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Kardiotokographie statt Holzstethoskop

Experten stellen eine medizinische Überversorgung schwangerer Frauen fest und halten diese für bedenklich

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Mediziner nehmen laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung an schwangeren Frauen in Deutschland deutlich mehr Untersuchungen vor, als es nötig ist. Dies könne Ängste schüren, warnen Experten.

Gütersloh. Fast alle schwangere Frauen erhalten einer Studie zufolge mehr Untersuchungen, als nach Einschätzung von Experten nötig ist. Frauen mit einem unauffälligen Schwangerschaftsverlauf erhielten nahezu die gleiche Behandlung wie Frauen mit einer Risikoschwangerschaft, heißt es in einer am Montag in Gütersloh veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung. »Es gibt eine klare Überversorgung während der Schwangerschaft«, sagte der Gesundheitsexperte der Stiftung, Uwe Schwenk. Die Behandlung der Ausnahme Risikoschwangerschaft sei inzwischen zur Regel geworden.

Für die Studie befragte die Bertelsmann Stiftung 1300 Frauen, die 2013 und 2014 ein Kind bekommen haben. 99 Prozent von ihnen erhielten demnach mehr Untersuchungen, als es in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehen ist, die von einem Expertengremium erarbeitet wurden. Weder das Alter als Risikofaktor noch Einkommen oder Bildungsabschluss der Schwangeren hätten Einfluss auf die Zahl der Untersuchungen. Zu den zusätzlichen Untersuchungen zählte etwa die Kardiotokographie (CTG), bei der die Herztöne des Kindes und die Wehen der Mutter erfasst werden. 49 Prozent der Frauen mit normaler Schwangerschaft erhielten zudem mehr als fünf Ultraschall-Untersuchungen. Empfohlen sind drei.

95 Prozent der Frauen glaubten fälschlicherweise, dass die Kardiotokographie - nach Meinung von Medizinern nicht unbedingt sicherer als das Holzstethoskop - zu den Routinemaßnahmen in der Schwangerschaft gehört. 80 Prozent der befragten Frauen leisteten für Zusatzuntersuchungen Zuzahlungen. Das Überangebot an Untersuchungen könne die Angst der Frauen vor der Geburt schüren und den Wunsch nach einem vermeintlich sicheren Kaiserschnitt verstärken, erklärte Rainhild Schäfer von der Hochschule für Gesundheit in Bochum als eine der Autorinnen.

Die Mutterschaftsrichtlinien geben Empfehlungen für ärztliche Beratung, Gewichts- und Blutdruckkontrollen sowie für die Kontrolle der Herztöne und des Gebärmutterwachstums. Vorgesehen sind drei Basis-Ultraschall-Untersuchungen, die um die 10., 20. und 30. Schwangerschaftswoche gemacht werden sollen. Sie sehen zehn bis zwölf Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft vor. epd/nd Kommentar Seite 4

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