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»Friede, Freude, Eierkuchen« reicht nicht

Der Zug der Liebe an diesem Wochenende will kein Nachfolger der Loveparade sein

Politische Botschaften will die Demonstration »Zug der Liebe« aussenden. Gegen Pegida und für Flüchtlinge will man auf die Straße gehen und auf der Straße tanzen.

Eine Demo, die sich »Zug der Liebe« nennt. Wagen mit wummerndem Techno. Und das in Berlin. Da werden Erinnerungen wach: an die 90er Jahre, als Dr. Motte Millionen von Partygängern in den Tiergarten lockte. Aber der »Zug der Liebe« am kommenden Samstag (25.7.) versteht sich nicht als Neuauflage der Loveparade, die so tragisch endete. Geplant ist eine kleine Demo mit politischen Botschaften. Angemeldet hat sich die alternative Szene, Clubs wie »Beate Uwe« oder der »Techno Türken«-Verein.

Eigentlich ist es für Berlin kein besonderes Bild, wenn auf der Straße getanzt wird. Es gibt viele Demos und Open-Air-Partys. Der »Zug der Liebe« steigt einen Tag nach dem Jahrestag des Loveparade-Unglücks in Duisburg. 21 Menschen starben dort am 24. Juli 2010 bei einer Massenpanik.

Der Jahrestag war anscheinend nicht allen in Berlin bewusst. »Schwierige Sache«, räumt Organisator Jens Schwan (43) ein. Trotz der »Liebe« im Namen: Von der Loveparade distanziert sich die Berliner Demo. »Wir wollen das nicht sein, und wir sind das auch nicht.« Sie hätten dazu auch den Angehörigen von Duisburg geschrieben.

Bei der Demo geht es um Berlin-Typisches: Sie ist beispielsweise Anti-Pegida und Pro-Flüchtlinge. Eigentlich müsste die Demo durch Freital ziehen, sagt Schwan mit Blick auf die Schlagzeilen um rechtes Gedankengut in Sachsen. »Die Musik ist einfach dafür da, dass mehr Leute kommen.« Werbung und Sponsoring sollen tabu sein. Die Ziele: »Mehr Mitgefühl, mehr Nächstenliebe und soziales Engagement«, so heißt es auf der Homepage.

Anders als zu Dr. Mottes Zeiten reiche die Devise »Friede, Freude, Eierkuchen« heutzutage nicht mehr, um als politische Demonstration durchzugehen, sagt Schwan. Bei der Polizei sind 15 000 Teilnehmer angemeldet, die durch Friedrichshain und Kreuzberg ziehen.

Technopionier Dr. Motte distanzierte sich bereits 2006 von der Loveparade, die er 1989 erfunden hat. Sie verkam seiner Ansicht nach zu einer »Dauerwerbesendung«. Zuletzt stand eine Fitnesskette hinter dem Spektakel, das es seit dem Unglück nicht mehr gibt. In den Monaten nach Duisburg konnten sich wohl viele nicht mehr vorstellen, dass Technopartys noch eine Zukunft haben. Aber es gibt sie noch, deutlich kleiner, so wie beim »Summer Rave« im alten Flughafen Tempelhof.

Dr. Motte (55) will den »Zug der Liebe« nicht kommentieren. Er wird zur Gedenkfeier nach Duisburg reisen. Die langsame Aufklärung des Unglücks ärgert ihn. »Ich finde das ganz traurig, wie man da mit den Betroffenen umgeht und versucht, seine Haut zu retten.« Das sei die zweite Katastrophe nach der eigentlichen Katastrophe: »Das ist beschämend.«

An den Geist der Musik glaubt Dr. Motte immer noch. Er legt nach wie vor als DJ auf. »Ich zelebriere elektronische Musikkultur, nicht so laut und kommerziell.« Während in Berlin der »Zug der Liebe« rollt, hat er einen anderen Termin - die Beatparade in Empfingen zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb. dpa

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