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Gefährliche Zeitungslektüre

Über angeblich illegale Heimarbeit

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.

Heimarbeit verlängert die Arbeitszeit in vielen Berufen weit in den offiziellen Feierabend hinein. Andererseits gilt sie als familienfreundliche Möglichkeit, nebenher Kinder zu betreuen oder Angehörige zu pflegen. Wenn einzelne Vermieter Heimarbeit zu unterbinden suchen, dann wollen sie uns sicher nicht vor grenzenloser Ausbeutung bewahren oder unseren Wohnraum vor kommerzieller Nutzung schützen. Das wäre ja edel, hilfreich und gut.

Aber der Verdacht liegt nahe, dass die Vermieter nur etwas abhaben wollen vom trockenen Stück Kuchen des letzten Freiberuflers oder dass sie ihn auf diese Tour loswerden wollen, um einen zahlungskräftigeren Mieter in das Quartier hineinzusetzen. In Berliner Gegenden wie Mitte, Friedrichshain und Prenzlauer Berg, wo der kreative Einzelkämpfer fast der Normalfall ist, eröffnen sich da schier unerschöpfliche Möglichkeiten. Indessen werden Unternehmen, die Erdgeschosswohnungen als Lager oder Büro missbrauchen, augenscheinlich in Ruhe gelassen, solange sie eine satte Gewerbemiete abdrücken.

Das verunsichert mich. Bin ich jetzt ein illegaler Heimarbeiter, wenn ich am Frühstückstisch die Zeitung lese? Schließlich bin ich Journalist. Was ich als Privatvergnügen empfinde, könnte als unerlaubte dienstliche Tätigkeit angesehen werden. Und wenn ich den Fernseher einschalte? Da werden immerhin auch Nachrichten gesendet. Muss ich jetzt immer schnell umschalten auf einen Kanal, auf dem seichte Unterhaltung läuft? Also das wäre für mich privat überhaupt kein Vergnügen.

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