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Tempelhof soll abheben

Neue Schilder, aber kein Konzept präsentierte der Senat auf dem ehemaligen Flughafen

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Die EU spendiert 20 Millionen Euro, um das einstige Flughafengebäude attraktiver zu machen. Wie das funktionieren soll, ist unklar.

»Take-Off für Flughafen Tempelhof als Touristen-Highlight«, so bombastisch wurde der Termin von der Senatswirtschaftsverwaltung angekündigt, zu dem am Freitag die Medien geladen waren. 20 Millionen Euro aus dem EU-Fonds zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur sollen in den nächsten Jahren fließen, um das riesige Flughafengebäude attraktiver für Touristen zu gestalten. Vor allem die zumindest teilweise Begehbarmachung des rund einen Kilometer langen Dachs des Kolosses steht ganz oben auf der Wunschliste der Senatstouristiker.

Freitagvormittag kommt schließlich ein etwas seltsamer Anruf von der Pressestelle. Pläne für das Dach würden nicht vorgestellt, vielmehr übergebe Staatssekretär Henner Bunde (CDU) nur einen Fördermittelbescheid zur Einrichtung eines neuen Wegeleitsystems an die zuständige Tempelhof Projekt GmbH. Man freue sich dennoch über einen Besuch.

Berlin tut also was. Mit Schildern. 180 Stück davon ergeben ein laut Pressemitteilung »komplexes Wegeleitsystem«, da sich auf dem »riesigen Areal mit seinen sieben Hangars, 13 Türmen und fast 30 Gebäudeteilen Besucher aus aller Welt regelmäßig verirren.« Mit dem Projekt der touristischen Attraktivierung werde zunächst auf dem Boden begonnen, lautet die feinsinnige Einleitung zu diesem sehr geerdeten Startschuss.

Die Sache mit dem Dach hat es nämlich durchaus in sich. Denn es soll nicht nur begehbar gemacht werden, auch ein Geschichtspfad wird die Besucher über die Historie des Nazi-Renommierbaus und des Geländes aufklären. Ein Runder Tisch unter Leitung von Andreas Nachama, Direktor der »Topographie des Terrors«, wurde vom Abgeordnetenhaus beauftragt, ein Gedenkstättenkonzept zu entwickeln. Der Bericht dieses Gremiums wird jedoch erst im Herbst im Landesparlament behandelt. Der Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksparlamentarier Uwe Hübsch (SPD) befürchtet denn auch, dass mit der Vorstellung der Dach-Pläne Kommission und Abgeordnetenhaus von der Wirtschaftsverwaltung übergangen würden.

Und so berichtet Gabriele Kaupmann von der Tempelhof Projekt GmbH gerne nur über die technischen und administrativen Herausforderungen des Dachausbaus, den man hofft, bis 2020 geschafft zu haben. »Es fehlen die Unterlagen aus der Bauzeit, so dass wir auch zur Statik nichts Aktenfestes haben«, erzählt sie. Diese Nachweise müssen also neu erbracht werden. Rettung im Notfall und »barrierefreie Zuwegung«, also Fahrstühle und Rampen, sind weitere harte Nüsse, die in dem denkmalgeschützten Bau geknackt werden müssen.

Der Denkmalschutz ist auch bei der neuen Ausschilderung eine Herausforderung. 882 000 Euro wurden dafür übrigens bewilligt, womit wir zurück beim Thema der Veranstaltung sind. Rechnerisch also fast 5000 Euro pro Schild. Das Geld sieht man dem vorgestellten Entwurf allerdings nicht an, er kommt recht konventionell daher. Der Zeitplan ist behäbig. Bis Ende des Jahres sollen die Prototypen fertig sein. Ende 2016 soll sich dann niemand mehr verirren.

Staatssekretär Henner Bunde ist jedenfalls zufrieden: »Die neuen Schilder sind der erste Schritt zu einem Ausbau, der Geschichte und Faszination heute verbindet und auf den ich mich jetzt schon freue. Wenn dann noch Europas größtes Gebäude als gefragte Adresse der Digital- und Kreativwirtschaft abhebt, ist die Destination Tempelhof perfekt.« Bis zum »wenn dann« wird es aber wohl noch eine Weile dauern.

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