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In Frack und Zylinder auf dem Rathausbalkon

Kiels Handballer sind zum 20. Mal deutscher Meister, ihr Coach Gislason zum vierten Mal «Trainer der Saison»

  • Von Franko Koitzsch und
 André Klohn
  • Lesedauer: 3 Min.

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Kieler Nächte sind lang. Am längsten, wenn der THW Kiel Meister geworden ist. Das ist er bereits zum 20. Mal. Rund 15 000 Fans feierten mit der Mannschaft auf dem Rathausplatz der Stadt.

Kiel. Für die Schale hatten sich die Spieler des THW Kiel in Schale geworfen. In Frack und Zylinder hopsten die Profis auf dem Rathausbalkon und schwenkten die Meistertrophäe. Die rund 15 000 Menschen davor hüpften mit und sangen voller Inbrunst: «Deutscher Meister - nur der THW!» und «We are the champions», schmetterte die Mannschaft zurück.

90 Minuten zuvor hatte der THW Kiel zum 20. Mal die deutsche Handballmeisterschaft gewonnen. Die Zahl prangte unübersehbar auf den imposanten Kopfbedeckungen der Spieler. «Wer ist schon Bayern München?», grölte ein Fan. «Die holen wir bald ein.» Der deutsche Fußballmeister steht bei 25 Titeln.

Die Feierlichkeiten in Kiel, so wurde berichtet, seien für die Spieler anstrengender als die gesamte Saison. Erst der Tanzkreis und die Bierduschen in der Halle, dann die Sangesrunden auf dem Rathausplatz bis 1.00 Uhr, anschließend die Fete in den VIP-Räumen der Sparkassen-Arena, wo wenige Stunden zuvor im abschließenden Saisonspiel der TBV Lemgo mit 33:29 bezwungen wurde, und schließlich die Absackerorgie in den Kneipen der Stadt. Um 10 Uhr ging es schon wieder weiter mit Freibier in der Forstbaumschule. Eine komplette THW-Saison ist kraftraubend. Aber das Feiern erst ...

Trainer Alfred Gislason war gerührt. «Das war die zweite Saison hintereinander mit Riesenarbeit und auch mit großen Rückschlägen, aber letztendlich haben wir das Hauptziel - die deutsche Meisterschaft - geschafft», resümierte der Isländer.

Die Quittung für seine Arbeit hatte Gislason Stunden zuvor bekommen. Der 55-jährige Isländer wurde zum vierten Mal «Handballtrainer der Saison». Das hatte vor ihm noch keiner geschafft. Er wurde von den Trainern und Managern der 19 Erstligisten gewählt. Gislason trainiert den deutschen Rekordmeister Kiel seit 2008 und gewann mit dem Klub unter anderem zweimal die Champions League. Kiels Kapitän Filip Jicha goss seinem Coach während eines TV-Interviews ein Riesenglas eisgekühlten Biers über den Kopf.

Zu Saisonbeginn hatte der Kieler Motor noch gestottert. Nach vier Spieltagen zwei Niederlagen - die Konkurrenz unkte über das Ende einer Ära. Die Rhein-Neckar Löwen marschierten auch lange Zeit an der Tabellenspitze. Doch wie schon im Vorjahr wurden die Mannheimer abgefangen und mussten mit Platz zwei vorliebnehmen.

«Die Mannschaft ist diese Saison hervorragend zusammengewachsen. Wir wollen weiter angreifen. Nach so einen Umbruch ist man im zweiten Jahr meist sogar noch besser», versprach Linksaußen Dominik Klein, der mit Kapitän Filip Jicha die Rolle des Partyzeremonienmeisters übernommen hatte.

Feuchte Augen gab es, als langjährige THW-Spieler verabschiedet wurden. Aron Palmarsson, die Torhüter Andreas Palicka, Johan Sjöstrand und Einar Ege sowie Rasmus Lauge und Henrik Lundström verlassen Kiel. «Ich bin sehr glücklich über den Titel, aber auch ein bisschen traurig, dass ich gehe», beschrieb Palmarsson seine Gefühlslage. «Vielleicht sehen wir uns nächste Saison in der Champions League. Der Rückraumspieler wechselt zu Ungarns Topklub und THW-Kiel-Bezwinger MKB Veszprem.

Besondere Zufriedenheit strahlte Kiels Geschäftsführer Thorsten Storm aus. Er war 2007 von der SG Flensburg-Handewitt zu den Rhein-Neckar Löwen gegangen, um irgendwann den Meistertitel zu holen - doch Fehlanzeige. 2014 wechselte er zum THW Kiel. Schon im ersten Jahr an der Förde kann er die Meisterschale schwenken. »Der THW ist ein großer Klub und hat eine große Mannschaft«, betonte der 50-Jährige. Seine Weissagung klang für die Konkurrenz wie eine Drohung: »Um den THW muss man sich keine Sorgen machen.« dpa/nd

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