Von Hermannus Pfeiffer

Vom Acker bis zum Teller

Geldanlage: Lebensmittel

Gesunde Lebensmittel als eine Geldanlage? Das verwundert. Doch so abwegig ist es nicht, denn die ökologische Landwirtschaft drängt in die Stadt, um Kleinanleger zu finden.

Einmal die Woche klingelt der Bauer. Unsere Nachbarn kriegen dann ein Kistchen voll mit Zucchini, Weißkohl oder Mettwurst geliefert. Je nach Saison unterscheidet sich der Inhalt. Für den heimischen Herd heißt das, flexibel sein. Verbraucher haben heute viele Möglichkeiten, in gesunde Lebensmittel zu investieren: Ganz klassisch als Käufer, aber auch als »Finanzinvestor«.

Ökolandwirtschaft ist ein Markt mit Zukunft.

Die Bundesregierung hat in ihrem Nachhaltigkeitsbericht 20 Prozent als Ziel für den Ökolandbau festgeschrieben - bisher sind es 6,5 Prozent. Um das Ziel zu erreichen, könnte die »Regionalwert AG Hamburg« helfen, meint der schleswig-holsteinische Schriftsteller Robert Habeck (»Hauke Haiens Tod«). »Ein spannendes Projekt«, sagt der heutige grüne Landwirtschaftsminister in Kiel.

Die AG gibt seit März sogenannte Bürgeraktien aus. Habeck unterstützt das Engagement für eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft.

Die neue Regionalwert ist die dritte Aktiengesellschaft unter dem Regionalwertdach. Eine vierte wird gerade im Rheinland gegründet. In Thüringen gibt es erste Bestrebungen.

Die Idee stammt ursprünglich aus der Region Freiburg. Dort gründete der Demeter-Gärtnermeister Christian Hiß 2006 die erste Regionalwert AG: Derzeit profitieren davon 17 Unternehmen, darunter zehn Neugründungen.

In Hamburg will man bis zu fünf Millionen Euro einsammeln und in Norddeutschland investieren. Damit soll ein regionaler Bioverbund »vom Acker bis zum Teller« finanziert werden, vom Bauernhof bis zum Einzelhändler, sagt Vorstand Ulf Schönheim. Regionalwert könnte in die Rolle des Vermittlers und Beraters schlüpfen, der finanziellen Spielraum verschafft.

Eine Beteiligung kann für nd-LeserInnen durchaus Sinn machen. Ein antikapitalistischer Grund sind die rasant steigenden Bodenpreise. Finanzmärkte und Biogasbetreiber haben sie in den letzten Jahren hochgetrieben. Das behindert Neugründungen im Biolandbau und erschwert Nachfolgeregelungen - jedem zweiten Biohof fehlt heute ein Erbe.

Supergeldrenditen werden Agraranlegern - anders als beispielsweise einst vom »grünen« Energieunternehmen Prokon - nicht versprochen. So haben die fünfhundert Aktionäre der Freiburger Regionalwert bislang keine Dividenden gesehen. Und Aktien oder Genussscheine sind grundsätzlich riskant: Bei einer Firmenpleite droht sogar ein Totalverlust des eingesetzten Geldes. Minister Habeck hat also in mehrfacher Hinsicht Recht.

Kuhaktie vom Bauernhof

Spannend sind auch andere Geldanlagen in Lebensmittel. Der Kattendorfer Hof in Schleswig-Holstein finanziert sich durch Hunderte Teilhaber. Seit zehn Jahren setzt Bauer Matthias von Mirbach zudem auf »Kuhaktien«: 500 Euro kostet ein Anteil. Die »Aktie« ist kein Wertpapier nach dem Aktienrecht, sondern ein Genussschein besonderer Art: unbefristet, aber kündbar, frei übertragbar und vererbbar.

Das Wertpapier sichert einen Anteil an der Herde. Als Dividende gab es am Jahresanfang 2,5 Prozent in bar oder 5 Prozent in Lebensmitteln. Zurzeit sind alle Kuhaktien des Kattendorfer Hofes vergriffen.

Auch andere Bauern haben die Beteiligung von Kleinstanlegern als Chance erkannt. Seit 2011 existiert das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft (www. solidarische-landwirtschaft.org). Viele der über 150 angeschlossenen Höfe bieten finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten.

Auch Bioläden und lokale Unternehmen wie die Bingenheimer Saatgut AG beteiligen Kunden und Bekannte. Junge Unternehmen wie Erdbär oder Mammas & Pappas sammel(te)n per Schwarmfinanzierung (»Crowdfunding«) Kapital ein. Beispielsweise Seedmatch, Seedexperts oder Ecocrowd bieten solche Beteiligungen im Nachhaltigkeitsbereich im Internet an.

Wer es noch gemeinnütziger mag, finanziert per Genossenschaftsanteil »Allmende«: Kulturland eG unterstützt regional eingebundene Biohöfe, die betreute Menschen integrieren oder mit Schulklassen arbeiten. Mittels zinsfreier(!) Geldanlage investieren Sie in Ackerland, Wiesen, Hecken. Als Zins werden Sie am Hofleben beteiligt.

Wer seine Dividende lieber in Naturalien möchte, kann in sogenannte Ernteanteile investieren. Die Möglichkeit dazu bietet sich heute in jeder größeren Stadt. Menschen, meist Städter, zahlen monatlich Beiträge an einen Bauernhof in der Nähe. Der deckt damit einen Teil seiner Kosten. Dafür erhalten Sie jede Woche Anteile der Ernte. Ihre Dividende holen Sie sich direkt vom Hof ab oder von einer Abholstelle im Stadtteil. Sie wird auch nach Hause geliefert. Hermannus Pfeiffer

Literaturtipp über »Grünes Geld« und Geldanlagen in Lebensmitteln, siehe Ausgabe 1-2015 der Zeitschrift »Ökologie & Landbau«. Das Heft kann für 10,20 Euro beim Oekom Verlag in München bestellt werden (Tel. 089 / 54 41 840 oder Internet oekom@intime-media-services.de).

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