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Im Reich der Seerosen-Königin

Besuch in einer Leipziger Wasserpflanzengärtnerei

  • Von Filip Lachmann, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.
Sie beliefert den Zoo und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - die Wasserpflanzengärtnerei im Leipziger Ortsteil Althen. Zu den Verkaufsschlagern zählen zweifellos die Seerosen.

Wie in Zeitlupe bewegt sich Heike Finke durch ihr Pflanzenreich. Jeder Schritt gleicht einem Kraftakt. Sobald sie einen Fuß auf den Boden setzt, versinkt dieser zentimeterweit im aufgeweichten Lehmboden. Aber genau in dieser Umgebung fühlen sich ihre Gewächse am wohlsten. Denn die Leipzigerin betreibt im Ortsteil Althen eine Wasserpflanzengärtnerei. Der Betrieb der 47-Jährigen ist einer der wenigen in Sachsen, die sich auf Hydrophyten, so der Fachbegriff für Wasserpflanzen, spezialisiert haben.

Wer glaubt, die Inhaberin erfrischt sich angesichts der hohen Temperaturen den ganzen Tag im kühlen Nass, der irrt. Auch bei der aktuellen Hitzewelle steigt sie nur dann in die Fluten, wenn es die Arbeit erfordert.

Rund 70 verschiedene Arten gedeihen in drei Teichen mit einer Gesamtfläche von 7500 Quadratmetern sowie in drei Gewächshäusern. Mit Ausnahme einiger tropischer Schwimmpflanzen stammen alle Gewächse aus eigener Zucht. »Da wir keine beheizten Gewächshäuser haben, ist der Großteil unseres Sortiments winterfest. Pflanzen, die kälteempfindlich sind, kaufen wir zu«, erklärt die Inhaberin.

Zu den Verkaufsschlagern zählen zweifellos die Seerosen. Rund 30 verschiedene Sorten der farbenfrohen Zierpflanzen umfasst Finkes Sortiment. Am gefragtesten seien die Dunkelroten. Die seien allerdings auch am schwierigsten zu züchten und entsprechend selten. Mit der Züchtung neuer Sorten befasst sich Heike Finke jedoch nicht. Sie vertraut vielmehr auf ihr seit Jahren gewachsenes Sortiment. Darauf greifen regelmäßig prominente Großabnehmer wie der Zoo Leipzig oder das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) zurück. Darüber hinaus steuern neben Privatkunden auch Zoofachgeschäfte, Garten- und Landschaftsbauern sowie einzelne Naturschwimmbäder die Gärtnerei am Stadtrand an.

Neben Hydrophyten kann die Wasserpflanzengärtnerei auch Zierfische bieten. Das Angebot umfasst unter anderem verschiedene Karpfen- und Orfenarten sowie Goldfische und Sonnenbarsche. Zum Teil werden sie direkt in den Pflanzenteichen aufgezogen. Die meisten exotischen Arten kauft Finke jedoch zu. »Interessanterweise fragen uns immer wieder Privatkunden, ob wir ihnen nicht ein paar Frösche verkaufen könnten, schließlich seien die Teiche voll damit«, muss die bodenständige Geschäftsfrau schmunzeln. Allerdings verneint sie solche Anfragen stets. Die quakenden Amphibien stehen hierzulande unter Naturschutz, ihr Verkauf ist verboten.

Heike Finke führt den Familienbetrieb bereits in zweiter Generation. Im Jahr 2000 übernahm sie das Unternehmensruder von ihrem Vater Werner Krause. Dieser machte 1970 sein Hobby zum Beruf. Zunächst setzte der gelernte Maler seinen Schrebergarten unter Wasser, um Seerosen und Zierfische zu züchten. Als die Gartenfläche nicht mehr ausreichte, erwarb er das Grundstück, auf dem noch heute die Gärtnerei steht, und machte sich selbstständig. Nach wie vor ist die Wasserpflanzenzucht eine reine Familienangelegenheit. Sowohl Finkes Mutter Helgard als auch ihr Sohn Tom packen stets mit an, wenn es die Zeit erlaubt.

Von Kindesbeinen an half Heike Finke im elterlichen Betrieb mit und erlernte so sukzessive das Handwerk. »Wie mein Vater habe ich keine gärtnerische Ausbildung. Die hätte mir vermutlich nicht viel geholfen, da der Bereich Wasserpflanzen dort nur gestreift wird«, erzählt die ausgebildete Facharbeiterin für Datenverarbeitung. »Viele meiner Kunden sind zum Beispiel überrascht, wie umfangreich die Wurzeln von Wasserpflanzen sind. Bei Seerosen haben sie in etwa die gleiche Ausdehnung wie der Teil, der aus dem Boden herausragt. Dementsprechend mächtig muss der Untergrund sein, in dem sie gedeihen.« Finkes botanisches Fachwissen umfasst jedoch ausschließlich Gewächse, die im Wasser leben.

Neigt sich der Sommer dem Ende entgegen, dann schließen sich die Tore der Wasserpflanzengärtnerei Krause. Bis das nächste Frühjahr kommt, geht Finke einer zweiten Tätigkeit als Callcenter-Mitarbeiterin nach. Im März steht sie ihren Kunden dann wieder mit Rat und Tat zur Seite.

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