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Stadtschloss betoniert

Außen Preußens Gloria, innen modern

Das Schloss alias Humboldtforum ist kein Luftschloss mehr, es ist Realität, unübersehbar, nicht mehr dran zu rütteln. Immerhin stecken rund 100 000 Kubikmeter Beton und 20 000 Tonnen Stahl in dem Baukörper, der in zwei Jahren in Berlins Mitte aus dem Boden wuchs. »Jetzt kann nichts mehr passieren«, freut sich Wilhelm von Boddien. Der Ex-Landmaschinenhändler aus Hamburg, der mit seiner Idee von den privat finanzierten Schlossfassaden die Politik erst rumkriegte, das Nostalgieprojekt in Angriff zu nehmen.

Gut zwei Jahrzehnte wurde über seine Gestaltung erbittert gestritten, gab es Mahnwachen und Unterschriftensammlungen für den Erhalt des Palastes der Republik. Als er weg war, fanden die Berliner Gefallen an der Übergangs-Wiese. Doch seit der Grundsteinlegung vor genau zwei Jahren läuft das Schlossprojekt relativ laut- und reibungslos. Größter Aufreger waren der Fund von Kohle in der Baugrube und der späte Wunsch des Berliner Senats, auf den Flächen, die für die Zentral- und Landesbibliothek vorgesehen waren, nun die Geschichte Berlins darzustellen.

Alles kein Problem, sagt Manfred Rettig, Chef der Schlossstiftung und somit Bauherr. Bisher liege alles im Zeit- und Kostenplan. 590 Millionen Euro darf das Schloss kosten, den größten Teil übernimmt mit 478 Millionen Euro der Bund, Berlin steuert 32 Millionen Euro bei. Größter Unsicherheitsfaktor waren bisher die 80 Millionen Euro für die Fassaden. Sie sollen allein durch Spenden aufgebracht werden. Die tröpfelten jahrelang vor sich hin, jetzt will Boddien aber über 50 Millionen Euro beisammen haben. Seine Spendenverpflichtung hat er deshalb auf 105 Millionen Euro erhöht, damit auch Kuppel und Innenportale im Preußen-Look entstehen können. Dabei stützt er sich auf Großspender, die mal so eben 15 Millionen Euro für die Kuppel rüberreichen. Von breitem bürgerschaftlichen Engagement wie bei der Frauenkirche in Dresden zeugt das nicht gerade.

An diesem Wochenende, wenn sich das Haus als offene Baustelle präsentiert, können die Besucher die ersten Fassadenelemente am Erdgeschoss bewundern und im Inneren den modernen Betonbau. Vielleicht bekommen sie eine Ahnung von dem, was Architekt Franco Stella schon die »Uffizien von Berlin« nennt.

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