Fünf Oberchefs und ein Mann als Personal

Bremen Beteilungsbericht enthält interessante Details

  • Von Alice Bachmann, Bremen
  • Lesedauer: 3 Min.

Bremen, das kleinste der 16 Bundesländer, ist nicht nur ein Gliedstaat Deutschlands - es ist im Grunde auch ein riesiger Konzern mit rund 60 Beteiligungen an Aktiengesellschaften, GmbHs und anderen Gesellschaften sowie zehn Eigenbetrieben. Alle zwei Jahre gibt Bremens Finanzressort Berichte über die Entwicklung der Beteiligungen heraus. Der aktuellste Bericht umfasst die Jahre 2011 bis 2013 und ergibt das Bild eines verworrenen Geflechts, in dem zum Teil seltsame Details zu Tage treten.

Vor zwei Jahren lagen die Zuschüsse Bremens an die rund 70 Firmen laut Bericht bei etwa 240 Millionen Euro, der Rückfluss fiel mit 36 Millionen Euro dagegen etwas kümmerlich aus. Besondere Erwähnung verdient die Bremer Verkehrs GmbH, die im Berichtsjahr 2013 immerhin über ein Anlagevermögen von fast 554 Millionen Euro verfügte. Die Gesellschaft erwirtschaftete keine Erlöse und bekam keine Zuschüsse, hatte aber Personalausgaben in Höhe von 80 000 Euro. Außerdem gehörten dem 13-köpfigen Aufsichtsrat vier Arbeitnehmervertreter und zwei Arbeitnehmervertreterinnen an. Deren Aufsichtsratstätigkeit im Bericht als unentgeltlich bezeichnet wird. Die Geschäftsführung bestand aus fünf Männern, vier bekamen laut Bericht kein Entgelt, einer dagegen 4000 Euro. Doch neben Aufsichtsrat und Geschäftsführung gab es genau einen Mitarbeiter, der tatsächlich unter »Personal« lief.

Letzteres ist auch deshalb erstaunlich, da die Aufgabe der Bremer Verkehrs GmbH Beteiligungen an der Brepark GmbH waren, die 780 000 Euro auf der hohen Kante hatte, an der Bremer Landesbank mit rund 495 Millionen Euro und an der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) mit gut zehn Millionen Kapital. Die Brepark betreibt Bremer Parkhäuser. Die BSAG ist über die Bremer Verkehrs GmbH eine fast hundertprozentige Bremer Tochter.

Die Straßenbahn AG war laut Bericht übrigens bereits 2013 fast paritätisch besetzt, will sagen von 1775 Angestellten waren beinahe die Hälfte Frauen. Bei der Verteilung der Vergütungen ging es allerdings weniger paritätisch zu. Die drei Herren, die den Vorstand bildeten, erhielten im Berichtsjahr zusammen 746 000 Euro, was pro Mann durchschnittlich etwa 248 667 Euro bedeutete. Für das restliche Personal ergab sich nur ein durchschnittlicher Wert von 48 577 Euro pro Jahr pro Person. Interessant auch: Die 105 Millionen Fahrgäste brachten der BSAG vor zwei Jahren einen Umsatzerlös von etwa 95 Millionen Euro, trotzdem wurde die BSAG noch mit 59 Millionen Euro bezuschusst.

So richtig Geld gemacht hat im Berichtszeitrum dagegen die BLG Logistixs Group AG & Co KG, die je zur Hälfte dem Land Bremen und der Bremer Lagerhausgesellschaft gehörte. Letztere wiederum befand sich zu 51 Prozent im Besitz der Stadtgemeinde Bremen. Die BLG erzielte Umsatzerlöse in Höhe von über 1,179 Milliarden Euro. Davon gingen 399 Millionen an das Personal, das aus 6520 Männern und 1266 Frauen bestand.

Ein bisschen desillusioniert der Beteiligungsbericht diejenigen, die auf Glück hoffen beim Gelderwerb. Der Bremer Toto und Lotto GmbH, die zu 66,66 Prozent dem Land Freie Hansestadt Bremen gehörte, jedenfalls bescherte das Jahr 2013 deutlich weniger Geldregen als der BLG. Die Lottogesellschaft wies Einnahmen von 1,95 Millionen Euro aus und eine Million Ausgaben, dazu den mageren Gewinn von 3000 Euro. Buchhalterischer Gewinn - versteht sich. Kein Lottogewinn.

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