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Blutige Botschaften der Taliban

Mit den jüngsten Terrorattacken demonstrierten Afghanistans Aufständische ihre Macht

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Mit einer blutigen Anschlagsserie haben die Aufständischen in Afghanistan Botschaften an die einheimische Bevölkerung, die ausländischen Besatzer und das Kabuler Regime ausgesandt.

Die Taliban und mit ihnen verbündete Gruppierungen bewiesen bereits in den vergangenen Jahren ihre Fähigkeit, selbst in einer hoch gesicherten Stadt wie Kabul nicht nur sogenannte weiche Ziele wie Hotels und Supermärkte anzugreifen. Selten war jedoch die Wucht der vorgetragenen Angriffe so groß und die zeitliche Abfolge so kurz. Zunächst explodierte am Freitag ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen in einem dicht besiedelten Wohngebiet der Hauptstadt. Verzweifelte Bürger beklagten danach eine sich täglich verschlechternde Sicherheitslage. Das fällt vor allem auf Präsident Aschraf Ghani und die Regierung zurück, die einen aufgeblähten, aber wenig effektiven Sicherheitsapparat unterhalten. Um diesen weiter zu demoralisieren, erfolgte Stunden später ein Selbstmordanschlag auf die Nationale Polizeiakademie. Und schließlich attackierten die Rebellen dann auch noch eine Basis der NATO-geführten Ausbildungs- und Beratungsmission Resolute Support. Die Taliban ließen nie einen Zweifel daran, dass es ohne einen vollständigen und bedingungslosen Abzug der internationalen Truppen keine Übereinkunft mit der Regierung geben wird.

Erste direkte Verhandlungen unter Vermittlung Pakistans fanden im vergangenen Monat statt. Der Prozess geriet jedoch nach dem mit zweijähriger Verspätung verkündeten Tod von Taliban-Führer Mullah Omar ins Stocken. Die offenbar mit ausdrücklichem Segen Islamabads vollzogene Kür Mullah Masurs zum Nachfolger führte zu schweren Turbulenzen innerhalb der religiös geprägten Bewegung. Hohe Kommandeure fühlten sich bei der Nachfolgeregelung übergangen. Friedensgespräche mit Kabul wurden grundsätzlich infrage gestellt. Ob aus diesem Kreis die Initiatoren der Anschläge in Kabul und wenig später in der Provinzhauptstadt Kundus kamen, blieb unklar.

Möglicherweise wollte auch der neue Chef Mansur Entschlossenheit demonstrieren, um seinen internen Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Diese hatten ihm eine zu weiche Haltung vorgehalten.

Zum Problem könnte sich bei Fortsetzung der Gespräche entwickeln, dass mit Sirajuddin Haqqani der Operationschef des gleichnamigen Netzwerkes zum Stellvertreter Mullah Mansurs avancierte. Das Netzwerk, das immer wieder schwere Anschläge in Ostafghanistan und in Kabul verübte, wurde von den USA 2012 als terroristische Organisation eingestuft. Damit kann Washington nicht stillschweigend darüber hinweggehen, wenn das Netzwerk als Verhandlungspartner auftritt.

Ghanis Vorgänger Hamid Karsai umging die Amerikaner einfach. Er traf bereits 2010 Haqqani sowie die Spitzen des pakistanischen Sicherheitsapparates, um die Möglichkeiten einer Annäherung auszuloten. Zweifellos stellt das straff organisierte Haqqani-Netzwerk einen Machtfaktor dar, der nicht ignoriert werden kann.

Eine Lösung des Konfliktes wird nicht zuletzt durch eine desolate Regierung erschwert. Diese ist ein Ergebnis der von Betrugsvorwürfen überschatteten Präsidentschaftswahl. Nach der Stichwahl im Juni 2014 erklärten sich sowohl Ghani als auch Herausforderer Abdullah Abdullah zum Sieger. Abdullah wurde im September mit der Position eines nicht genauer definierten Regierungsvorsitzenden abgefunden. Beide Lager misstrauen einander zutiefst. Abdullah befürchtet als Repräsentant der Tadshiken, dass der Paschtune Ghani mit den von Paschtunen dominierten Taliban ein Abkommen zulasten der anderen Volksgruppen aushandelt.

Das politische System verharrt unterdessen in Agonie. Nach der Verfassung waren eigentlich Parlamentswahlen für dieses Frühjahr vorgesehen. Sie wurden inzwischen auf unbestimmte Zeit verschoben. Außenminister Salahuddin Rabbani sprach stattdessen von »neu aufgetauchten Bedrohungen«. Zwar bildeten sich am Hindukusch einzelne kleine Zellen der Terrorbewegung Islamischer Staat, aber diese werden von den Taliban und US-Drohnen in einer bemerkenswerten Allianz entschlossen bekämpft. Der Regierung in Kabul geht es mit aufgebauschten Gefahren vor allem darum, eine dauerhafte Finanz- und Militärhilfe durch westliche Staaten zu sichern.

Die NATO reagierte auf den angeblichen IS-Vormarsch am Hindukusch zurückhaltend. Die Mission Resolute Support, an der gegenwärtig etwa 13 000 Soldaten beteiligt sind, soll Ende 2016 enden.

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