Neuer Lotse

PERSONALIE

»Der Lotse der Grundsicherung geht von Bord«, mit dieser pathetischen Pressemeldung, die auf den Abgang von Reichskanzler Bismarck anspielt, verabschiedete die Bundesagentur für Arbeit (BA) ihr langjähriges Vorstandsmitglied Heinrich Alt.

Wie Bismarck, so mag auch Alt eher unwillig gegangen sein, war das Erreichen der Altersgrenze von 65 doch der Grund für seinen Rückzug. Obwohl seit langer Zeit klar war, dass Alt geht, wurde erst vor wenigen Tagen der Name seines Nachfolgers bekannt. Der Hamburger Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) soll zukünftig bei der BA den Bereich Arbeitsmarkt verantworten.

Dass die Personalie so spät festgezurrt wurde, werteten Beobachter als Indiz dafür, dass hinter den koalitionären Kulissen heftig gestritten wurde. Scheele ist der Wunschkandidat von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Einige meinen, der Ex-Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium könnte auch als Nachfolger für BA-Chef Frank-Jürgen Weise aufgebaut werden. Der oberste Dienstherr aller Arbeitsvermittler wird 2017 in den Ruhestand gehen.

Es geht auch um den politischen Einfluss und strategische Weichenstellungen bei der Nürnberger Riesenbehörde mit ihren mehr als 95 000 Beschäftigten. Die Union und die Arbeitgeber wollen sicher keinen Sozialdemokraten auf dem Chefsessel. Selbst Gewerkschafter wandten sich gegen eine Vorfestlegung auf Scheele, weil sie eine Demontage Weises befürchteten.

Am Freitag wurde Scheele vom Verwaltungsrat der Behörde erst einmal zum Vorstandmitglied und somit Alt-Nachfolger gewählt. Der 58-jährige Politikwissenschaftler wird dann wie sein Vorgänger den Bereich Arbeitsmarkt verantworten. Hier kennt sich der dreifache Vater bestens aus, war er doch von 1995 bis 2008 Geschäftsführer der Hamburger Arbeit-Beschäftigungsgesellschaft. Gründungsmotto des kommunalen Dienstleisters: »Lieber Arbeit als Arbeitslosigkeit finanzieren.« Inwiefern er sich von diesem Motto auch in seiner neuen Position leiten lässt, ist nicht bekannt.

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