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Atomindustriepolitik à la Elysée

Frankreichs Regierung stellt die Konzerne Areva und EDF neu auf

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.
Die französische Regierung versucht, den angeschlagenen Atomkonzern Areva durch Aufspaltung zu retten. Auch soll er enger mit dem AKW-Betreiber EDF zusammenarbeiten.

Drei Monate nachdem der französische Atomkonzern Areva Verluste in Höhe von 4,8 Milliarden Euro einräumen musste, sind die Würfel gefallen. In einer Krisensitzung mit Regierungschef Manuel Valls und den vier betroffenen Ministern im Elysée-Palast hat Präsident François Hollande entschieden, Areva zu zerlegen und den Konzern durch eine Kapitalaufstockung finanziell zu sanieren. Dabei fällt der begehrte Zweig Reaktorbau an den wirtschaftlich stabileren Stromriesen Electricité de France (EDF), wie die Regierung am Donnerstag in Paris ankündigte. Der Staat ist bei EDF mit 85 Prozent Mehrheitsteilhaber und bei Areva mit 87 Prozent.

Areva soll sich künftig auf sein Kerngeschäft konzentrieren, für das der Konzern 2001 gegründet wurde: die Förderung von Uran in aller Welt und die Aufbereitung verbrauchter Kernbrennstäbe. Allerdings soll Areva eine »strategische« Beteiligung von voraussichtlich 25 Prozent an der künftigen Kernreaktortochter von EDF behalten. Der Stromkonzern hat angekündigt, weitere in- und ausländische Investoren einzubeziehen - nicht zuletzt aus China, dem wichtigsten Auslandsmarkt.

Damit schanzt der Staat EDF die Führungsposition im Atomenergiesektor zu, wobei aber Areva mit im Spiel bleibt und nicht noch weiteren Prestigeverlust erleidet. Seit 2007 hat der Konzern keinen Reaktor mehr ins Ausland verkauft und die Aussichten haben sich mit der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 weiter verschlechtert. Hinzu kam ein Milliardenverlust durch den Kauf der - letztlich unprofitablen - kanadischen Minengesellschaft Uramin, wobei in diesem Zusammenhang die Justiz noch wegen des Verdachts von Bestechung und Betrug ermittelt.

Durch die Neuverteilung der Rollen unter den beiden staatseigenen Konzernen soll das Risiko bei laufenden Großprojekten kontrollierbar gehalten werden. Beim Bau des Europäischen Druckwasserreaktors im finnischen Olkiluoto führt Areva Regie, während EDF diese Rolle beim französischen Pendant in Flamanville übernommen hat. Beide Projekte hinken um Jahre hinter den Zeitplänen hinterher, während die Kosten explodiert sind und Skandale wegen der Beschäftigung unterbezahlter Leiharbeiter aus Osteuropa hinzukamen. Hier soll die Kooperation zwischen den beiden Konzernen verbessert und damit der Boden bereitet werden für das absehbare große Geschäft mit der Modernisierung des französischen Kernkraftwerksparks und dem Abriss abgeschalteter KKW. Was den lukrativen Bau von Kernkraftwerken im Ausland betrifft, so arbeiten hier Areva und EDF schon seit Jahren zusammen.

Areva beschäftigt im Bereich Reaktorbau rund 15 000 seiner weltweit insgesamt 44 000 Mitarbeiter. Die Gewerkschaften befürchten nun einen Arbeitsplatzabbau und sehen auch dem möglichen Einstieg chinesischer Investoren mit Sorge. In einem Rundfunkinterview betonte Wirtschaftsminister Emmanuel Macron jedoch, dass durch die Entscheidung »die Restrukturierung der Atombranche nachhaltig gesichert« werde. Areva solle keinesfalls »zerschlagen« werden, aber es gehe darum, dass EDF und Areva, die in der Vergangenheit zu oft gegeneinander gearbeitet hätten, künftig vor allem auf dem internationalen Markt besser zusammenarbeiten.

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