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Stromleitung aus dem Weltall

Japanischen Wissenschaftlern ist es gelungen, Strom kabellos über eine Distanz von 55 Metern auf eine Empfängerstation zu transportieren. Das Prinzip taugt auch für längere Strecken. Von Susanne Steffen

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Fast genau zum vierten Jahrestag der Fukushimakatastrophe gelang den Forschern der japanischen Raumfahrtagentur JAXA unlängst ein Experiment, das eine neue Energiequelle anzapfen könnte. Die Wissenschaftler konvertierten 1,8 Kilowatt Strom in Mikrowellen und schickten diese durch die Luft auf einen 55 Meter entfernten Empfänger, wo die Mikrowellen wieder in elektrischen Strom umgewandelt wurden. Theoretisch hätten die Forscher so einen Wasserkocher aus 55 Meter Entfernung betreiben können - ganz ohne Kabel.

Dies war nach Angaben der Agentur weltweit das erste Mal, dass es gelungen ist, so viel Energie über Mikrowellen auf ein so kleines Ziel zu schicken. »Dieser gelungene Test ist ein großer Schritt für uns«, erklärte Kazuo Ohashi, Leiter der JAXA-Advenced-Mission-Forschungsgruppe.

Die JAXA will diese Technologie einsetzen, um Strom aus großen Solarfarmen in 36 000 Kilometer Höhe zurück auf die Erde zu »beamen«, wie das in der Science-Fiction gern genannt wird. Die Weltraumagentur schätzt, dass ein Weltraumsolarpanel mit einem Durchmesser von zwei bis drei Kilometern etwa ein Gigawatt Strom erzeugen könnte - so viel wie ein moderner Atomreaktor.

Solarstrom aus dem Weltall hätte den großen Vorteil, dass die Produktion weder wetterabhängig noch einem Tag-/Nacht-Rhythmus unterworfen wäre. Im Gegensatz zu irdischen Solarfarmen würden solche Weltraumstationen eine stabile Produktion aus einer unerschöpflichen Quelle garantieren.

Bislang galt der Stromtransfer zur Erde als unüberwindbare Hürde. Doch die JAXA ist zuversichtlich, in Zukunft mit ihrer Technologie auch weitere Distanzen überwinden zu können. Da Mikrowellen potenzielle Gefahren für Mensch und Umwelt bergen, muss die Übertragungsroute für Weltraumstrom exakt kontrollierbar sein. Dass Vögel oder Flugzeuge, die die Route zufällig durchkreuzen, gegrillt werden, könne allerdings nicht passieren. Dafür sei die Energiedichte zu gering, beruhigt ein JAXA-Sprecher in japanischen Medien.

Doch bevor die ersten Weltraumsolarfarmen ans Netz gehen, müssen noch eine ganze Reihe von Problemen gelöst werden. Vor allem die gigantischen Kosten des Baus und der Wartung derartiger Solarfarmen im Erdorbit lassen diese Energiequelle vorerst wenig praktikabel erscheinen. Auch die JAXA rechnet mit den ersten Weltraumsolarfarmen nicht vor 2040.

Möglicherweise wird die neue Energie-Beam-Technologie ihre ersten Anwendungen doch auf der Erde finden. Denkbar sind etwa kabellose Aufladestationen für Elektroautos oder der Transport von Strom aus weit entfernten Anlagen auf dem offenen Meer. Sogar eine Notfallstromversorgung für Krisenregionen etwa nach Naturkatastrophen wäre mit dieser Technologie möglich.

Sollte jemals wieder in einem Atomkraftwerk wegen totalen Stromausfalls die Kernschmelze drohen, könnte die neue JAXA-Technologie vielleicht auch ein zweites Fukushima verhindern.

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