Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Für ein bisschen mehr Würde

Um Pfandsammlern den Zugang zum Pfandgut zu erleichtern, hängen am Hardenbergplatz und in Spandau nun spezielle Flaschenhalterungen

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: 3 Min.
Neuartige Pfandbehälter sollen verhindern, dass leere Pfandflaschen im Müll landen und Pfandsammler sie dort herausfischen müssen. Doch das gut gemeinte Projekt ist in der Stadt umstritten.

Ohrwürmer sind selten angenehm. Lieder, die einem schon beim ersten Hören auf die Nerven gehen, bleiben häufig trotzdem tagelang im Kopf. Ein klassischer Kandidat dafür ist ein Song von Andreas Dorau: »8, 15, 25 Cent/ein jeder diese Zahlen kennt/die Kinder rufen im ganzen Land/Fli-Fli-Fla-Fla-Flaschenpfand.«

Ein Thema, das nicht nur zum ironischen Schlager taugt. Vielmehr führt es seit Jahren dazu, dass Armut auch denen auffällt, die in gesicherten Verhältnissen leben. Das sieht auch Carsten Engelmann so: »Flaschensammler sind das sichtbare Bild der neuen Armut in unserem Land.« Es sei entwürdigend, wenn Menschen auf der Suche nach Pfand in Mülltonnen wühlen müssten. Darum initiierte der Sozialstadtrat des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf (CDU) im Sommer 2014 ein Pilotprojekt mit Pfandkisten am Hardenbergplatz, das sein Spandauer Bezirksstadtratskollege Stephan Machulik (SPD) übernahm.

In den mehrschichtigen Behältern konnten Bürger ihre leeren Pfandflaschen hinterlassen. Das mit den Berliner Stadtreinigungsbetrieben (BSR) und der gemeinnützigen »Trias-Gesellschaft« verwirklichte Projekt, so Engelmann damals, könne dazu beitragen, das Schicksal der Menschen mit geringem Einkommen zu lindern und menschenwürdiger gestalten.

Tatsächlich nutzen die Passanten auf dem Platz am Bahnhof Zoo und rund um das Rathaus Spandau die Behälter reichlich - leider jedoch häufig als Mülleimer, denn die Pfandkisten sahen handelsüblichen Papierkörben allzu ähnlich. Für die Initiatoren kein Grund, das Projekt nach einem Jahr zu beenden. BSR-Projektbetreuer Frieder Söling regte ein neues Design an, von dem er überzeugt ist: »Es bietet die Chance, dass es weniger Vermüllung gibt und auch die Akzeptanz bei Pfandflaschengebern und -sammlern steigt.«

Statt der metallisch-drahtigen Gestelle hängen nun grüne Halterungen direkt an den Abfalleimern, in die jeweils drei leere Pfandflaschen passen. Am Hardenbergplatz und in Spandau wurden insgesamt gut 60 dieser Flaschenhalterungen angebracht. Machulik freut sich, dass trotz der durchwachsenen Ergebnisse der ersten Runde das Sujet auf der Agenda bleibt: »Wir halten die Debatte um das Pro und Contra von öffentlichen Pfandflaschenbehältern am Laufen«.

Denn die Maßnahmen der beiden Bezirke sind umstritten. So erklärte Torsten Kühne (CDU), der Pankower Stadtrat für Bürgerservice, er sehe handfeste Gefahren: »Flaschen sind nun mal gute Wurfgeschosse.« Außerdem könnten manche Menschen die Orte als Einladung missverstehen, alte Gegenstände, die sie nicht mehr brauchen, an diesen Stellen als »Spende« abzustellen. Jonas Kakoschke sieht ein weiteres Problem. Der Gründer des Internetportals »Pfandgeben.de« befürchtet, dass sich an den öffentlich aufgestellten Pfandbehältern auch Menschen bedienen, die nicht bedürftig sind: »Damit könnten Leute, die gerade auf dem Weg zum Späti sind, mal eben ein paar Cent sparen wollen.« Vereinzelt habe er das bereits in Berlin beobachtet.

»Die BSR stellt sich der Diskussion zum Thema Pfandflaschenbehälter«, erklärt Söling. Im Herbst solle das Projekt wissenschaftlich ausgewertet werden. Das Untersuchungsergebnis gelte es jetzt abzuwarten. Von ihm dürfte abhängen, ob sich die Idee stadtweit durchsetzen wird.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln