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Machtkämpfe im FIFA-Reich

Politik fordert sofortigen Rücktritt Blatters, Fußball schachert um dessen Erbe

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.
Während die FIFA so weiter macht wie bisher, sorgen die korrupten Machenschaften des Weltverbandes für seltene Einigkeit im EU-Parlament. Derweil stellt sich der DFB-Präsident in eine unrühmliche Reihe.

Alle Welt macht sich derzeit Gedanken, wie der Korruption beim Weltfußballverband FIFA beizukommen ist. Martin Schulz auch. Der SPD-Politiker ist Präsident des Europäischen Parlaments. Er tritt für eine Aufwertung des Sports durch die Politik ein. Die internen FIFA-Regeln würden nicht reichen, um den Verband zu reformieren. Denn der habe sich »zu einem multinationalen Wirtschaftsunternehmen« entwickelt.

Es sind wohl Ausmaß und Unverfrorenheit des jahrzehntelangen Betrugs bei der FIFA, die am Donnerstag zu seltener Einigkeit im EU-Parlament führte. Alle sieben Fraktionen stimmten mit großer Mehrheit für ein Entschlusspapier. Die wichtigste Forderung war, dass der Weltverband Joseph Blatter umgehend ablösen müsse. Keine neue, aber wichtige und nun klar formulierte Erkenntnis lautet: »Die Korruption innerhalb der FIFA ist zügellos, systembedingt und tief verwurzelt.« In 31 Punkten hat das EU-Parlament Forderungen und Wünsche zusammengetragen. Sie sind zwar in keiner Weise bindend - aber ein richtiges Signal.

Vorstellungen, wie Struktur und Organisation der FIFA künftig aussehen sollten, enthält das Papier nicht. Auch Martin Schulz wird in diesem Punkt nicht konkret und will »nicht gleich nach staatlicher Aufsicht« rufen. Aber eines will er ganz sicher: dass der Anspruch des Weltverbandes auf unkontrollierte Eigenständigkeit der Vergangenheit angehöre.

Und das ist schon recht viel. Erst recht gemessen an dem, was sich in der Fußballwelt nach dem angekündigten Rücktritt von Joseph Blatter, den Verhaftungen von FIFA-Funktionären und den Ermittlungen in der Schweiz und den USA abspielt. Der Weltverband beispielsweise wollte unbedingt in einer »Klarstellung« dementieren, dass im Rahmen des Strafverfahrens der Schweizer Staatsanwaltschaft zu den WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar am Donnerstag »Büros durchsucht und Computer beschlagnahmt« wurden. Die erste Reise des FIFA-Generalsekretärs Jérôme Valcke nach dem neuerlichen Skandal führte ihn nach Russland. Alle aktuellen Ermittlungen ignorierend verkündete er von dort sodann: »Bei der Wahl Russlands als Gastgeber wurden keine Regeln verletzt. Zu diesem Schluss ist auch eine Untersuchungskommission in ihrem Bericht gekommen.« Müßig zu erwähnen, dass es damals eine FIFA-interne Untersuchung war, und dass der Abschlussbericht, der so genannte Garcia-Report, bis heute nicht veröffentlicht wurde.

»Liebe Freunde des Fußballs, ... Bei aller Betroffenheit muss der Blick aber jetzt auch nach vorne gehen. ... Fußball ist Lebensfreude, Freundschaft, Gemeinschaft und Gesellschaft. All das dürfen und werden wir uns nicht kaputt machen lassen. Es ist längst überfällig, all diejenigen ins Abseits zu stellen, die sich nicht an die Spielregeln halten. Die FIFA ... braucht mehr Kontrolle, mehr Transparenz.« Nein, diese Zeilen stammen nicht von Joseph Blatter - obwohl es wortgleich seine hätten sein können. Sie stammen aus einem offenen Brief, den Wolfgang Niersbach am Mittwoch an rund 26 000 im Deustchen Fußball-Bund (DFB) organisierte Vereine verschickt hat.

Damit hat sich der DFB-Präsident in die Reihe derer gestellt, die als Nachfolger um Blatters Erbe schachern. Neuwahlen will er nur nach FIFA-Statuten - das kann noch bis zu neun Monate dauern. Von »Gier und fehlender Moral einiger Weniger« ist zu lesen. Von systembedingter Korruption? Nichts! Und er hoffe, dass sein Zehn-Punkte-Plan nun Allianzen und Mehrheiten finde. Aber genau das - Mehrheiten und damit Kompromisse finden - verhindert einen wirklichen Neuanfang.

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