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Neues Licht auf ein fast unsichtbares Denkmal

Vor zehn Jahren wurde der obergermanisch-raetische Limes zum Weltkulturerbe - was hat sich seitdem getan?

  • Von Klaus Tscharnke und
 Carolin Eckenfels, Nürnberg
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein unscheinbarer Erdwall, oft verborgen in dunklen Wäldern - der römische Grenzwall Limes hatte es immer schwer, als schützenswertes Denkmal wahrgenommen zu werden. Das hat sich etwas geändert.

Matthias Pausch erinnert sich noch genau: Als kurz nach der Jahrtausendwende plötzlich die Idee vom »Welterbe Limes« die Runde machte, stieß das bei vielen auf Skepsis. »Ein Titel ohne Mittel«, hätten seinerzeit manche gespottet. Und überhaupt: Wie solle man schützen, was man ja eh kaum sehe, hätten andere eingewandt, berichtet der Leiter des Römerparks Ruffenhofen am bayerischen Limes. Tatsächlich ist der 550 Kilometer lange Limes oft nur als unscheinbarer Erdwall sichtbar.

Inzwischen seien die Skeptiker verstummt, berichtet Pausch. Denn ohne den Welterbestatus, der dem obergermanisch-raetischen Limes im Juli vor zehn Jahren verliehen worden war, gäbe es heute eine der wichtigsten Besucherattraktionen im strukturschwachen südlichen Franken nicht: das Limes-Museum »Limeseum«. Erst der Welterbestatus des Limes verschaffte dem Römerpark den Zugang zu Bundeszuschüssen.

Für den Vorsitzenden der Deutschen Limes-Kommission, Professor Sebastian Sommer, aber hat der Welterbestatus dem Limes vor allem eines gebracht: Er hat ihn deutlich stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Anrainer-Gemeinden setzten sich mit dem lange kaum wahrgenommenen Denkmal stärker auseinander. Zur Vermittlung und zum Schutz des Limes haben inzwischen alle vier vom Limes durchzogenen Bundesländer - Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz - offizielle Limes-Informationszentren errichtet. »Und auch Museen sind vielerorts neu bearbeitet worden«, berichtet Sommer.

Deutlich dichter geworden ist auch das regionale Informationsangebot entlang des einstigen Grenzwalls, der oft nur als leichte Bodenwelle erkennbar ist. In Rheinland-Pfalz entstand neben dem offiziellen Limes-Infozentrum in Rheinbrohl, dem nördlichen Limes-Endpunkt, ein kleineres Infozentrum in Pohl, dem einstigen Standort eines Kleinkastells. In Baden-Württemberg sind Aalen und Osterburken Hauptanziehungspunkte für Limes-Besucher. In Bayern hat vor allem der Römerpark im fränkischen Ruffenhofen mit seinem »Limeseum« einen starken Push vom Welterbestatus erhalten. Die fränkische Römerstadt Weißenburg baut gerade ihr Römermuseum um. Mit dem UNESCO-Status hat nach Sommers Einschätzung auch die zeitweise vernachlässigte Limes-Forschung wieder Auftrieb erhalten. Viele Wissenschaftler beschäftigten sich seit einigen Jahren wieder verstärkt mit der nördlichen Außengrenze des einstigen römischen Weltreichs. Neue Einsichten lieferte unter anderem ein sogenannter Airborne-Laserscan: Bei Überflügen entstandene Aufnahmen zeigen die nackte Landschaft entlang des Limes - ohne Bäume, Sträucher oder anderen Bewuchs. »Dabei konnten wir an einigen Stellen erkennen, dass der bisher angenommene Limesverlauf falsch war«, berichtet Sommer.

Vor allem aber habe der Welterbestatus den Schutz des Limes erheblich verbessert. »Wir haben zwar die gleichen Gesetze wie vorher - aber wir haben ein zusätzliches Argument, wenn Baupläne den Limes bedrohen: Wir können sagen: Hier schaut die Weltöffentlichkeit drauf«, berichtet Sommer. Und auch der rheinland-pfälzische Limesbeauftragte Peter Henrich, der 75 Kilometer gut erhaltenen Limes gegen Häusle-, Straßen- und Windradbauer zu verteidigen hat, weiß um die Wirksamkeit solcher Argumente: »Ich sage den Leuten dann immer: Vergesst nicht - der Limes ist mit den ägyptischen Pyramiden und der chinesischen Mauer in der gleichen Größenkategorie.«

Trotzdem bleibt der Schutz des Limes eine Herausforderung. »Besonders große Probleme bereiten die großen Flächen, die intensiv landwirtschaftlich genutzt werden«, berichtet etwa der baden-württembergische Limeskoordinator Stephan Bender. »Die Schäden durch die Landnutzung sind beträchtlich.« Schwere Ackerpflüge zerstörten immer wieder die im Boden verborgenen Limes-Wälle. Das hatte auch 2013 auch die Deutsche Limeskommission in ihrem regelmäßigen Bericht an die UNESCO in Paris beklagt. Sorgen bereiteten oft auch Forstarbeiten und Steinbrüche, heißt es in dem Kommissionsbericht. dpa/nd

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