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Der letzte Ring

Die Europaspiele erleben ihre Premiere, doch vor ihrem Start gibt es nur schlechte Nachrichten

  • Von Jirka Grahl, Baku
  • Lesedauer: 4 Min.

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An diesem Freitag beginnen in Baku die Europaspiele. Aserbaidshan kämpft derweil gegen eine angebliche Schmutzkampagne an.

Zwölf riesige Kristalllüster und 24 dorische Säulen zieren den großen Konferenzraum des Four Seasons Hotels von Baku, das selbst in der mit Fünfsternehotels reichlich gesegneten Hauptstadt Aserbaidshans noch eine Besonderheit darstellt. In dieses fürstliche Haus hatten am Donnerstag Sportminister Azad Rahimov und Ali Hasanov von der Präsidialverwaltung geladen - Regierungspressekonferenz, einen Tag vor Beginn der Europaspiele. Doch wie schon in den Tagen zuvor geriet auch dieser Auftritt zu purem Krisenmanagement.

Statt um die Feinheiten der Eröffnungsfeier, die Einzigartigkeit der Sportanlagen und die Partystimmung unter den 6000 Athleten ging es erneut vor allem um die Kritik, die aus Westeuropa über die Kaukasusrepublik hereinbricht. Und schon die Auftaktfrage eines Reporters von Al-Jazeera ließen die Mienen der Minister erstarren. Was ist dran an den Korruptionsvorwürfen gegen Regierungsmitglieder, und wie steht die Regierung zu Forderungen, die politischen Gefangenen freizulassen?

Nichts, behaupteten die Minister unisono. Nach Lesart der Regierung ist ausgerechnet im »wichtigsten Moment in der Geschichte Aserbaid-shans«, so Sportminister Rahimov, eine Pressekampagne im Gange, die nach Ansicht des Präsidialamtsassistenten Hasanov nur ein Ziel habe: »einen Schatten auf die Erfolge Aserbaidshans zu werfen«. Hasanov vermutet die »armenische Lobby« hinter den Berichten, die derzeit die schwierige Situation für Menschenrechtler und Oppositionelle beschreiben. »Aserbaidshan ist seit 2001 im Europarat« argumentierte Hasanov, »jeder, der mit einem Urteil nicht zufrieden ist, hat die Möglichkeit, vor den Europäischen Gerichtshof zu gehen.« Die Republik Aserbaidshan sei ein »legaler Staat« mit einer »Regierung auf höchstem Niveau.«

Gegen Mittag waren aus dem Athletendorf dann wirklich schlechte Nachrichten für die Spiele gekommen. Ein Shuttlebus war dort auf einem Fußweg in eine Gruppe von Sportlerinnen gefahren, wobei drei österreichische Synchronschwimmerinnen verletzt wurden, zwei davon schwer. Beide wurden nach erster Behandlung per Rettungsflugzeug in ein Wiener Krankenhaus geflogen.

Im Konferenzraum des Four Seasons übten sich derweil russische und aserbaidshanische Reporter darin, freundlichere Fragen zu stellen. So berichtete Sportminister Rahimov dann von kostenlosen Taxis für die Athleten, von all den Sportstätten und dem Erbe der Spiele, das dem Land und seinen Bewohnern beschieden sei. Selbst der Währungssturz des einheimischen Manat, der am schwarzen Samstag im Februar 33 Prozent an Wert verloren hatte, habe zu keiner Steigerung der Ausgaben geführt. Hasanov verwies auf die angebliche Pressefreiheit im Lande und auf 55 zugelassene Parteien, die selbstverständlich demonstrieren dürften. Im Olympiastadion von Baku werden morgen 10 bis 15 Staatsoberhäupter zugegen sein, darunter Russlands Präsident Wladimir Putin, dazu etwa 35 weitere hohe Repräsentanten. Aus Deutschland ist kein Regierungsvertreter vor Ort.

Über die Zukunft der Europaspiele, die in Baku nach Angaben von Sportminister Rahimov 962 Millionen Manat (etwa 817 Millionen Euro) gekostet haben sollen, wurde schon am Mittwochabend diskutiert, als bekannt geworden war, dass die Niederlande ihre Bewerbung um die Europaspiele 2019 zurückgezogen haben. Der niederländische Staat hatte sich wegen der angespannten Haushaltslage gegen die Finanzierung ausgesprochen. Am Donnerstag gab sich Patrick Hickey, Chef des Europäischen Olympischen Komitees, gelassen: Zugegebenermaßen sei das Timing schlecht, aber die Absage erfolge nur zufällig zwei Tage vor Beginn der Spiele von Baku. »Ich weiß, dass diese Spiele enorm erfolgreich sein werden. Wir haben keinerlei Sorgen, dass es Kandidaten für 2019 geben wird.«

Hickey sagte, er habe telefonisch schon von zwei potenziellen Ausrichterstädten Interessensbekundungen erhalten. Die Zeit sei reif für solche Spiele, und so bemühte er das Bild der Olympischen Ringe: Europa sei der letzte Ring, der noch keine eigenen Spiele gehabt habe. Welche Städte an der Ausgabe 2019 interessiert seien, wollte der Ire allerdings nicht verraten: Man wolle ihnen millionenteure Bewerbungskampagnen ersparen.

Zum Ende des Tages zeigte Aserbaidshan noch einmal sein Verständnis von uneingeschränkter Berichterstattung. Der britische Guardian meldete, dass seinem Chefreporter Owen Gibson die Einreise verweigert worden sei, nachdem seine Bitte um Akkreditierung bis zum Donnerstag nicht entschieden worden war. Sportminister Rahimov wollte darin nichts Besonderes erkennen. Die Akkreditierung sei Sache des Veranstalters: »Aus verschiedenen Gründen wurde diesem Typen keine Akkreditierung erteilt.«

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