« (BRD 1989) - spüren sozialen Veränderungen innerhalb der palästinensischen Flüchtlingslager nach, die man als revolutionär bezeichnen könnte. Im ersten Film etwa erzählt eine junge Frau von der früheren sozialen Kontrolle durch die Familie. Nun aber könne sie junge Leute besuchen und auch spät nach Hause kommen. In beiden Filmen wird sehr aufmerksam auf Veränderungen des sozialen Lebens geschaut. Man gewinnt den Eindruck, dass in den Flüchtlingslagern eine Art soziales Modell im Entstehen begriffen war, das auf konservative arabische Gesellschaften vielleicht hätte ausstrahlen können. Eine wunderbare Hoffnung scheint auf.

Kais al Zubaidis großer Kompilationsfilm »Palästina - Chronik eines Volkes« (1984) entstand entsprechend dem Kulturabkommen zwischen der DDR und der PLO von 1980 als Koproduktion. Er verfolgt mit seinem reichen und sehr schönen Bildmaterial minuziös die Entwicklung verschiedener politischer Bewegungen während der Zeit des britischen Mandats in Palästina und in der Welt.

Einen Hinweis verdient Kassem Hawals Spielfilm »Rückkehr nach Haifa« (1982), nach dem Roman des palästinensischen Autors Ghassan Kanafani. Die Eheleute Said und Safija können nach dem Junikrieg 1967 nach Haifa zurückkehren, von wo sie 1948 vertrieben worden waren. Sie wollen vor allem nach ihrem Kind suchen, das sie im Chaos der Kämpfe als fünfmonatigen Säugling zurückgelassen hatten. In ihrem Haus wohnt seit 1948 die polnische Jüdin Mirijam, die, von den Faschisten aus Europa vertrieben, nicht nur das Haus zugewiesen bekam, sondern auch das arabische Baby, das sie, die keine Kinder bekommen kann, als das Glück ihres Lebens betrachtet. Keine Person dieses Dramas trifft persönliche Schuld - doch aller Interessen schließen sich gegenseitig aus. Das ist ein großer Stoff von tragischer Wucht und ein, trotz ästhetischer Defizite, authentischer künstlerischer Blick auf die ungelösten Probleme der gesamten Region.

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