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Eine Zeltstadt in Gefahr

Flüchtlinge, linke Demonstranten und Aufbauhelfer sind Ziel von Nazi-Attacken

Nach den Pegida-Märschen setzen Rassisten in Dresden ihren Hass nun vor Ort in physische Gewalt gegen ein Flüchtlingslager um.

Berlin. Vor dem neuen Dresdner Zeltlager für Flüchtlinge sind am Freitagabend gewalttätige Neonazis und Rassisten aufmarschiert. Sie griffen Demonstranten an, die dort die ersten ankommenden Asylsuchenden schützen wollten. Es seien Flaschen und Steine geworfen worden. Eine junge Frau wurde am Kopf getroffen und musste von Sanitätern behandelt werden. Auch ein Fernsehteam sei angegriffen worden. Es gab mehrere Festnahmen.

Bei den »Alternative Dresden News« heißt es zu den rassistischen Ausschreitungen: »Erst nach etwa einer halben Stunde gelang es den anfangs sichtbar überforderten Einsatzkräften, die Nazis abzudrängen. (...) Dennoch konnte die NPD neben dem üblichen eigenen Klientel und bekannten Personen aus der freien Kameradschaftsszene am Freitag innerhalb kürzester Zeit auch zahlreiche Personen aus dem Umfeld der Dresdner Fußballfanszene zu ihrer erst am Tag angemeldeten Kundgebung mobilisieren. Insgesamt hatten sich in der näheren Umgebung mindestens 150 zum Teil sehr sportliche Nazis eingefunden, welche sich nahezu frei bewegen konnten. Auch Stunden später versuchten immer wieder eigens angereiste Gruppen rechter Schläger zum Gelände zu gelangen.« Der Anti-Asyl-Aufmarsch war von der NPD angemeldet worden.

Wegen der steigenden Asylbewerber-Zahlen hatte Sachsen eine weitere Notunterbringung errichten müssen, rund 1100 Menschen sollen dort vorübergehend unterkommen. Schon den Aufbau des Zeltlagers durch DRK-Mitarbeiter hatten Rassisten behindert und die Helfer teilweise angegriffen. Wie der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Roten Kreuzes in Sachsen, Rüdiger Unger, am Freitag berichtete, wurden DRK-Mitarbeiter direkt attackiert, die Angreifer hätten den Aufbau der Zelte behindern wollen. Nur durch den Einsatz der Polizei sei eine Eskalation verhindert worden.

In einem Fall sei jemand sogar mit einem Auto gezielt auf einen DRK-Helfer zugefahren, hieß es in der »Sächsischen Zeitung«. THW-Mitarbeiter hätten aus Angst vor Steinwürfen durch Rassisten sogar Helme mitgebracht. Das Blatt berichtet zudem, Mitarbeiter des Innenministeriums seien angegriffen worden, als sie Informationsmaterial im Viertel verteilten. Sachsens Innenstaatssekretär Michael Wilhelm (CDU) äußerte sich beschämt über die Angriffe und sagte mit Blick auf die Flüchtlinge: »Lasst die Leute in Ruhe, die haben so viel durchgemacht.«

Nach den Übergriffen durch Nazis soll die Zeltstadt nun von der Polizei geschützt werden. Die Beamten seien »mit angemessenen Kräften« vor Ort und könnten im Falle neuerlicher Zwischenfälle schnell reagieren, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. nd/Agenturen

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