Hirnhöllenbilder, Ganzkörperkopfweh

Am Sonntag wäre Filmregisseur Rainer Werner Fassbinder 70 Jahre alt geworden

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Seine Welt hieß Deutschland und lag – zwischen Hitler und RAF – immer im Herbst. Am Sonntag wäre Rainer Werner Fassbinder 70 Jahre alt geworden. Er starb 37-jährig und hinterließ mehr als 40 Filme.

Fassbinder. Am 31. Mai 1945 in Bad Wörishofen geboren, 1982 in München gestorben. Das muss genügen. Sonstige Informationen sind aufgehäuft zum gigantischen Klugscheißerberg, der Mann ist Museum, Mythos, Mustermesse. Die Namen seiner Schauspielerfrauen und -männer: Legion. Ihre Aussagen: eine Endlosschleife. Und die Ehrungen derzeit? Etwas, das nichts mehr kostet. Tote tun nicht wirklich weh. Das tötet uns, weil es uns arm macht an Fähigkeit zu wirklicher Ehrerbietung: offen zu sein für den Glanz des Schmutzes, hinzuhören auf jene Hammerschläge des Hässlichen, die unsere Bürgerlügen zertrümmern.

Fassbinder. Es geht nicht mehr um sein Leben, es geht um das, was so eine Dreckschleuderkraft und kranke Sehnsucht und urgesunde Süchtigkeit heute noch aufruft. Im Grunde nur eines: Kunst ist Aufschrei, Unerträglichkeit. Wenn Kunst gut sein soll, muss sie furchtbar sein, für alle Beteiligten. Die sich bei Fassbinder mit der Welt herumschlug...

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