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Mit Stadtplanung gegen Angsträume

Ingrid Hermannsdörfer ist bundesweit die einzige Architektin, die bei der Polizei angestellt ist, um den öffentlichen Raum sicherer zu machen

Seit 2012 leistet sich die Berliner Polizei ein zweiköpfiges Team, das Vorschläge zur sogenannten städtebaulichen Kriminalprävention erarbeitet. Leiterin ist die Architektin Ingrid Hermannsdörfer.

Eine der theoretischen Grundlagen von Ingrid Hermannsdörfer ist die »Broken-Windows-Theorie«. Das in den Achtziger Jahren in den Vereinigten Staaten entwickelte Konzept besagt, dass bereits ein kaputtes Fenster im späteren Verlauf Verwahrlosung zur Folge haben könnte. Müll, Dreck und Vandalismus senden das Signal aus: Niemand kümmert sich. Es entstehen Angsträume, die von den Menschen gemieden werden. »Sichtbare Normverletzungen ziehen weitere Normverletzungen nach sich«, sagt Hermannsdörfer.

Seit vier Jahren leitet die Architektin ein zweiköpfiges Team bei der Berliner Polizei, das sich um kriminalpräventives Bauen im öffentlichen Raum kümmert. Bundesweit ist das ein einmaliges Projekt. Die Idee dahinter leuchtet ein: Wie können durch einfache Baumaßnahmen Kriminalitätsschwerpunkte entschärft werden, so dass sich die Bürger an diesen Orten wieder sicherer fühlen. »Das oberste Ziel ist, die Sicherheitslage zu verbessern und das Sicherheitsgefühl zu stärken«, sagt Hermannsdörfer. Weil das entscheidend dafür ist, ob Menschen den öffentlichen Raum nutzen. Dort, wo Menschen sind, findet soziale Kontrolle statt, die sogenannte Tatgelegenheiten minimiert. Soweit zumindest die Theorie. In der Praxis kann das dann aussehen wie am neu gestalteten Leopoldplatz in Wedding. Dort finden alle Nutzer einen Platz, auch das örtliche Trinkermilieu, das sich inzwischen selber um die Sauberkeit in seinem Areal kümmert.

Der Blick der Architektin ist deshalb darauf ausgerichtet, attraktive Plätze zu gestalten: Sie müssen übersichtlich sein, gut beleuchtet, gepflegt und barrierefrei. Schließlich sollen sich alle Menschen, auch Behinderte und Ältere, wohl fühlen. Frei nach dem Motto: »Mein Park, mein Platz«. Angesichts der gekürzten Haushaltsmittel in Berlin geht das nicht ohne ehrenamtliches Engagement. Wenn Anwohner Baumscheiben selber gärtnern, sieht das so manches Bezirksamt zwar als illegal an, für die Architektin der Polizei ist das »Guerilla-Gardening« aber ein Signal an potenzielle Täter: Diese Anwohner kümmern sich um ihre Straße.

Weil die städtebauliche Kriminalprävention nur Hand in Hand mit den Stadtentwicklungsbehörden funktionieren kann, ist Hermannsdörfer auf eine ressortübergreifende Vernetzung angewiesen. Das klappt mal gut, mal gibt es aber auch Probleme. Beim Alexanderplatz beispielsweise liegen die Vorschläge der Architektin seit Längerem vor. Passiert ist dennoch wenig, weil der Bezirk Mitte nicht handelt. »Das Thema wird im Bezirksamt hin und her geschoben«, kritisiert Hermannsdörfer. Auf die Umsetzung, was die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt am Ende aufgreift, hat sie ebenfalls kaum Einfluss. Ein Ziel hat Hermannsdörfer indes erreicht: Kriminalpräventives Bauen ist ein Thema in den Medien. Und auch Innensenator Frank Henkel (CDU) sagt: »Das Geld, das wir in Kriminalprävention investieren, ist gut angelegt.«

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