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Väter und Söhne

»Mit den Bauern habe ich heuer große Scherereien«, sagt der Gutsbesitzer Nikolai Kirsanow zu seinem vom Petersburger Studium heimkehrenden Sohn Arkadi. »Sie zahlen den Grundzins nicht.« »Und mit den Tagelöhnern bist du zufrieden?« »Ja ... Aber sie werden aufgehetzt, das ist das Schlimme.« Von der Kutsche aus sieht Arkadi niedrige Hütten unter dunklen, oft zur Hälfte abgetragenen Dächern, windschiefe Dreschscheunen. »Reformen sind notwendig«, überlegt er. Aber wie? Er kündigt den Besuch seines Freundes an. Vor allem mit diesem Jewgeni Basarow brechen die Konflikte auf im Roman.

Matthias Beckmann schuf die Illustrationen zu einem epochalen Werk der Weltliteratur: »Väter und Söhne« von Iwan S. Turgenjew entstand 1861, als in Russland die Leibeigenschaft abgeschafft wurde, wodurch die Krise der feudal-absolutistischen Verhältnisse jedoch nicht zu überwinden war. »Mein ganzer Roman ist gegen den Adel als führende Klasse gerichtet«, formulierte der Dichter in einem seiner Briefe. Dagegen steht Basarow, Medizinstudent, wissenschaftsgläubig. »Wenn er sich Nihilist nennt, dann muss man Revolutionär lesen«, so Turgenjew, hin und hergerissen zwischen seiner Faszination für diesen Mann und seiner Furcht vor solchen wie ihm, für die Poesie nichts gilt und Menschen nur »wie Bäume im Wald« sind; »kein Botaniker wird sich mit jeder Birke einzelnen befassen«. I.G.

Iwan S. Turgenjew: Väter und Söhne. Aus dem Russischen von Annelore Nitschke. Illustriert von Matthias Beckmann. Nachwort von Peter Thiergen. Edition Büchergilde. 303 S., geb., 26,95 €.

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