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Ein Symbol der Vermüllungsgesellschaft

Aktionstag auf dem Alexanderplatz wandte sich gegen die schädlichen Auswirkungen von Einweg-Plastiktüten

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: 4 Min.

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Am Freitag startete auf dem Alexanderplatz die Aktionswoche »Stofftasche statt Plastiktüte«. Ziel des Aktionsbündnisses ist es, das individuelle Bewusstsein für Mehrwegalternativen zu schärfen.

Unerbittlich brennt die Sonne auf dem Platz zwischen Alexanderhaus und dem Shoppingcenter »Alexa«. Schatten spenden nur die wenigen Zelte, die hier heute aufgebaut sind. Passanten scharen sich aber nicht nur deshalb rund um die kühleren Zonen. Denn ein Eisbär ist da. Und der Eisbär ächzt nicht unter der Hitze; nein, er tanzt. Schließlich haben wir Klimawandel, und da müssen sich auch die knuffigen Knuddelkerlchen an die veränderten Bedingungen gewöhnen.

Einen Anteil am Klimawandel, will die junge Frau im Bärenkostüm damit ausdrücken, hat der hohe Verbrauch von Einweg-Plastiktüten. Darum plädiert der Eisbär an dieser Stelle gemeinsam mit elf Naturschutzinitiativen für die individuelle Verwendung von Alternativen. Die Menschen sollen sich über die negativen Folgen ihres Plastiktütenkonsums klar werden. Als der Eisbär sich erst mal zum Erfrischen zurückzieht, ergreift Martina Bergk zur Eröffnung des »Plastiktütenfreien Tages Berlin« das Wort: »Allein in der Hauptstadt gehen täglich 616 000 Plastiktüten über die Ladentheke, von denen die meisten nach einmaliger Nutzung im Müll landen.«

Das zeitige verheerende Konsequenzen für die Umwelt: Eine Plastiktüte brauche mindestens 400 Jahre bis zur vollständigen Zersetzung, 75 Millionen Tonnen Plastikmüll gelangten jedes Jahr in die Meere, die große Mehrheit aller Vögel in der Nordsee habe Plastikteile im Magen, die später auch auf den Tellern landen können. Während Bergk weiter Argumente gegen Plastiktüten aufzählt, bleiben immer wieder Menschen stehen, stellen die oft in Plastikverpackung gehüllte Beute ihres Freitagsshoppings kurz ab und hören zu. Einige von ihnen kehren um und schauen sich die Stände genauer an.

Zum Beispiel den Stand der BUND-Jugend, der das »Tiffin-Projekt« vorstellt. In Berlin, so die Aktivisten, würden in der Gastronomie zum Einpacken von Essen zum Mitnehmen täglich bis zu acht Tonnen an umweltschädlicher Verpackung verbraucht. Statt Sushi im Plastikbehälter, Nudeln aus der Styroporbox oder Döner in Alufolie sollen all diese Speisen künftig in wiederverwendbaren Edelstahlbehältern ausgegeben werden. Vorbild ist der »indische Aufbau« mit mehreren Fächern, damit sich Reis, Soße, oder Gemüse nicht vermischen. Es gebe bereits mehrere Restaurants in Berlin, die interessiert seien.

Wird sich die Methode flächendeckend durchsetzen? Eine ältere Dame mit Sonnenhut findet die Idee super, an der Umsetzung dürfte es aber hapern, meint sie: »In Deutschland können die Lobbyisten immer mit ihrem Argument von zu viel Bürokratie alles Umweltschützende verhindern.« Sie selbst wolle aber ab sofort häufiger »auf Plaste verzichten«. Denn der Aktionstag habe ihr in jedem Fall verdeutlicht, wie wichtig ein bewussterer Umgang mit Plastik sei.

An mehreren Stellen liegen Materialien aus, die aus verschiedenen Perspektiven zu Abfallvermeidung, Klimaschutz und Müll im Meer informieren: »In jedem Quadratkilometer Meer schwimmen heute bis zu 46 000 Teile Plastikmüll. PET-Flaschen, Plastiktüten und vieles mehr. Die Meerestiere verwechseln die Plastikteilchen mit Nahrung. So wandern deren Giftstoffe ins Fettgewebe. Schildkröten halten im Wasser treibende Tüten für Quallen und verenden qualvoll, wenn sie diese verschlucken«, erklärt etwa Stephan Lutter, Meeresschutzexperte beim WWF.

Die Aktivisten wollen nicht nur die Schädlichkeit der Plastiktüte herausstellen, sondern auch Argumente für deren gelegentlichen Gebrauch entkräften: Leicht und platzsparend sei nicht nur die Plastiktüte, es gebe zahllose Alternativen. Vom Rucksack über den Jutebeutel bis zur am Schlüsselbund anzuhängenden Tragetasche präsentiert sie die Naturschutzjugend (NAJU) an ihrem Stand. Andere laden zu Aktionen ein, die vom eigenhändigen Stoffbeutel-Bedrucken bis zum Taschentausch (Plastik- gegen Mehrwegtüte) reichen.

Ein Tag, der ganz dem individuellen Bewusstseinswandel gewidmet ist. Martina Bergk sieht aber auch im Einzelhandel erste Anzeichen für ein Umdenken, nach dem Plastiktüten bald nicht mehr gratis herausgegeben würden: »Wir stellen eine Bereitschaft der Unternehmer zu neuen Maßnahmen fest, natürlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, denn Plastiktüten kosten viel Geld.« Es geht ihr also um eine konzertierte Aktion von Wirtschaft und Gesellschaft, um dem Plastiktreiben endlich Einhalt zu gebieten und dazu beizutragen, dem Eisbären doch noch Tanzeinlagen in artgerechterem Klima zu ermöglichen.

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