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Der Grand Slam rückt näher

Maria Scharapowa will Serena Williams in Wimbledon aufhalten - das ist ihr jedoch lange nicht mehr gelungen

  • Von Cai-Simon Preuten, London
  • Lesedauer: 3 Min.
Im Halbfinale von Wimbledon treffen Serena Williams und Maria Scharapowa zum 20. Mal aufeinander. Die zwei Siege der Russin liegen elf Jahre zurück, einer gelang ihr im Wimbledonfinale 2004.

In einem Treppenhaus im All England Club, nicht weit vom Centre Court entfernt, erinnert ein Foto im Großformat an die Geburtsstunde eines Superstars. Selbstvergessen küsst die 17 Jahre junge Maria Scharapowa die Venus Rosewater Schale, breite Buchstaben verkünden die »atemberaubendste Überraschung« der modernen Wimbledon-Geschichte.

Das Foto ist elf Jahre alt und erzählt von Scharapowas erstem Grand-Slam-Triumph. Gerade hatte die Russin mit den kindlichen Gesichtszügen die bis dato alles dominierende Serena Williams in zwei Sätzen gedemütigt und den Traum der Amerikanerin vom Titel-Hattrick im Rasenmekka zerstört. Die Tenniswelt war sich einig: Scharapowa wird auf Jahre Williams’ größte Rivalin sein.

Am Donnerstag treffen sich beide im Halbfinale von Wimbledon auf dem Centre Court wieder, es ist ihr 20. Duell. Und wieder wäre ein Sieg Scharapowas eine atemberaubende Überraschung, zu deutlich dominierte Williams die Rivalität im vergangenen Jahrzehnt.

»Ich hatte nicht besonders großen Erfolg gegen sie, das würde ich liebend gern ändern«, sagte Scharapowa, die nach ihrem Sieg 2004 nur noch ein einziges Match - bei der WM im selben Jahr - gegen Williams gewann. Bei 2:17 steht die Bilanz, bei ihrer letzten Begegnung in Wimbledon ging Scharapowa im Olympiafinale 2012 mit 0:6, 1:6 unter.

»Ich liebe es, gegen Maria zu spielen«, sagte die 20-malige Grand-Slam-Siegerin Williams: »Sie bringt das Beste in mir hervor.« So auch zu Beginn der Saison, als Williams gegen Scharapowa den Titel bei den Australian Open gewann. »Das war ein wunderbares Finale, sehr unterhaltsam, sie hat sehr gut gespielt«, sagte Williams. Ob es Scharapowa auch so in Erinnerung hat?

»Es ist jedes Mal wieder ein neues Match«, sagte die Russin am Dienstag, und es klang, als wollte sie sich selbst Hoffnung machen. Das scheint nötig, gewann sie doch in 16 aufeinanderfolgenden Niederlagen nur drei Sätze. Zudem ist Williams mal wieder in starker Form: Die Amerikanerin ist seit 26 Grand-Slam-Matches ungeschlagen, in dieser Saison hat sie überhaupt nur eine Partie verloren.

Der vierte Grand-Slam-Sieg in Serie, der »Serena Slam«, rückt also in Reichweite, schon zeichnen sich die Konturen des echten Grand Slam am Horizont ab. Steffi Graf im Jahr 1988 war die letzte von drei Spielerinnen, denen das Kunststück gelang, die Titel auf den großen Bühnen in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York in einem Kalenderjahr zu gewinnen.

Fragen dazu will Williams nicht mehr hören. Nach all ihren Erfolgen genieße sie es derzeit, vor 15 000 Zuschauern auf dem Centre Court zu spielen: »Das macht mir jedes Mal aufs Neue Spaß. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen und habe daher nichts zu verlieren.« SID/nd

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