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Wenn die Flut kommt

An der niedersächsischen Küste hilft ein Amphibienfahrzeug bei der Wattrettung

  • Von Janet Binder, Cuxhaven
  • Lesedauer: 3 Min.
Immer wieder kommt es vor, dass Wanderer im Watt vor Cuxhaven von der Flut überrascht werden. Seit dieser Saison steht für Rettungseinsätze ein neues Amphibienfahrzeug bereit.

Ulf Neu sitzt in der Rettungsstation am Strand von Cuxhaven-Duhnen und beobachtet sein Radargerät. Seit über einer Stunde ist der tiefste Wasserstand im Watt vorbei, das Wasser läuft auf. Die grünen Punkte auf seinem Bildschirm sind die Wanderer und Kutschen, die im Watt unterwegs sind. »Jetzt muss man aufpassen, dass sie langsam wieder zurückkommen«, sagt der Rettungsschwimmer. Wenn nicht, schlägt er Alarm.

Immer wieder kommt es vor, dass Wattwanderer zwischen Cuxhaven und der Insel Neuwerk von der auflaufenden Flut überrascht werden. Sie können sich dann auf eine der sieben Rettungsbaken flüchten. Im vergangenen Jahr rückten Feuerwehr, DLRG und die Rettungsschwimmer der Kurverwaltung zu 42 Einsätzen im Wattenmeer aus. Vor kurzem seien zwei Reiter gestürzt, erzählt Neu. Einer von ihnen zog sich einen Bruch zu. Reiter und Pferde mussten aus dem Watt geholt werden.

Für Einsätze solcher Art steht den Cuxhavener Rettern seit dieser Saison ein neues Amphibienfahrzeug zur Verfügung. Der zweisitzige Quadski kann auf Knopfdruck die Räder hoch- oder runterklappen und so sowohl auf dem Meeresboden als auch auf dem Wasser fahren. »Er ist schnell zur Stelle, um Ertrinkende und abgetriebene Kitesurfer zu retten oder auch Reitern zu Hilfe zu eilen«, sagt Oberbürgermeister Ulrich Getsch (parteilos). Seiner Erfahrung nach unterschätzen Urlauber immer wieder Gefahren und berücksichtigen nicht die Wattlaufzeiten.

Der Quadski ersetzt ein anderes Amphibienfahrzeug, das demnächst ausgemustert werden muss und nicht mehr hergestellt wird. Das neue Fahrzeug wurde aus den USA importiert, bislang wurde es in Deutschland noch nicht zur Strandrettung eingesetzt. Das dreieinhalb Meter lange Gefährt schafft bis zu 70 Stundenkilometer - auf dem Wattsand und in ruhiger See. »Das ist schon sehr ordentlich«, sagt Rettungsschwimmer Ralf Hofmann-Kramer.

Auch Neu ist zufrieden. Bislang musste sich die Anschaffung allerdings noch nicht im Ernstfall beweisen. »Es hat auch noch seine Kinderkrankheiten«, räumt der 54-Jährige ein. Auf einer Testfahrt hat der Quadski Schwierigkeiten, durch den Sandstrand zu kommen.

Neben dem Quadski können die Rettungsschwimmer auf einen Unimog und einen Trecker - je mit einem Boot ausgestattet - zurückgreifen. Mit den Booten werden immer mal wieder Kiter in Sahlenburg oder Döse aus dem Wasser gezogen. Vor Kurzem musste Ulf Neu mit dem Boot einen Kiter aus dem Wasser holen, der sein Brett verloren hatte und in die Fahrrinne der Elbe geraten war.

»Der Quadski hat den Vorteil, dass wir damit durch die Priele sowohl mit Rädern als auch mit dem Jetantrieb fahren können«, sagt Neu. Die Wasserläufe, die auch bei Ebbe mit Wasser gefüllt sind, können für Wanderer zum Problem werden. »Sie werden von ihnen eingeschlossen«, erklärt der Rettungsschwimmer.

Neu weiß, wann die gefährlichen Zeiten sind. »Wenn jemand erst nach dem Niedrigwasser in Neuwerk losläuft, kann ich mich schon auf die Rettung einstellen.« Jetzt schaut er wieder auf den Radarschirm und sieht, wie sich ein Wanderer einer Rettungsbake nähert - vielleicht ein Zufall, vielleicht aber auch eine Notsituation. »Das muss man weiter beobachten.« dpa/nd

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