Google wird Teil von »Alphabet«

Neue Dachgesellschaft: Technologiekonzern strukturiert sich um / Suchmaschine wird hundertprozentige Tochter neben X Lab, Calico, Nest und Co.

Berlin. Google Inc. wird durch Alphabet Inc. ersetzt - mit dieser Mitteilung hat der Mitbegründer des Technologiekonzerns, Larry Page, am Montag die Öffentlichkeit überrascht. Das Unternehmen, zu dem in der letzten Zeit immer neue Geschäfts- und Entwicklungszweige dazugekommen waren, erhält eine neue Struktur - unter dem Dach einer Gesellschaft namens Alphabet. Ihr würden der Forschungsbereich X Lab, die Investment-Abteilung Google Ventures, der Gesundheits- und Wissenschaftsbereich sowie die Suchmachine Google unterstellt.

Google ist in der Vergangenheit an den Rändern stark gewachsen - etwa mit dem Medizinunternehmen Calico. Der Konzern verfolgt so unterschiedliche Projekte wie den Drohnen-Lieferdienst Wing, selbstfahrende Autos oder intelligente Kontaktlinsen für Diabetiker. Zugleich betreibt Google das Videoportal YouTube und ist Anbieter des Smartphone-Betriebssystems Android. Alle unterschiedlichen Unternehmensbereiche sollen nun eigene starke Chefs bekommen.

Alphabet sei im Grunde eine Ansammlung von Unternehmen, erklärte Page. »Uns gefiel der Name Alphabet, weil er eine Kollektion von Buchstaben bedeutet, die für die Sprache stehen, zu den wichtigsten Innovationen der Menschheit gehören und der Kern davon sind, wie wie in der Google-Suche indizieren.«

Wann genau die Umstrukturierung vollzogen wird, wurde nicht mitgeteilt. In der Ankündigung hieß es lediglich, dass bis Ende des Jahres alle Google-Aktien automatisch in Alphabet-Aktien umgewandelt würden. Den Chefposten der Dachgesellschaft übernimmt Page. »Unser Unternehmen läuft heute gut, aber wir denken, dass wir es klarer und verantwortlicher machen können«, begründete Page die Umstrukturierung. Unter dem Dach von Alphabet können laut Page Geschäftsbereiche von Google, »die nicht wirklich zusammenhängen«, besser unabhängig voneinander geführt werden. »Bei Alphabet geht es um Geschäfte, die durch starke Führer und Unabhängigkeit florieren«, hieß es weiter.

Die Umstrukturierung geht auch mit neuen Verantwortlichkeiten einher. »Ich freue mich wirklich darauf, Alphabet als Chef zu leiten«, sagte Page. Google-Mitbegründer Sergey Brin wird als Präsident der neuen Dachgesellschaft fungieren. Chef der Suchmaschine Google wird der derzeitige Vize-Präsident Sundar Pichai. Der 43-jährige Top-Manager gilt als rechte Hand von Page und hatte in den vergangenen Monaten immer mehr Verantwortung übertragen bekommen. Die Suchmaschine, sozusagen das Fundament des Technologiekonzerns, wird eine hundertprozentige Tochter von Alphabet - zu Google gehören unter anderem Android, YouTube, die Kartendienste und Google-Apps.

Der Branchenexperte Bob O'Donnell, Chef der Beratungsfirma TECHnalysis Research, sagte, die Umstrukturierung bedeute, dass künftig jeder Unternehmensbereich auf sich gestellt sei und Ergebnisse liefern müsse. Mit der Umstrukturierung reagiert der Konzern offenbar aber auch auf Befürchtungen, der Internetriese Google könne seinen Zenit überschritten haben. Nach einem Allzeithoch Anfang 2014 verlor die Google-Aktie deutlich an Wert. Nach der Ankündigung der Umstrukturierung legte die Google-Aktie am Montagabend nach Börsenschluss im elektronischen Handel um mehr als fünf Prozent zu.

Investoren hatten sich schon lange Sorgen darüber gemacht, dass die Zukunftsprojekte viel Geld verschlingen - während der Löwenanteil des Geldes nach wie vor im Kerngeschäft mit Online-Werbung im Umfeld der Internet-Suche erwirtschaftet wird. Schließlich demonstrierte zum Beispiel der bisherige Misserfolg der Datenbrille Google Glass, dass man mit großen Wetten auf die Zukunft auch viel Geld verlieren kann. Darauf reagieren nun die Google-Gründer. »Wir glauben schon lange, dass Unternehmen es sich mit der Zeit damit bequem machen, dieselben Dinge zu tun, nur kleinere Veränderungen vorzunehmen«, schrieb Page. Agenturen/nd

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