Werbung

Vater unser, der du hängst im Schacht

Von Martin Hatzius

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Das hier ist zwar nicht das Wort zum Sonntag, sondern bloß die übliche Montagslitanei, was aber gesagt werden muss, wusste schon Günter Grass, das muss gesagt werden: Seit einer ganzen Woche steht in diesem Saftladen hier der gottverdammte Paternoster schon still, und ich habe aufgehört, die Rosenkränze zu zählen, die ich seitdem hoch- und runtergebetet habe, damit er herrgottnochmal endlich von den Toten auferstehen oder wenigstens herab zur Hölle fahren möge. Ein Fahrstuhl, der nicht fährt, ist ein Stehstuhl - und insofern dem heiligen Stuhle verwandter als dem elektrischen. Der sorgt immerhin für irgendeine Bewegung in so einem Menschenleben, und sei es auch die finale.

Nur eine Gesellschaft, die einen Papst und ein Vaterunser braucht, kann auf die Idee kommen, für die Benutzung eines Umlaufaufzugs nach einem Führerschein zu verlangen. Begreift es doch endlich: Wir brauchen keinen Führer! Und schon gar nicht für einen einstiegsoffenen, selbsttätig mobilen, rundum führerlosen Lift. Wer für dessen Benutzung einen Führerschein fordert, der durch eine Einweisung zu erlangen sei, gehört selber eingewiesen. Und ich meine damit nicht die Einweisung in die verriegelte Zelle eines herkömmlichen Aufzugs, sondern die Einweisung in eine ganz andere geschlossene Abteilung! Wenn es denn verdammtnochmal überhaupt einer Befugnis bedarf, weiß der in diesen Dingen bestens unterwiesene Ex-DDR-Bürger, hat diese im Aufstieg und Falle des Paternoster nicht Führerschein, sondern Fahrerlaubnis zu heißen.

Wobei ich an dieser Stelle darauf hinweisen möchte, dass ich Einweisungen jeglicher Art grundsätzlich von mir weise. Die Erfahrung lehrt doch, dass derartige Unterweisungen immer mit Überweisungen verbunden sind, deren Belege man im Zweifelsfall vorweisen muss, um die Teilnahme nachzuweisen. Insbesondere sei hier auf Eingewiesene verwiesen, denen die deutsche Staatsbürgerschaft nicht zugewiesen wurde. Diese müssen im Falle des Nichtnachkommens ihrer Nachweispflicht hinsichtlich der für die Unterweisung geleisteten Bankanweisungen mit Ab-, schlimmstenfalls aber sogar mit ihrer Ausweisung rechnen.

So ist das nämlich in unserem Führer-Scheinstaat: Wer sich nicht ausweisen kann, wird ausgewiesen. Ich, der ich soeben ein neues Personaldokument beantragen musste, weiß davon ein Lied zu singen, und glauben Sie mir, dieses Lied wollen Sie nicht hören. In einer paternosterartigen Endlosschleife läuft es durch einen Lautsprecher im Wartesaal des Bürgeramts Friedrichshain-Kreuzberg, versehen mit einer aggressiv einschläfernden Melodie im Plimplim-Stil aufziehbarer Baby-Spieluhren. Wer das drei, vier oder fünf Stunden ertragen muss, kann gar nicht anders, als zum Amokläufer zu werden. Beten wir dafür, dass die Verantwortlichen bald in die Benutzung des Aus-Schalters eingewiesen werden. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geisterfahrers. Amen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen