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Stalin verprügelt Lenin

Grund für derartige Tätlichkeiten ist meist das Geld

  • Von Axel Eichholz, Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.
Josef Stalin hat in Moskau Wladimir Iljitsch Lenin in einem Fußgängertunnel unweit des Kremls verhauen. Prügeleien unter den Doppelgängern bekannter Politiker sind dort keine Seltenheit.

Josef Stalin traf Wladimir Lenin in einem Fußgängertunnel unweit des Kremls. Beide wollten während einer Arbeitspause schnell einen Kaffee trinken. Der Diktator machte seinem historischen Vorgänger den Vorwurf, dieser sei zur Konkurrenz übergelaufen. Der Führer des Weltproletariats antwortete unwirsch, worauf er einen Fußtritt »unterhalb der Rückenpartie« und mehrere Schläge mit dem Regenschirm des Nachfolgers erhielt.

Igor Gorbunow alias Lenin ließ sich vom Arzt »Prellungen der weichen Körpergewebe« bescheinigen und zeigte den als Stalin bekannten Latif Waliew bei der Polizei an. Alexander Rybak, Oberstaatsanwalt der Moskauer Metro, der der Fußgängertunnel gehört, sagte der lokalen Agentur »Moskwa«, Streit unter Politikerdoppelgängern sei keine Seltenheit.

Der Grund für Tätlichkeiten ist meist simpel: Geld. An Sonn- und Feiertagen verdienen falsche Generalsekretäre jede Menge Trinkgeld am Tag. Wer lässt sich schon ein Foto mit Lenin vor dessen eigenem Mausoleum entgehen? Die häufigsten Kunden sind einheimische Hochzeitspaare, bei denen der Besuch des Roten Platzes ein Muss ist, sowie Touristen. Deshalb tummeln sich stets ein Dutzend Lenins und Stalins in der Gegend.

Handgreiflichkeiten schaden der ganzen Doppelgängergilde, weil die Behörden sie danach vom Hauptplatz in umliegende Gassen und Unterführungen vertreiben, so wie vor einem Jahr. Damals lieferten sich Lenin und Stalin vor den Augen von hunderten Zuschauern direkt auf den Quadern des Roten Platzes einen Kampf. Richtig dramatisch wurde es, als »Stalins« Frau in die Schlägerei eingriff. Eine notärztliche Ambulanz musste kommen, und die Beteiligten landeten auf der nahen Polizeistation Kitai Gorod.

Lenin beschrieb den Vorfall später in Ausdrücken, die des Staatsgründers unwürdig waren. »Die trat mir richtig in die Eier«, klagt der falsche Iljitsch auf einem bis heute im Internet verfügbaren Video. Das habe furchtbar weh getan. Zar Peter der Große eilte damals herbei und setzte dem unwürdigen Klassenkampf ein Ende. Dem Aserbaidshaner Waliew flog in der Hitze des Gefechts Stalins Perücke vom Kopf, und alle konnten eine Glatze erblicken, die eigentlich ein Markenzeichen seines Gegners war. Der Streit war das Ende eines missglückten Versuchs, den Roten Platz unter zwei Hauptclans aufzuteilen.

Der damalige Lenin, ein anderer als der jetzige, warf dem falschen Stalin vor, dem historischen Vorbild gar nicht ähnlich zu sehen. Eigentlich nennt sich alles, was Schnauzer und Uniform trägt, Pfeife raucht und mit kaukasischem Akzent russisch spricht, am Roten Platz Stalin. Genauso wird jede Glatze mit dem markanten Bärtchen, einer Schirmmütze, Westenanzug und Krawatte als Lenin akzeptiert.

Der falsche Wladimir Putin hat es daran gemessen unvergleichlich schwerer. Von ihm wird wirklich Ähnlichkeit verlangt, denn die Bilder des russischen Präsidenten hängen überall. Andere historische Figuren haben es dagegen leichter, weil nicht so viele wissen, wie sie tatsächlich ausgesehen haben. So macht die große Zarin Katarina II. nicht den Eindruck einer gebürtigen deutschen Prinzessin, sondern eher den der Chefin eines illegalen Moskauer Bordells.

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